Sony bringt elektronisches Lesegerät in die Schweiz

Am 3. April kommt der Sony Reader in den Verkauf – der japanische Multi setzt damit Amazon und den E-Book-Reader Kindle kräftig unter Druck.

1/11 Die Zeitungsindustrie setzt auf E-Book-Readers mit Gross-Display. Sie spannt dabei mit dem Technologieunternehmen Plastic Logic zusammen.
Foto: Plastic Logic

Pünktlich zur Leipziger Buchmesse (12. bis 15. März) kommt das mobile elektronische Lesegerät Sony Reader am Mittwoch auf den deutschen Markt. Gleichentags präsentiert der japanische Konzern das Produkt in Basel. Schweizer Verkaufsstart ist am 3. April.

Branchenvertreter gehen allerdings davon aus, dass erst die nächste E-Book-Generation wirklich breit abgesetzt wird. «Der Sony Reader ist nur ein Zwischenschritt», sagt Michael Justus, kaufmännischer Geschäftsführer des S. Fischer Verlags.

In der «Pipeline» sind bereits Lese-Geräte, die anders als der Sony Reader schnurlosen Zugang zum Internet bieten. Damit kann man jederzeit Bücher downloaden, ohne den Umweg über einen PC machen zu müssen.

Ausserdem können auch Zeitungen und Zeitschriften heruntergeladen werden. Die Benutzer solcher Geräte könnten dann auch Zugang zu E-Mails und Blogs haben. «Dann kann ein Gerät sehr erfolgreich sein», glaubt Ronald Schild, E-Book-Fachmann beim Börsenverein des Deutschen Buchhandels in Frankfurt.

Leserfreundlicher

Um nicht nur eine Minderheit anzusprechen, muss ein digitales Lesegerät eben noch viele andere Funktionen erfüllen. Lesegeräte und Smartphones scheinen zusammenzuwachsen: So wird das mit einer speziellen Software mögliche Lesen etwa auf dem iPhone von Apple immer beliebter.

Vor wenigen Tagen hat der Onlinebuchhändler Amazon, der mit seinem Lesegerät Kindle in den USA Erfolg hat, die Kindle-Software auch für das iPhone zur Verfügung gestellt. Unbestritten ist, dass die derzeit gängigen Lesegeräte wie Kindle und Sony Reader viel lesefreundlicher sind als die ersten E-Book-Geräte vor zehn Jahren.

Die neue Generation hat neben einer grossen Speicherkapazität auch eine konstant hohe Bildschirmqualität: Dank einer elektronischen Tinte können sie überall - ob am Strand oder am Sofa zu Hause - gelesen werden.

Mittlerweile Chefsache

Der Sony Reader kommt in der Schweiz für 449 Franken in die Läden - mit vorinstallierten Leseproben aktueller Bücher und zwei kompletten Romanen inklusive. Für den US-Markt hat Sony, das nach eigenen Angaben bisher rund 300'000 elektronische Lesegeräte weltweit verkauft hat, bereits ein Nachfolgemodell angekündigt.

Dort muss sich Sony mit Amazon messen, das dort seit wenigen Tagen mit dem technisch verbesserten Kindle 2 auf dem Markt ist. Wie beim Vorgängergerät können die Bücher beim Kindle 2 direkt über Mobilfunkverbindung von Amazon runtergeladen werden.

Unklar bleibt weiter, wann Amazon mit dem Kindle nach Europa kommt. Die Verlage scheinen inzwischen die digitale Herausforderung anzunehmen: «Seit der Frankfurter Buchmesse hat ein Umdenken eingesetzt», sagt Schild. In vielen Verlagen sei das Thema E-Book jetzt zur Chefsache erklärt worden.

E-Books günstiger?

Vieles bleibt beim Thema E-Book allerdings offen, so etwa die Frage nach dem Kopierschutz. Als Lehre aus den leidvollen Erfahrungen der Musikindustrie mit den Raubkopierern befürwortet die Branche ein «elektronisches Wasserzeichen» beim E-Book.

Elektronische Bücher können dann wie jedes andere Buch an Freunde weitergegeben werden, sagt Schild. Wenn sie jedoch bei illegalen Tauschbörsen auftauchen, kann der Weg zum Absender über das Wasserzeichen zurückverfolgt werden.

Dass digitale Titel künftig langfristig billiger werden als herkömmliche Bücher ist überdies nicht ausgemacht, wie zumindest S. Fischer-Geschäftsführer Justus erklärt: Die Herstellung und der Vertrieb von E-Books seien mindestens genauso teuer, sagt er. (rek/sda)

Erstellt: 09.03.2009, 16:13 Uhr

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7 KOMMENTARE

Imboden Blanca

18.03.2009, 16:59 Uhr

Ich werde mir sicher so ein Ding kaufen. Und zwar für die Ferien. Damit kann ich mein Gepäck unerhört "erleichtern" und meinen afrikanischen Freunden dafür mehr Geschenke mitbringen. Zuhause lese ich natürlich lieber ein hundgewöhnliches Buch. Irgendwann werden die Geräte auch billiger. Ich warte noch ein wenig.


Hans Hottinger

16.03.2009, 09:43 Uhr

Für Leute, die wirklich viel lesen müssen (mehrere Bücher pro Woche), und die für ihre Arbeit immer mehrere Bücher gleichzeitig zur Hand haben müssen (darunter auch mehrbändige Lexika), ist ein Ebook-Reader eine grosse Erleichterung. Allerdings ist ein Mini-Notebook eine starke Konkurrenz, weil man das sowieso immer dabei hat und nicht gerne noch ein weiteres Gerät mitschleppen will.


Stefan Ho

15.03.2009, 08:33 Uhr

Diese E-Books sehen ja ganz nett aus, aber ihre Displays sind viel zu klein. Da passt ja gar nix drauf, oder nur so winzig, dass man die Lupe zücken muss. Ich werde erst dann einen Erwerb ins Auge fassen, wenn ein E-Book herauskommt, welches über eine Display-Grösse von mindestens DIN A4 verfügt.


Ulrich Raumer

13.03.2009, 15:24 Uhr

Als Vielleser (20-50 Bücher pro Jahr), was passiert wenn er gestohlen wird? 450.-- für den Reader und 1000.-- für die ebooks futsch? Von den 50 Büchern liest auch meine Frau gerne die Hälfte, kostet so der Eintritt zu einem gemeinsamen Leseabend mit Reader 900.--? Stichwort Lizensierung: Was passiert bei einem Wechsel auf ein neueres Gerät? Da besteht noch Mitteilungsbedarf seitens der Industrie!


Ulrich Raumer

13.03.2009, 15:18 Uhr

Als technologiefreundlicher Leser finde ich die Möglichkeit toll, aber: Wieso soll der Leser 450.-- für ein Gerät bezahlen um Bücher zu lesen? Ein Reader sollte deutlich weniger als 100.-- kosten. Wieso kostet das Gerät 50% mehr wie in den USA wo es erst noch 100 Bücher gratis dazu gibt? eBooks sollten aufgrund des Aufwands maximal 1/3 des Buchpreises kosten. Jetzt sind's etwa 2/3. NOCH ZU TEUER!!


Peter Broger

11.03.2009, 16:19 Uhr

Diese Reader sind wirklich sensationell, qualitativ und Batterielebensdaur. Leider noch etwas kundenunfreundlich wegen dem Anschluss nur über PC. Kopierschutz muss die Industrie aber aufpassen. Ich kann ein Buch einem Kollegen ausleihen ohne vor Gericht zu landen. Die Musikindustrie hat es mittlerweile gemerkt. Ohne Papier und Vertrieb sollte das E-Books auch 50 % günstiger sein.


Daniel Hartmann

11.03.2009, 01:07 Uhr

Ein guter Ort, um mehr über E-Books zu erfahren, ist die Mobileread Community. http://www.mobileread.com



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