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Klatsch und Voyeurismus auf Twitter

Von Christian Lüscher. Aktualisiert am 27.07.2012 2 Kommentare

Der Kurznachrichtendienst will zusammen mit Hollywood eigene Reality-Shows nach dem Vorbild MTV produzieren. Verliert der Dienst seine Unschuld?

Bald in Twitter-TV zu sehen? Reality-Soap-Star Kimberly Kardashian (ganz rechts) aus Kalifornien mit ihren Schwestern. 
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Bald in Twitter-TV zu sehen? Reality-Soap-Star Kimberly Kardashian (ganz rechts) aus Kalifornien mit ihren Schwestern. Bild: Google

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Bestätigt sind die Pläne noch nicht. Dementiert allerdings auch nicht. Wie das Branchenmagazin «Adweek» schreibt, plant das in San Francisco ansässige Unternehmen Twitter eine enge Zusammenarbeit mit Hollywood. Konkret will das Kurznachrichtenportal künftig eigene Videoinhalte anbieten. Diesen Herbst soll es losgehen.

Twitter orientiert sich angeblich an MTV. Das auf junge Zuschauer ausgerichtete TV-Netzwerk ist mit Realityshows wie «The Real World» and «The Hills» sehr erfolgreich. Wie die Quellen von «Adweek» sagen, will Twitter ähnliche Shows in einem eigenen Videoplayer in seinem Dienst anbieten.

Die Nutzer sollen die Möglichkeit bekommen, künftig mit Akteuren von Shows in Kontakt zu treten. Zudem sollen über Videoinhalte Produkte beworben werden. Twitter schwebt angeblich vor, den Medienkonsum zu verändern. «Wir sprechen hier von einer neuen Idee, wie Inhalte künftig verbreitet werden», sagt ein Insider aus Hollywood-Kreisen dem Magazin. Dabei würde Twitter nicht als Produzent im Zentrum stehen. Vielmehr ginge es um die neuartige Verbreitung und Vermarktung von Bewegtbildinhalten.

Werbegelder im Fokus

Hintergrund dieser Überlegung ist die Erschliessung von zusätzlichen Einnahmequellen. Das Kernbusiness mit den sogenannten Promoted Tweets ist für Twitter zwar ein einträgliches Geschäft. Der Dienst stösst aber an seine Vermarktungsgrenzen. Mit dem Einstieg ins TV-Business erhofft sich die Spitze mit den beiden Gründern Biz Stone und Jack Dorsey mehr Geld. Das Potenzial ist um ein Vielfaches höher als im Onlinemarkt. Angeblich sollen Werbebudgets gegen vier Millionen Dollar möglich sein – pro Realityshow, versteht sich.

Sollten sich diese Pläne bewahrheiten, würde sich das Unternehmen in direkte Konkurrenz mit Playern wie AOL, Yahoo, Hulu und Youtube begeben. In der Techszene rümpft man bereits die Nase und warnt Twitter vor einem solchen Engagement. Der renommierte Blog GigaOM titelt: «Why twitters move into TV could be a recipe for disaster.» (Warum Twitters TV-Pläne in einem Desaster enden könnten.) Die Autoren sehen viele Gefahren und verweisen auf vergangene Projekte: Beispielsweise scheiterte Yahoo an einer ähnlichen Strategie.

Verliert Twitter seine Unschuld?

Auch wenn Twitter-Chef Dick Costolo in dieser Woche gegenüber dem «Wall Street Journal» beteuerte, dass Twitter ein Technologieanbieter für die Medienindustrie sei, würde das Unternehmen bald um millionenschwere Werbebudgets mitfeilschen. Mit Konsequenzen für die Nutzer: Die Verflechtung und Interessen der abermilliardenschweren TV- und Kinobranche nimmt zu. Dass die enge Kooperation mit der Entertainmentindustrie nicht immer gut ausgeht, zeigen zwei Beispiele.

Einer der Gründe, warum Myspace die Gunst der Nutzer verlor, ist die Partnerschaft mit dem Medienkonzern News Corp. Sobald solche Firmen im Boot sitzen, wird an der Profitabilität geschraubt und die Werbung nimmt zu, was die User nicht verzeihen. Auch der einstige Social-Media-Star Digg gilt als Beispiel, dass ein zu heftiger Flirt mit der Werbebranche bös enden kann. Weil der Dienst zu stark an der Monetarisierung arbeitete, straften das die User mit ihrem Weggang ab.

Aber die TV-Pläne von Twitter machen sicherlich auch viel Sinn. Viele Studien kamen in den letzten Monaten zum Schluss, dass Zuschauer insbesondere Live-Events zunehmend auf mehreren Plattformen gleichzeitig verfolgen. Dabei sind Zuschauer während ihres Fernsehkonsums auf Twitter aktiv. Experten sprechen vom sogenannten Zweitschirmphänomen (second screen). (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 27.07.2012, 14:01 Uhr

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2 Kommentare

Thomas Läubli

27.07.2012, 21:51 Uhr
Melden 18 Empfehlung 0

Welcher gebildete Mensch braucht eine "Analyse" einer antisozialen Plattform? Wir wissen doch längst, dass der Narzissmus der Gesellschaft zunimmt und kritisches Denken abnimmt. Diese Selbstbespiegelungen sind nur noch peinlich - auch für den, der ihnen Wichtigkeit zuspricht. Antworten



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