Fondation Beyeler wird zum Kunst-Dorf

Das meistbesuchte Kunstmuseum der Schweiz baut aus. Architekt Peter Zumthor plant für 100 Millionen Franken auf dem Nachbargrundstück drei neue Gebäude für die Fondation Beyeler.

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Als der Galerist und Kunstsammler Ernst Beyeler in Riehen Anfang der 1990er-Jahre sein Projekt präsentierte, waren manche skeptisch ob der Grösse. Doch der von Renzo Piano entworfene Museumsbau wurde überrannt, und schon nach drei Jahren war ein erster Ausbau nötig. Knapp 20 Jahre nach der Eröffnung ist Riehen heute stolz, dank der Fondation auf der Kulturlandkarte zu sein.

Seit der Eröffnung wurden 6,5 Millionen Gäste gezählt, und so ist es erneut eng geworden. Es fehle Platz für die eigene Sammlung, die auch mit Leihgaben stetig wächst, sowie für einen Veranstaltungsraum, sagte Fondation-Direktor Sam Keller am Donnerstag vor den Medien - für die Medienkonferenz wurde ein grosser Ausstellungsraum leer geräumt.

Gleicher Landschaftsarchitekt

Stiftungspräsident Hansjörg Wyss war das Nachbargrundstück mit grossem Privatpark beim Spazieren aufgefallen, worauf er dessen Erwerb vorschlug. Die Eigentümerin sei begeistert gewesen, sagte Wyss - unter der Auflage, die prächtigen alten Bäume nicht anzutasten. Jener Park war wie der heutige Museumspark von 200 Jahren angelegt worden, und zwar vom selben Landschaftsarchitekten.

Zumthors Projekt verdoppelt nun die Parkfläche, und alles wird öffentlich zugänglich. Die neuen Räume packt er nicht in ein grosses Gebäude, sondern in drei mit differenziertem Nutzen: Kunst-Villa, Event-Pavillon sowie ein kleines Haus für Technik und Büros. So passten die Dimensionen gut zum Dorfcharakter Riehens, hiess es.

Die «Villa» Projektkern ist als asketisch-karges Y mit drei Etagen aus Stampfbeton geplant, dessen raue Oberfläche Wetter und Umgebung spiegeln soll, wie Zumthor selber erläuterte. Grosse Seitenfenster bringen Tageslicht hinein und erlauben Ausblicke in die Parknatur. Pianos Bau überzeugt derweil mit wenig Fenstern und viel Oberlicht.

50 von 100 Millionen da

Das Anfang 2015 angekündigte Erweiterungsprojekt wird jetzt insgesamt auf 100 Millionen Franken beziffert. Bisher ist laut Wyss die Hälfte gesichert. Die Stiftung wolle erst dann Bagger auffahren lassen, wenn neben dem Bau auch die ersten zehn, zwölf Jahre Betrieb finanziert sind. In anderthalb bis zwei Jahren könne es so weit sein. Dem Museumsprojekt müssen zudem drei Wohnhäuser weichen, die derzeit für Büros genutzt werden. Deswegen brauche es noch einen Baurechtsvertrag mit der Gemeinde, den der Einwohnerrat abzusegnen habe, erklärte Gemeinderat Daniel Albietz. Der Gemeinderat selber stehe dahinter, entstehe doch ein «neues Wohnzimmer für die Bevölkerung».

Für Peter Zumthor ist das Projekt eine Rückkehr in die Heimat, war er doch 1943 in Basel geboren worden. Mit seinem 1978 gegründeten Architekturbüro in Haldenstein GR baut er weltweit - auch einige Museen - und wurde mehrfach ausgezeichnet. In der Schweiz haben ihn die Therme in Vals GR von 1996 breit bekannt gemacht. (amu/sda)

Erstellt: 04.05.2017, 16:54 Uhr

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