Kultur
Mussolinis monströse Pläne
Von Anatol Heib. Aktualisiert am 29.12.2011 1 Kommentar
Harald Bodenschatz: Städtebau für Mussolini. Auf der Suche nach der neuen Stadt im faschistischen Italien. ISBN 978-3-86922-186-1. Erschienen im Verlag Dom Publishers. Zirka 150 Franken.
Artikel zum Thema
Korrektur-Hinweis
Melden Sie uns sachliche oder formale Fehler.
Nirgendwo in Europa wurden vor dem Zweiten Weltkrieg so viele einschneidende städtebauliche Massnahmen und Veränderungen vorgenommen wie im faschistischen Italien. Architektursoziologe und Stadtplaner Harald Bodenschatz beschreibt im Buch «Städtebau für Mussolini» ausführlich die Projekte des Duce. Dieser liess alte Städte modernisieren, unzählige Siedlungen, ganze Dörfer und Städte bauen oder Sümpfe trockenlegen.
Ein Architekt im Dienste des Duce
Bodenschatz legt den Schwerpunkt auf die städtebaulichen Projekte im Grossraum von Rom. Mussolini habe das Potenzial des Städtebaus als Herrschaftsinstrument erkannt und das Thema zur Chefsache gemacht, sagt Bodenschatz. Einer der zentralen und besonders einflussreichen Architekten im faschistischen Italien war Marcello Piacentini. Er habe wie kein anderer den Städtebau des Regimes geprägt. Allerdings hatte er anders als Speer nie ein offizielles Amt inne.
Die markantesten Bauten sind jene für die geplante Weltausstellung, aber auch die Sportstadt (Foro Mussolini, heute Foro Italico) ist sehr markant. «Der bemerkenswerteste neue Stadtteil aus dieser Zeit wird oft übersehen: das mythische Garbatella», sagt Bodenschatz. Im historischen Zentrum Roms seien die massiven Eingriffe heute nicht mehr als solche der Mussolinizeit zu sehen, weil viel abgerissen wurde. «In Italien war die Architektur nicht so streng reglementiert, es gab eine stilistische Vielfalt, die allerdings in den 1930er-Jahren geringer wurde.» Und es gab, so Bodenschatz, offenbar «keine Zwangsarbeit wie in NS-Deutschland und in der Sowjetunion bei grossen Städtebauprojekten.»
Kahlschlag im historischen Zentrum Roms
Viele Projekte wurden nie umgesetzt. So sah man beispielsweise einen Kahlschlag für das historische Zentrum von Rom und eine faschistische Kolossalstatue vor und hatte nicht zuletzt auch Stadtpläne für Addis Abeba nach dem Überfall auf Äthiopien.
Verblüffend sei für diese Zeit gewesen, dass das faschistische Regime seine Mittelschichten «urbanisierte»: Es gab neue Arbeitsplätze in den umgebauten historischen Zentren und kompakte urbane Wohnquartiere. «Ganz anders als bei der damals auf Suburbanisierung gerichteten Entwicklung in Deutschland oder in den USA.»
Regimes exportierten ihre Pläne
Bodenschatz' Buch analysiert auch die Charakteristik des italienischen Städtebaus im Kontext der anderen Diktaturen Europas. «Sie versuchten sich mit Projekten zu übertrumpfen. Die Nationalsozialisten orientierten sich in vielerlei Hinsicht an Einrichtungen Mussolinis, der ja seit 1922 Regierungschef war, also weit vor Hitler», sagt Bodenschatz. Die Pläne des Diktators bzw. seines Architekten Alfred Speer seien ohne diejenigen aus Italien nicht zu verstehen, aber auch Mussolini habe später auf Hitlers Pläne reagiert.
Die Regimes in Rom, Berlin und Moskau wollten ihren Städtebau auch exportieren: Deutschland vor allem nach Osten, das faschistische Italien in die Kolonien bzw. auf den Balkan und die Sowjetunion nach dem Krieg nach Osteuropa. (baz.ch/Newsnet)
Erstellt: 29.12.2011, 14:47 Uhr
Kommentar schreiben
Verbleibende Anzahl Zeichen:
1 Kommentar
Wer Rom besucht, sollte den aufstrebenden Stadtteil E.U.R (Esposizione Universale di Roma - ein Quartier der nicht mehr durchgeführten Weltausstellung E 42) nicht auslassen, eine grosszügige Parkanlage mit künstlichem See und Stadion. Dort in der Nähe wurde im Frühling 2010 das sehr moderne Designer-Hotel "OP" eines kanadischen Architekten eröffnet ... sehr empfehlenswert. Antworten
Live @ Sunset
11. bis 22. Juli - Zürich Dolder u.a. mit B.B. King, Elton John und Alanis Morissette!
Grandioses Berg-Erleben.
Weltberühmte Berge und 100 Jahre Jungfraubahn: Sommerurlaub vor der schönsten Kulisse der Welt!
Familie, Beruf und Studium
Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.

Bitte warten







