Kultur
«S Beschte wos je hets gits?» – Easy!
Von Bänz Friedli. Aktualisiert am 08.12.2009 34 Kommentare
«S Beschte wos je hets gits!»
(Quelle: Youtube)
Der Autor
Bänz Friedli ist Kolumnist beim «Migros-Magazin» («Der Hausmann»), Musikjournalist und Mitglied der Jury «Schweizer Wort des Jahres».
Heshurim Aliu, ein 21-jähriger Mazedonier aus dem Baselbiet, gibt an, er habe sich absichtlich versprochen: «S Beschte wos je hets gits!», radebrechte er im Frühjahr in die TV-Kamera des Lokalsenders Telebasel. Gemeint war eine Tanzparty auf dem Lande. Die Losung, ausgesprochen mit balkanischem Akzent, wurde Kult, der Ausschnitt auf Youtube über 480'000-mal angeklickt. Bald war «S Beschte wos je hets gits!» in aller Jugendlicher Munde. Nun wurde der Spruch gar offiziell zum Schweizer Jugendwort des Jahres gekürt - Heshurim Aliu ist ein bisschen stolz und kommentiert im Internet lakonisch seine fünfzehn Minuten Ruhm: «Chas gits.»
Wie kommt eine Sprachjury dazu, solch einen Missgriff zu prämieren? Easy, Monn! Die Jugend spricht halt so. «Pass uff, odr’ch gib dich Magebox ims Gsicht!» Griesgrämige Bildungsbürger wähnen das Abendland in Gefahr, und Professor Adolf Muschg grämte sich schon öffentlich über die Verlotterung zur, wie er sie nennt, «McSprache» und die «Sprachlosigkeit» der Jugendlichen. Er müsste verstehen, dass nur eine Jugendsprache, die Erwachsene nicht verstehen, wirklich eine Jugendsprache ist.
Sprachlos? Die heutige Jugend geht flinker und origineller mit Sprache um als jede Generation vor ihr. Die Teenager SMSeln, chatten, twittern und mailen rasant, und weils so pressiert, erfinden sie kreative Abkürzungen: «Han dich gärn» heisst dann halt nur noch «hdg». Time is money, das haben sie kapiert.
Schlau und lustig
Aber doof sind sie nicht. «Ey,’chschwöörsmonn!» Man gebe «Spongetrim» in die Suchmaschinen ein und schaue sich im Web die Filmchen von «Spongetrim Budalkopf» an. Diese Parodien auf die SpongeBob-Trickfilmreihe persiflieren den Schweizer Fremdenhass, schlau und lustig. Natürlich wird Jugoslang gesprochen, natürlich wird auch hier «S Beschte wos je hets gits!» ausgerufen. Und die Schulkinder klicken täglich rein, um zu schauen, ob nicht bald eine neue Episode komme.
Krass, fett und geil sind mega out, Monn. Heut heisst es «sbeschtwosjehetsgits!». Okee? Dass der Balkanslang unter Deutschschweizer Jugendlichen Leitkultur wurde, mag eine Ironie sein: Die gebeutelte Minderheit gibt den Ton an, alle Kids reden so, nicht nur die vom Balkan. Doch die wenigsten sind wirklich sprachlos und damit ohne Aussicht auf ein erfolgreiches Berufsleben; die allermeisten verwenden den Slang spielerisch, mit einem Zwinkern. Und sie können, wenn Lehrabschlussprüfung oder Vorstellungsgespräch es verlangen, sehr wohl auf Standardsprache umschalten - wie wir es damals konnten. Wir redeten noch nicht den Gorans und Heshurims nach dem Maul, sondern dem Secondo unserer Tage, Gianluca aus Bümpliz, der mit seinem Italotonfall die Mädchen betörte, und wir ahmten ihn alle nach: «Ehi, ragazzi, göh mer Disco?»
Süsse Rache
Und vielleicht ist die Ausbreitung des Jugoslangs nur die süsse Rache einer Volksgruppe, der unser Land neuerdings sogar die religiösen Symbole verbieten will. Ein anderer Jüngling sagte in den Ohren der Jury übrigens den Satz des Jahres. Granit Xhaka, U-17-Fussballweltmeister, gebürtiger Albaner und Muslim, sprach ein grosses Wort gelassen aus: «Ich bin nicht ‹gut integriert› in der Schweiz. Ich bin Schweizer.» (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 08.12.2009, 15:32 Uhr
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34 Kommentare
"die süsse Rache einer Volksgruppe, der unser Land neuerdings sogar die religiösen Symbole verbieten will" - sehr witzig. Dieser Schmerzen verursachende Akzent wird weiss Gott schon seit Jahren gesprochen. Und da gibt es diese Gruppe, die wirklich so spricht. Und die kann nicht umschalten. Antworten
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