«Ich möchte ein monolithisches Museum bauen»

Peter Zumthor, der Bündner Stararchitekt mit Basler Wurzeln, über seinen Museumsbau für die Fondation Beyeler.

Das Erweiterungsprojekt der Fondation Beyeler von Atelier Peter Zumthor Haus für Kunst, Sicht aus dem Iselin-Weber-Park © Atelier Peter Zumthor & Partner

Das Erweiterungsprojekt der Fondation Beyeler von Atelier Peter Zumthor Haus für Kunst, Sicht aus dem Iselin-Weber-Park © Atelier Peter Zumthor & Partner

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BaZ: Peter Zumthor, wussten Sie schon bei der ersten Begehung des Bauplatzes, was Sie bauen werden, oder war das ein langer Prozess?
Das war eine intensive Arbeit. Aber es gibt natürlich auch erste Intuitionen, wenn ich den Bauplatz besichtige. Ich mache mir zuerst mal ein Bild von der Umgebung, von der Grösse und den funktionellen Zusammenhängen. Dann geht es los.

Wie denn?
Es passiert eigentlich alles im Kopf.

Entwickeln Sie ein Gebäude im Team?
Es ist ein Team, das mir hilft und mich kritisiert. Das Team ist sehr wichtig. Aber das Projekt, das bin ich. Das bin zu hundert Prozent ich.

Warum haben Sie den Museumsbau für die Fondation Beyeler in drei ganz unterschiedliche Gebäude aufgeteilt?
Zuerst hatte ich ja die Idee, die beiden Parks zu einem zu verschmelzen. Nach etwa drei Wochen habe ich aber gelernt, dass das falsch ist. Ich entschied mich, das Trennende zwischen den beiden Parks, die Grenze dazwischen herauszuarbeiten. Die Gebäude werden nun auf diese Nahtstelle gesetzt, und zwar so, dass man die Gartenanlage des Berowerguts und den neu hinzukommenden Iselin-Park als zwei Einheiten erkennt.

Den Pavillon setzen Sie zwischen den Bau von Renzo Piano und Ihren ­Mu­­seumsneubau?
Ja, es lag auf der Hand, dieses Auditorium und Veranstaltungshaus, das ja ein eigentliches Begegnungszentrum werden soll, zwischen die Museen zu platzieren.

Hat die Bauherrschaft eigentlich schon bei der Ausschreibung an mehrere Gebäude gedacht?
Nein, ich habe mich hier über die Vorgaben hinweggesetzt. Aber es schien mir einfach die beste Lösung zu sein.

Wie stellen Sie sich den Dialog des Neubaus mit dem Altbau vor?
Mein Projekt lebt vom Kontrast. Während Renzo Piano sich von der Hallenarchitektur inspirieren liess, ist mein Museum eher klassischer Natur. Es lehnt sich an die Villenarchitektur an, die in Riehen ja sehr präsent ist. Pianos Museum hat Oberlicht und seitliche Ausblicke, unser Museum hat Seitenlicht und eine Sequenz von Panoramafenstern. Wir machen also ein ganz neues Angebot, das sich nicht mimetisch anlehnt, sondern sich deutlich vom bestehenden Museum abgrenzt.

Wie reden diese Gebäude denn ­zusammen?
Im Moment sagt das neue Gebäude, wenn es denn gelingt: «Ich gehöre zum Park. Ich bin keine Villa, auch wenn ich ein bisschen daran erinnere. Ich bin ein Kunsthaus. Aber mich freut es, dass ich in der Nähe dieser alten Bauernhöfe stehe, die es im Iselin-Park und auf dem Berowergut noch gibt.» Die Besucher werden die beiden Museen nicht formal als Einheit empfinden, sondern eher in ihrer Nutzung. Es sind zwei eigenständige Kunsthäuser in einer grossen Park­anlage.

Welches ist das Haupt- und welches das Nebengebäude?
Alt- und Neubau sind zwei Haupt­gebäude. Mein Gebäude freut sich an Pianos Gebäude. Ich hoffe, das wird auch umgekehrt der Fall sein.

Hat sich Renzo Piano schon geäussert?
Er soll gesagt haben, dass dieses Gebäude das beste im Wettbewerb gewesen sei. Er wusste aber nicht, dass es von mir stammt.

Hat die Architektur rein dienende Funktion oder darf sie sich bei einem
Museumsneubau auch in den Vordergrund spielen?
Ich habe bei meinen Museumsbauten immer auf die Bedürfnisse der Mu­­seumsmacher Rücksicht genommen. Museen sind funktionale Gebäude, die optimale Bedingungen zur Präsentation von Kunst schaffen sollen. Die Leute sollen Freude haben, diese Gebäude zu brauchen. Ein wichtiges Thema ist auch die Besucherführung.

Wie haben Sie das bei Ihrem Bau für Beyeler gelöst?
Man kommt rein und geht auf einem spiralförmigen Weg, der durch alle Ausstellungssäle führt, durch alle drei Geschosse.

Das neue Museum ist dreiflügelig. Kann man diese Form eigentlich im Lexikon der Architektur finden?
Nicht dass ich wüsste. Diese Form ist für genau diesen Ort gemacht und passt sich genau in die Lücke ein, die von den alten Bäumen des Parks freigelassen wird. Diese ortsspezifische, autonome Architektur, die jedes Mal nach einem Original strebt, gefällt mir sehr.

Das Museum soll aus Stampfbeton gebaut werden. Was verstehen Sie unter Stampfbeton?
Ich möchte ein monolithisches Museum bauen, das gewissermassen aus einem Stein gemacht ist. Natürlich müssen wir das giessen, beziehungsweise in Schichten aufbauen, die wir dann stampfen.

Fussarbeit?
Ja, das ist Handwerk. Ich habe das schon mal gemacht, vor zehn Jahren für eine Kapelle in der Nähe von Köln. Damals haben die Bauern, die diese Kapelle bestellt hatten, den Beton Schicht für Schicht gestampft. Man lässt diese Schichten trocknen und setzt am nächsten Tag eine neue darauf.

Was ist das für ein Beton, den Sie in Riehen einsetzen werden?
Wir machen eine Mischung aus weissem Zement und Sand, der aus Jurakalkstein gewonnen wurde. Das gibt eine sehr schöne, natürliche Oberfläche, auf der sich dann bald Mikroorganismen festsetzen, die dem Gebäude eine Patina geben.

Mit diesem Jurabeton entstehen aber keine White Cubes, wie sie die Mu­­seumsleute so schätzen?
Nein, das habe ich noch nie angeboten, auch wenn das Künstler und Kuratoren gerne haben. Die Innenwände des neuen Museums haben die helle Farbe des Jurakalksteins, der zu dieser Gegend gehört. Wir werden die Mauern innen wahrscheinlich fein schleifen, sodass schöne homogene Wände entstehen. Auch die Decken werden aus diesem Material bestehen. (Basler Zeitung)

Erstellt: 05.05.2017, 15:27 Uhr

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