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Wer alle Nebenmessen der Art Basel in dieser Kunstwoche besucht, kommt gut in der Stadt herum. Wie nebenbei durchmisst man Basel vom Dreispitz bis zur St. Jakobshalle und dem Kasernenareal. So sehr haben die Messen ein Netz über die Stadt gelegt. Während die Liste unangefochten auf die Art Basel folgt, konkurrenzieren Volta 7, Selection Art Fair, The Solo Project, Scope und Focus11 untereinander um Profil. Wir haben drei davon unter die Lupe genommen.
Auf ein Performanceprogramm möchte man auch bei der Volta Show nicht verzichten. Auf Einladung des japanischen Projektes Kaikai Kiki gibt es zur Eröffnung der Messe eine Teezeremonie. Ein zweimaliges Händeklatschen besiegelt den Ausgang: Es wird ein gutes Jahr werden. Wie gut, werden dann am Ende der Woche die Bücher wissen. Ein wenig symptomatisch ist dieser quietschebunte Riegel der eng mit Takashi Murakami verbundenen Produktionsstätte. Es gibt mitunter nur wenige Berührungsängste gegenüber dem Kitsch. Abgestürzte verkohlte Kronleuchter sind auf der Volta Show ebenso zu finden wie schwebende Jungfrauen und drachenähnliche Objekte aus Harz, die jedem Inneneinrichter zur Freude gereichen.
Keine Nadel im Heuhaufen
Doch gute Arbeiten sind nicht die sprichwörtliche Nadel im Heuhaufen. Anita Beckers zeigt eine fast museale Yves-Netzhammer-Präsentation. Und in unmittelbarer Nachbarschaft stellt die Düsseldorfer Galerie Conrads Arbeiten der 1973 geborenen Jana Gunstheimer vor. Während eines Italienstipendiums hat die in der DDR aufgewachsene Künstlerin sich mit dem Katholizismus auseinandergesetzt. Ihr Schweisstuch der Veronika «In meinem Haus» – Ketzer werden es als gewöhnliches Küchenhandtuch identifizieren – ist für 24'000 Euro zu haben. Gunstheimer hat die fotografische Vorlage in einzelnen weiss umrandeten Zeichnungen umgesetzt.
Mit der Tradition des Stilllebens setzt sich das Duo Taiyo Onorato und Nico Krebs in seiner neuen Serie «Rotation» auseinander. In Langzeitbelichtungen verbinden die in Zürich lebenden Künstler die Statik eines Küchenstilllebens mit der Bewegung eines Rotors in Schwarzweissaufnahmen. Für 5200 Euro stehen sie bei der Peter Lav Gallery aus Kopenhagen zum Verkauf.
Menschenleere Szenen
Distanz zum Messegeschehen kann in der Rheingasse gar nicht aufkommen. Auf der Focus11 geht es so familiär wie bei einem Off-Projekt zu. Der Präsentation von vier Galerien aus Berlin, Paris, Lagos und Douala ist eine von Christine Eyene kuratierte Ausstellung mit Werken afrikanischer oder migrantischer Künstler gleichberechtigt. Es ist eine sehr politische kleine Schau geworden, deren Arbeiten an türkisfarbenen Wänden und auf zurechtgesägten Europaletten sowie in Schränkchen gezeigt werden.
Graeme Williams hat 16 Jahre nach dem Ende der Apartheid Townships und kleine Orte in Südafrika mit der Kamera bereist und menschenleere Szenen aufgenommen. Die Farbe eines bunten Wachstuchs oder einer Malve wird zum Hoffnungszeichen. Während Nathalie Meba Bikoro in ihren Radierungsserien die Gewalt gegen die Schwarzen in albtraumartige Situationen übersetzt. Kleinformatige Arbeiten aus ihrer Serie Stamps sind für 750 Euro zu kaufen. Fokus 11 bildet die Nische unter den Kunstmessen.
Überdimensionierte Tränensäcke
Luftig geht es in der St. Jakobshalle zu. Vor den leeren Zuschauerrängen ist sich die Kunst Spektakel genug. Einsam wird es hier nicht werden, denn es finden sich spektakuläre Werke. Biennale Venedig, The Solo Show Basel: Diese Rechnung macht man nicht unbedingt auf. Und doch findet sich eben hier Thomas Hirschhorns «Ruheraum mit Tränen» aus dem Jahr 1996 bei der Zürcher Galeristin Susanna Kulli. Auf zehn einfachen Tischen, über die Plastikplanen gelegt sind, breitet sich diese Installation aus. Thomas Hirschhorn hat Zeichnungen von Viren in Folie gepackt und sie in ein komplexes System von Aluwülsten eingebunden, die in überdimensionierten Tränensäcken enden. Neben dieser fast messesprengenden Installation gibt es auch eine kleinere Wandarbeit aus Wellpappe für 18'000 Euro.
Beim Solo Project ist der Name Programm. Die 50 Galerien zeigen weitgehend Einzelpräsentationen. Der Messescanblick darf ruhen und geht stattdessen in die Tiefe. So erschliessen sich die Arbeiten der im Iran geborenen Parastou Forouhar im Werkkomplex.
Schattenwürfe bilden das Gespenst
Forouhar, die seit 1991 in Deutschland lebt, bindet Folter- oder Gewaltszenen in Ornamente ein. Was subversiv ist, wird beim Stand der Münchnerin Karin Sachs über die schöne Oberfläche transportiert. Während sich bei der Zürcher Galerie Bernard Jordan ein ironischer Seitenhieb auf die Frage der Autorschaft mit einer grossformatigen Arbeit von Renée Levi verträgt.
Die Basler Künstlerin hat jene kleinen Zettel mitgenommen, auf denen Kunden Stifte testen, sie signiert und gerahmt. Nun sind sie für 1500 Euro zu haben. Viele der Galeristen nutzen den Platz für Skulpturen. Berlin Art Projects zeigt eine Einzelpräsentation des türkischen Künstlers Yasam Sasmazer. Die Schattenwürfe der drei eng beeinander stehenden Kinderfiguren bilden just das Gespenst, vor dem sie sich fürchten.
Das wird niemand als schlechtes Omen deuten müssen, das Solo Project hat in diesem Jahr einfach substanzielle Werke, die Schatten werfen.
(Basler Zeitung)
Erstellt: 16.06.2011, 14:23 Uhr
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