Mit blanken Brüsten gegen «Alltagsblindheit»

Die Schweizer Konzeptkünstlerin Milo Moiré erklärt, was sie mit ihrer Nackt-Performance vor der Art Basel bezwecken wollte.

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Eiskalt abgeblitzt. Die Schweizer Konzeptkünstlerin Milo Moiré steht vor dem Eingang der Art Basel und ist enttäuscht. Nackt ist sie auch. Das ist mit ein Grund für ihre Abfuhr. Während rund 45 Minuten hat die 31-Jährige am Donnerstagmorgen die Stadt zu Fuss und via Tram durchquert. Vom Burgfelder- bis zum Messeplatz. Keine Kleider am Körper, nur Schuhe, Hornbrille und Handtasche – und aufgemalte Wörter wie «Bra», «Shirt» oder «Panties».

Doch jetzt, kurz nach elf Uhr, ist Schluss mit lustig. Die wichtigste Kunstmesse der Welt hat soeben ihre Tore geöffnet. Eine Art-Mitarbeiterin erklärt der Nackten freundlich aber bestimmt, dass man ihre Performance in den Messehallen nicht toleriert. Unter anderem aus Rücksicht gegenüber der vertretenen Künstler und Galerien.

Empörung kommt keine auf

«Dass ich so nicht reinkomme, zeigt die starren Rahmenbedingungen solcher hoch kommerziellen Messen», findet Moiré, bevor sie sich wieder Kleider besorgt. Beklagen kann sich die in Deutschland wohnhafte Schweizerin trotzdem nicht: Dass ihr gestriger FKK-Trip von den Verantwortlichen der Art Basel nicht toleriert wird, war abzusehen. Daneben hat Moiré ihr Ziel mehr als erreicht: Wo sie auch aufkreuzte, war ihr die Aufmerksamkeit aller Anwesenden sicher.

Das kichernde Teenie-Mädchen am Barfüsserplatz liess beim Anblick der splitternackten Künstlerin beinahe ihr Handy fallen und sogar den Kopftuch tragenden Muslimas beim Burgfelderplatz huschte bei dem Anblick ein scheues Lächeln über die Lippen. Wirkliche Empörung kam, zumindest auf der Strasse, keine auf.

Ist das Kunst?

Einziger Streitpunkt war der künstlerische Wert der Performance. Nackt sein kann ja jeder, lautete der Tenor. Man redete von billiger Effekthascherei – und schaute trotzdem hin. Milo Moiré erklärt ihre Aktion so: «Bei meiner Performance ‹The Script System› geht es darum, wie die Leute in ihrem alltäglichen, stereotypen Handeln auf meine Aktion reagieren.» Moiré will die Passanten mit ihrem Auftreten aus ihrer «Alltagsblindheit wachrütteln» und in einen «Schwellenzustand» versetzen.

Wenn die Konzeptkünstlerin damit meint, dass alle ihr Handy zücken und wie wild drauflosknipsen, hat sie ihr Ziel jedenfalls erreicht. Oft wird der Kunstwelt vorgeworfen, sie sei zu abgehoben. Von Moirés Aktion kann man das jedenfalls nicht behaupten – zu nackter Haut hat jeder einen Bezug. Und das Konzept mit den aufgemalten Kleidernamen ist ebenfalls gut nachvollziehbar. In Basel verzichtete die Schweizerin auf ihre berüchtigte Eierleg-Performance von der Art Cologne.

Dort hatte die nackte Moiré vergangenen April ein Bild «geboren», indem sie Farb-Eier auf eine Leinwand plumsen liess. Den Verzicht auf diese Nummer begründet sie damit, dass sie in Basel stattdessen lieber mit der Bevölkerung interagieren wollte. Woher die 31-Jährige genau kommt, will sie mit Verweis auf ihre Privatsphäre nicht verraten. Dafür aber nackt durch die Stadt streifen. Und das darf sie auch: Wie das Sicherheitsdepartement mitteilte, ist öffentliches Nacktsein in Basel-Stadt nicht verboten, sofern keine sexuelle Motivation vorliegt. (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 19.06.2014, 18:59 Uhr

Umfrage

Die Schweizer Konzeptkünstlerin Milo Moiré spazierte nackt durch die Basler Innenstadt. Ist das Kunst?

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