Kultur
Das Ende der Business Class
Aktualisiert am 02.03.2009 3 Kommentare
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Das Buch
Martin Suter, «Das Bonus-Geheimnis und andere Geschichten aus der Business Class», Diogenes, 160 Seiten, ca. 33 Franken.
Eineinhalb Jahrzehnte lang hat der Schweizer Schriftseller («Der letzte Weynfeldt»), einst als Werbetexter und Creative Director selbst Mitglied der «Business Class», das Leben der stressgeplagten Manager in seinen Kolumnen seziert.
Der genaue Blick und die Ironie legten dabei für ihn offenbar nicht nur die Schwächen der einzelnen Akteure frei. «Ich hatte schon manchmal das Gefühl, dass es so nicht weitergehen kann», sagte Suter im vergangenen Jahr mitten in der Finanzkrise. «Aber ich staune, dass es so knüppeldick gekommen ist.»
Arme Hamster
Von grossen Katastrophen sind die kleinen Satiren weit entfernt. Sie lassen schmunzeln und die Manager in ihrem System aus Konkurrenz und Erfolgsprämien doch so richtig menschlich erscheinen. Bei allen Anstrengungen im Hamsterrad des Business, bei aller Aufmerksamkeit für die nächste, die ganz grosse Chance, kommt ihnen dann doch immer wieder etwas dazwischen.
«Dumm gelaufen» könnte als Motto über den meisten Storys stehen. Etwa beim neidischen Blick darauf, dass der Konkurrent neben dem zweitwichtigsten Mann des Unternehmens sitzt - dabei sitzt man selber neben der Nummer Eins und merkt es nicht.
Salzmandel-Finish
Das titelgebende Bonus-Geheimnis gehört offensichtlich zu den grossen Mysterien der Business Class. Es ist so gut gehütet, dass es fast zur Heirat verführen könnte. Denn nur der Ehefrau darf der Manager die Höhe der eigenen Vergütung verraten. Das Gespräch zweier Erfolgreicher, die herausbekommen wollen, wieviel der andere erhalten hat, ohne die eigene Gratifikation offenzulegen, ist unter dem Titel «Ohne Tabu» eine der witzigsten Satiren der Sammlung.
Und dann kommen die wichtigen letzten Worte nach 15 Jahren Kolumne, und sie münden in die wesentliche Frage, wieviele Salzmandeln in einem an der Bar zu den Getränken bereitgestellten Schälchen liegen. Sind es 20 oder weniger? Nun, vielleicht gibt es noch einmal ein tiefgründigeres letztes Wort und dieses steht nur an einem vorläufigen Ende. Denn die Business Class dürfte gerade in der Finanzkrise noch für so manche Kolumne gut sein. (rb/sda)
Erstellt: 02.03.2009, 10:56 Uhr







