Kultur

Das Undercover-Supermodel

Aktualisiert am 15.09.2011 5 Kommentare

Um eine Studie über das Model-Business zu verfassen, startete die junge US-Soziologin Ashley Mears eine eigene Karriere auf dem Laufsteg.

1/4 Um der Faszination von Mannequins wie Coco Rocha (Bild) auf die Spur zu kommen, betrieb Ashley Mears jahrelang Feldforschung als Model.
Bild: Ellecanada.com

   

Interview mit Ashley Mears

Ashley Mears from Kritty Wong on Vimeo.

Ashley Mears: Pricing Beauty. The Making of a Fashion Model. ISBN: 9780520270763, 21.50 Franken. (Bild: Amazon.com)

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Mears, heute 30 Jahre alt und Dozentin an der Universität Boston, modelte mehrere Jahre täglich, um die Mechanismen des Modelbusiness aus nächster Nähe zu beobachten. Ihre gesammelten Erfahrungen fasste sie im Buch «Pricing Beauty» zusammen, das diese Woche erscheint. Darin schildert Mears, wie Hochglanzmagazine wie «Vogue» ihr Renommee missbrauchen, um ambitionierte Models gratis oder gar gegen Rechnung anzuheuern: Je grösser in der Model-Welt der Glamour, so Mears' Formel, desto geringer die Bezahlung. Geld ist nur mit unattraktiven Katalogaufträgen und Ausstellungsauftritten zu holen. Wer seinen Namen jedoch allzu häufig mit blossen Brotjobs in Verbindung bringt, der verunmöglicht sich den ganz grossen Durchbruch, auf den die allermeisten jungen Frauen hoffen, gelte doch in der Fashionbranche mehr als sonst: The Winner Takes it All.

Ihre Undercover-Arbeit zum Modelgeschäft fügt sich ein in die soziologische Tradition der Einbettungsstudien, bei denen die Forscher in ihr Untersuchungsfeld eintauchen, ohne dabei jedoch als Forscher erkannt zu werden. Im deutschsprachigen Raum ist primär der Journalist Günter Wallraff mit spektakulären Verkleidungsaktionen populär geworden. Der Deutsche machte sich als «Ali» über den alltäglichen Rassimus kundig, als «Hans Esser» spionierte er in der Redaktion der« Bild»-Zeitung.

Winner-Models

Um ein Haar wäre Mears selbst der Faszination des Mannequin-Traums erlegen, so erzählt Mears im Gespräch mit dem Onlinemagazin «Slate». Selbst als sie längst ausreichend Material für ihr Buch gesammelt hatte, modelte die Amerikanerin noch weiter – in der diffusen Hoffnung, doch noch in die Fashion-Elite aufsteigen zu können und als sogenanntes «Winner-Model» entdeckt zu werden. Winner-Models sind Heidi Klum, Cindy Crawford, Naomi Campbell, Kate Moss und Coco Rocha; das heisst wahrer Glamour und echter Luxus.

Wodurch sich Winner-Models genau von den Tausenden Aspirantinnen abheben, konnten die Model-Macher Mears nicht recht sagen. «Es ist, als müsste man jemandem den Sinn des Lebens erklären», schwadronierte ein Manager, und ein Stylist sagte: «Du weisst es einfach!» Das Geheimnis der Supermodels blieb also auch Mears verborgen – trotz ihrer äusserst intensiven Nachforschungen. (lsch)

Erstellt: 14.09.2011, 15:25 Uhr

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5 Kommentare

Walter Kleist

14.09.2011, 19:48 Uhr
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"Winner takes it all"? Keine neue Erkenntnis und gilt in sehr vielen Berufen heute. Hier hat wohl eher ein gescheitertes Model gedacht: "Ach, es klappt einfach nicht mit dem grossen Durchbruch im Modeln. Setze ich halt doch lieber auf einen Job als Wissenschaftlerin und verwurste die verlorenen Jahre zu einem Buch." Antworten


Arsène Grichblai

14.09.2011, 17:55 Uhr
Melden 10 Empfehlung

Schön, aber diese Weichspühl-Studie mit der Arbeit Wallraffs gleichzusetzten, naja.. Antworten



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