Kultur

Dieter Meier attackiert Lukas Bärfuss im eigenen Restaurant

Von Rico Bandle. Aktualisiert am 06.07.2010 36 Kommentare

Eine Lesung im Lokal des Musikers Dieter Meier drohte am Montag auszuarten. Der Hausherr griff seinen Gast, den Schriftsteller Lukas Bärfuss, nach dessen Lesung frontal an.

Literatur mit Aggressionspotenzial (v. l.): Schriftsteller Lukas Bärfuss, Moderator Roman Bucheli und der Künstler und Wirt Dieter Meier.

Literatur mit Aggressionspotenzial (v. l.): Schriftsteller Lukas Bärfuss, Moderator Roman Bucheli und der Künstler und Wirt Dieter Meier.
Bild: rb

Wie auf der Anklagebank: Lukas Bärfuss (links) wird von Dieter Meier angefahren. Und dies gehörte eher zu den harmloseren Szenen. (Video: rb)

Artikel zum Thema

Lukas Bärfuss sass nur noch mit hängenden Schultern auf seinem Hocker, versuchte sich schüchtern zu verteidigen, wie ein Schüler, der vom Lehrer zu Unrecht gemassregelt wird. «Ich habe eine unglaubliche Wut!», fuhr Dieter Meier den Schriftsteller in gehässigem Ton an, der eben vorgelesene Text sei eine «Anbiederung im jämmerlichen Bereich», geschrieben von jemandem, der «nicht begriffen hat, worum es in seinem Tun eigentlich geht». Lukas Bärfuss ist notabene kein Provinzautor, sondern ein international gefeierter Schriftsteller und Dramatiker.

Woher die brachiale Aggression Meiers gegen den feinfühligen Autoren? Bärfuss hatte zuvor drei Texte vorgelesen, allesamt unveröffentlichte Werke, die er eigens für diese Lesung geschrieben hatte. Im ersten ging es um die Mühen, eine Idee für einen Text zu finden, beziehungsweise darum, dass Ideen und Einfälle einem Text vielleicht auch abträglich sind. Der zweite handelte von einem wohlvorbereiteten Theaterbesuch, der wegen einer nach Knoblauch riechenden Besucherin im Theatersaal eine unerwartete Wendung nimmt. Am Schluss sprachen aber alle nur noch vom dritten Text, jenem, der die Wut Meiers hervorrief. Nach harmlosem Beginn steigert sich Bärfuss in diesem zu einer Art Publikumsbeschimpfung. Er fragt, wie man bei dieser «verschissenen Weltlage» so ruhig einer Lesung beiwohnen könne. Literarische Abende zu besuchen anstatt mitzuhelfen, die Welt zu verbessern, sei eine «moralische Sauerei».

«Um Gottes Willen!»

Der Bonvivant Dieter Meier reagierte so, als handle es sich dabei um einen Angriff auf seinen gesamten Lebensentwurf. Aus reichem Hause kommend hat sich Meier ein Leben lang verschiedenen Sparten der Kunst gewidmet und auch anderen schönen Dingen im Leben, wie seinem Restaurant Bärengasse an bester Lage in Zürich, in dem die Nachtlesung stattfand. Dass die Kunst keinen Zweck habe, ausser dem Zeitvertreib, das wollte Meier nicht so auf sich sitzen lassen. Bärfuss versuchte ihn zu beruhigen. «Natürlich ist das ein zynischer Text, um Gottes Willen!» Es gehe ihm darin um den Snobismus und um die Frage nach dem Zweck der Kunst.

Daraus hätte eine durchaus spannende Diskussion entstehen können. Doch Meier liess nicht locker, wollte von Bärfuss unbedingt hören, dass auch ihn schon ein literarischer Text bewegt und beeinflusst habe, sodass dieser der These des fehlenden Zwecks und der fehlenden Wirkung der Kunst selbst widerspreche. Aus der Diskussion wurde ein Verhör mit einem Schriftsteller auf der Anklagebank. Eine halbe Stunde vor Mitternacht setzte der Moderator, NZZ-Redaktor Roman Bucheli, dem Spuk ein Ende. Meier rief in die Runde «Freibier», doch weder die Besucher noch das Servierpersonal wussten, ob dies nun ernst gemeint war.

Die Show des Hausherren

War das alles bloss eine Show des Entertainers Dieter Meier? Musste Bärfuss dafür herhalten, damit sich Meier in Szene setzen konnte? Oder hat sich dieser tatsächlich dermassen über den Text enerviert? Im Publikum wurde dies anschliessend ausgiebig diskutiert. Der Hausherr sass noch lange an der Bar und redete mit einigen Gästen weiter, noch immer sichtlich aufgebracht. Lukas Bärfuss meinte bloss, er sei es sich gewohnt, dass seine Texte provozierten. Aber dass man deshalb vom Gastgeber gleich so angefahren wird? Das hatte noch niemand an einem literarischen Anlass in der Schweiz erlebt, zumindest nicht in den letzten Jahren. (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 06.07.2010, 11:27 Uhr

36

Kommentar schreiben







 Ausland



Verbleibende Anzahl Zeichen:

Mit dem Absenden des Kommentars erklärt sich der Leser mit nachfolgenden Bedingungen einverstanden: Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt. Telefonische Auskünfte werden keine erteilt. Ihr Kommentar kann auch auf Google und anderen Suchseiten gefunden werden.

36 Kommentare

Lina Hartmann

06.07.2010, 18:02 Uhr
Melden 9 Empfehlung

Meier: total daneben! Unterirdisch schlechter Stil, den Gast im eigenen Haus blosszustellen und darauf zählen zu können, dass dieser nicht zurückschlägt, weil er als zurückhaltender Mensch bekannt ist. Merke: Ein zurückhaltender Mensch, kein zurückhaltender Autor. Billigst-Propaganda für das kleine Luxus-Universum von Herrn Hätschel-Meier. Antworten


Tobias Lehmann

14.07.2010, 11:32 Uhr
Melden 8 Empfehlung

Hier wurde ein schlechter Autor (Texte über die Schwierigkeit, Texte zu schreiben, meine Güte...!) von einem noch vieeel schlechterem Autoren angeschimpft. Hat denn jemand mal Dieter Meier gelesen? Grauenhaft. Gestelzte überlange Gymnasiasten-Sätze. Das Beste an Dieter Meier ist Boris Blank. Und wahrscheinlich sind seine Steaks ganz gut. Antworten



Sponsored by: