Kultur
Eiskalte Krimis und heisse Gedichte
Von Daniel Arnet. Aktualisiert am 11.10.2011
Literaturtage Zofingen zu Island
Erstmals koordinieren die Literaturtage von Zofingen aus auch Lesungen in anderen Städten der Schweiz. Der Veranstaltungsreigen beginnt am 17. Oktober in St. Gallen mit einer Lesung zu den Schweizer Aufenthalten des Nobelpreisautors Halldór Laxness in den 1970er Jahren. Óskar Gudmundsson stellt daselbst seine Biografie über den mittelalterlichen Gelehrten Snorri Sturluson vor. Das Hauptfestival in Zofingen eröffnet am Freitag, 21. Oktober Jóhanna Vigdís Hjaltadóttir, schweizerische Generalkonsulin in Island, mit einer Rede zu den kulturellen Beziehungen zwischen der Insel im Nordmeer und dem Inselsstaat in den Alpen. Eingeladen nach Zofingen sind international erfolgreiche Autoren wie Bergsveinn Birgissson, Thórarinn Eldjárn, Hallgrímur Helgason oder Ævar Örn Jósepsson. Sie lesen auf Isländisch und Deutsch aus ihren Werken. Da alle Lesungen moderiert sein werden, sind isländische Sprachkenntnisse keine Voraussetzung zum Besuch der Lesungen.
LITERATURTAGE ZOFINGEN bis zum 24. Oktober in Aarau, Göschenen, Winterthur und Zug.
Vollständiges Programm: www.literaturtagezofingen.ch
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Island ist ein kleines Land mit grosser Wirkung. Das zeigte sich im letzten Jahr, als der Ausbruch des Vulkans Eyjafjallajökull den Flugverkehr über grossen Teilen Europas lahmlegte. Das zeigte sich 2008, als im Zuge der Finanzkrise isländische Banken ins Strudeln kamen und Sparer in anderen europäischen Ländern ihr Geld ans Bein streichen konnten.
Die Wirkung von Island zeigt sich aber auch in der Literatur. Seit Jahren überschwemmen isländische Autoren mit ihren Büchern den internationalen Büchermarkt. Doch die Werke sind keine billige Massenware, weist das Land mit Halldór Laxness doch auch einen Literaturnobelpreisträger aus – ein enormer Erfolg bei einer Einwohnerzahl von bloss ein paar Hunderttausend Einwohnern.
Leseverrückte Nation
Nun kommt Island an der am Mittwoch beginnenden Frankfurter Buchmesse als Gastland ganz gross raus. Dabei wird sich zeigen, dass Island nicht bloss aus dem literarischen Gletscher Laxness besteht, sondern im Untergrund brodelt und jederzeit zu einer neuen Eruption fähig ist. Die Buchszene des nördlichen Eilands ist heiss und immer in Bewegung.
Das hat mit den Bewohnern zu tun, die das Buch immer noch als Leitmedium betrachten. Island gilt als eines der Länder, in dem die Bibliotheken am häufigsten genutzt werden. Die Lesefreudigkeit wirkt sich auch auf die PISA-Studien aus: Bei der Lesefähigkeit belegen die Schüler aus dem Gletscher- und Geysirstaat stets Spitzenplätze.
Die Isländer bekommen denn auch genügend Lesestoff geliefert: Die inländischen Verlage veröffentlichen jedes Jahr rund 1500 neue Titel. Dieser wirtschaftliche Faktor sowie das staatliche Künstlergehalt bewirken, dass etwa 70 Autoren von ihrem Beruf leben können. Gemessen an der Einwohnerzahl ist das im internationalen Vergleich wiederum eine Spitzenquote.
Ein Krimiautor setzte Massstäbe
Welche Autoren aus Island sollte man kennen und lesen? Neben Laxness ist vor allem Gunnar Gunnarson zu nennen, der selber viermal für den Nobelpreis nominiert wurde. Unter den jüngeren Stimmen überzeugen die Romanautorin Steinunn Sigurdardóttir oder ihr lyrischer Kollege Sjón, der schon Liedtexte für die Sängerin Björk geschrieben hat.
Mit schrägen Romanen hat sich Hallgrimur Helgason im deutschsprachigen Raum einen Namen geschaffen, so etwa mit dem Buch «Zehn Tipps, das Morden zu beenden und mit dem Abwasch zu beginnen» oder dem Werk «101 Reykjavik», das erfolgreich verfilmt wurde.
Der eigentliche Star unter den isländischen Autoren ist aber zweifellos der Krimiautor Arnaldur Indridason. Mit der deutschsprachigen Veröffentlichung von «Nordermoor» im Jahr 2003 hat er bei uns den Gattungsbegriff des Island-Krimis geschaffen – ein Gütesiegel, unter dem seither auch Namen wie Árni Thórarinsson oder Stella Blómkvist erfolgreich vermarktet werden. (baz.ch/Newsnet)
Erstellt: 10.10.2011, 15:03 Uhr
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