Kultur
«Frauen haben eine begrenzte Weltsicht»
Von Philippe Zweifel. Aktualisiert am 06.06.2011 82 Kommentare
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In England zerreisst man sich über einen Literaturskandal die Mäuler. Oder vielmehr: über den Literaturnobelpreisträger V. S. Naipaul. Während eines Gesprächs über seine Karriere in der Royal Geographic Society liess sich der «grösste lebende englischsprachige Prosa-Autor» - so wurde er vorgestellt – über schreibende Frauen aus.
Auf die Frage, ob er eine Autorin als ihm ebenbürtig empfinde, antwortete er: «Ich glaube nicht.» Frauen seien ziemlich anders, so der 78-Jährige. «Ich lese einen Text und kann nach einem oder zwei Absätzen sagen, ob er von einer Frau geschrieben wurde oder nicht.» Das liege an ihrem begrenzten Blick auf die Welt und ihrer Sentimentalität.
Notorischer Provokateur
Spezielle Kritik erntete ausgerechnet Jane Austen, die als eine der grössten englischen Romanautorinnen gilt. Er könne «unmöglich ihre sentimentalen Bestrebungen und ihre gefühlsbetonten Ansichten teilen». Und weiter: «Meine Verlegerin Diana Athill hatte einen sehr guten Geschmack und war eine hervorragende Herausgeberin, doch als sie Schriftstellerin wurde, war alles, was sie schrieb, feministischer Quatsch.»
Freilich sorgten diese Aussagen für empörte Reaktionen. Besagte Verlegerin erwiderte in einer englischen Zeitung: «Naipaul war immer schon leicht reizbar und wie es aussieht, verliert er jetzt die Kontrolle gänzlich.» Tatsächlich eckte Naipaul immer wieder mit provokativen Aussagen an. Entweder, weil er Entwicklungsländer für deren Armut selbst verantwortlich machte. Oder indem er den Islam kritisierte: Dieser habe in nicht arabischen Ländern wie Indien mehr Schaden als der Kolonialismus angerichtet – eine Aussage, die Schriftsteller Salman Rushdie auf die Palme brachte.
Empörte Reaktionen
Lösten jene Provokationen noch Debatten aus, erntet Naipaul für seine jüngsten Aussagen nur noch Spott. Helen Brown, eine in England bekannte Literaturkritikerin, sagte, dass es mit Sicherheit schwierig wäre, eine Schriftstellerin zu finden, deren Ego dem Naipauls entspräche. Und: «Seine arroganten und provokanten Aussagen werden auch männliche Autoren erschaudern lassen.» Die britische Writer’s Guild erklärte derweil, man wolle die Aussagen nicht einmal kommentieren, so absurd seien sie.
Wir wollen es genau wissen. Sind Frauen an ihrem Schreibstil erkennbar? Im Quiz (Box links) haben wir zehn literarische Passagen bereitgestellt – entscheiden Sie, ob sie von einem Mann oder einer Frau verfasst wurden. (baz.ch/Newsnet)
Erstellt: 06.06.2011, 11:52 Uhr
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82 Kommentare
gibt's ja nicht, jetzt schreiben frauen tatsächlich anders als männer! die feststellung ist weder überraschend noch originell, der enthaltene erkenntnismehrwert bescheiden und die unfähigkeit, differenzierung und wertung auseinander zu halten, zeugt halt ein wenig von begrenzter weltsicht. was soll's. durchwinken, next. Antworten

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