Kultur
Hitlers Nachtleküre
Artikel zum Thema
- Pfadi verneint Verbindungen zu Hitler-Jugend
- Adolf und Eva liebten sich wirklich
- Münchner Verlag will «Mein Kampf» publizieren
Stichworte
Das Buch
Timothy W. Ryback: Hitlers Bücher. Seine Bibliothek – sein Denken. Aus dem Englischen von Heike Schlatterer. Köln, Franken 39.90.
Adolf Hitler war ein fanatischer Leser. Nächtelang beugte er sich über seine Bücher, die er mit eigenen Vignetten versehen liess; 16'300 Bände umfasste Hitlers Bibliothek zuletzt. Doch was las der Mann, der die Welt an den Rand des Abgrunds brachte – und wie beeinflusste die Lektüre sein Weltbild? Diese Frage versucht der Harvard-Historiker Timothy W. Ryback in seinem Buch «Hitlers Bücher» zu beantworten, das nun in deutscher Übersetzung vorliegt. Die «Süddeutsche Zeitung» hat sich das 245 Seiten starke Werk angeschaut: Hitler sei trotz seiner Lesewut ein «Mann der Halbbildung» gewesen, lautet das Fazit Rybacks.
So hat sich Hitlers Lektüre als Frontsoldat im Ersten Weltkrieg auf einen Berlinführer beschränkt. Danach stösst er auf Dietrich Eckarts «Per Gynt» und Alfred Drexlers «Mein politisches Erwachen» sowie das kursierende antisemitische Schrifttum der Zeit – unter anderem Henry Fords «Der Internationale Jude» und Hans F. K. Günthers «Rassenkunde des deutschen Volkes». Die letzten zwei Bücher haben laut Ryback einen Niederschlag im ersten Teil von Hitlers «Mein Kampf» gefunden.
Schopenhauer, Nietzsche und Fichte
Als seine «Bibel» bezeichnete der deutsche Diktator Madison Grants «Der Untergang der grossen Rasse» über den Niedergang der nordischen Rasse, das 1925 auf Deutsch erschien. Ryback analysiert auch die Beschäftigung Hitlers mit Schopenhauer, Nietzsche und Fichte. Obwohl sich der Führer auf diese bezog, scheint er sich mit den Philosophen nicht tiefer gehend auseinandergesetzt zu haben. Vielmehr faszinierten ihn Schundheftli und esoterische Bücher, aus denen sein Denken «zusammengeschustert» war.
Zu militärischer Lektüre griff Hitler in erster Linie, um aussenpolitische oder strategische Entscheidungen zu rechtfertigen. Und kurz vor seinem Selbstmord im Berliner Führerbunker soll er sich mit den Prophezeiungen von Nostradamus befasst haben. (cha)
Erstellt: 11.03.2010, 13:39 Uhr















