Kultur
«Manchmal frage ich mich: Was ist das eigentlich für ein Quatsch?»
Von Linus Schöpfer. Aktualisiert am 12.10.2012 43 Kommentare
Marianne Sax (*1964) ist seit 2008 SBVV-Präsidentin. Sie betreibt in Frauenfeld einen Bücherladen.
Schweizer Buchpreis vs. Eidgenössischer Literaturpreis
Nächstes Jahr werden während der Solothurner Literaturtage zum ersten Mal die Eidgenössischen Literaturpreise vergeben. Der vom Bundesamt für Kultur kreierte Preis steht in direkter Konkurrenz zum Schweizer Buchpreis, der seit 2008 vom SBVV vergeben und vom Bund nicht alimentiert wird. (lsch)
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Frau Sax, Sie konnten als Präsidentin des Schweizer Buchhändler- und Verleger-Verbands (SBVV) gestern an der Frankfurter Buchmesse einen kleinen Coup verkünden: Der Berner Unternehmer Jobst Wagner sponsert den Schweizer Buchpreis mit jährlich 10'000 Franken; das Preisgeld verbleibt damit bei 40'000 Franken. Wie kams dazu?
Unser Geschäftsführer Dani Landolf hat Herrn Wagner vor einem Monat am Gstaader «Literarischen Herbst» getroffen, er kam mit ihm ins Gespräch... ein Glückstreffer! Jobst Wagner hat sich als Mäzen bereits einen Namen gemacht, er ist ja ein wichtiger Gönner der Berner Kunsthalle. Er zeigte Verständnis für unsere schwierige Situation, die mit der Installierung des Eidgenössischen Literaturpreises entstanden ist. Wir hoffen, trotz der neuen Konkurrenz unsere Marktwirkung erhalten zu können. Das Schöne am Schweizer Buchpreis war ja bis anhin, dass Autoren nach der Prämierung ihre Bücher viel besser verkaufen konnten. Ich bin überzeugt, dass das so bleibt.
Ihre Mitteilung wurde medial übertönt durch die Verleihung des Literaturnobelpreises an Mo Yan. Was bedeutet die Vergabe für die Schweizer Buchhändler?
Das sind hervorragende Neuigkeiten, zumal mit dem Unionsverlag ja auch ein Schweizer Verlag das Portfolio des neuen Nobelpreisträgers betreut. Letztes Jahr, als der schwedische Lyriker Tranströmer gewählt worden ist, waren erst überhaupt keine deutschsprachigen Übersetzungen verfügbar, es musste neu gedruckt werden. Das sieht nun definitiv besser aus. Wobei das Jahr 2009 wohl nicht erreicht werden wird: Damals hatte Herta Müller gerade ihren Roman «Atemschaukel» publiziert, als sie den Preis erhielt – eine ideale Kombination, wunderbar für den Buchhandel. Der Effekt war mit dem Deutschen Buchpreis vergleichbar.
Was bringt die Frankfurter Buchmesse den Buchhändlern?
Für den Buchhandel ist die Buchmesse nicht Pflicht, aber wir können Kontakte knüpfen; gestern habe ich etwa zum ersten Mal den neuen Diogenes-Verleger Philipp Keel getroffen. Aber ansonsten ist die Buchmesse eine Veranstaltung, von der primär die Verlage profitieren.
Ein grosses Diskussionsthema an der diesjährigen Messe ist das E-Book. Wie halten Sies damit?
Der E-Book-Markt wächst bis anhin nur bescheiden, sein Anteil am Gesamtmarkt beträgt heute zwei Prozent. Grundsätzlich ist aber festzuhalten, dass neue Vertriebskanäle immer gut sind; wir Buchhändler lassen uns auf die E-Books ein, praktisch jede Buchhandlung bietet heute elektronische Inhalte an. Die immer wieder gehörte Behauptung, wir würden die gleichen Fehler machen wie die Plattenindustrie, ist ein Mythos.
Für wen eignen sich E-Books Ihrer Meinung nach?
Das E-Book ist vor allem für Leute der Buchbranche, die Manuskripte lesen müssen, für Studierende, die an Kapiteln und nicht an ganzen Büchern interessiert sind und für Leser von Fachbüchern.
Wie gefällt Ihnen persönlich die Lektüre auf dem E-Book?
Romane auf einem E-Book zu lesen, das kann ich mir weniger vorstellen. Das Buch wird seinen Platz behalten. Wenn ich in eine schöne Buchhandlung gehe und Bücher in Leder und Leinen gefasst sehe, dann frage ich mich manchmal: Was ist das eigentlich für ein Quatsch mit diesen blöden Geräten? (lacht) Ein Buch ist einmaliges Objekt, ein ewiger Wert, es stürzt nicht ab und verbraucht keinen Strom.
Sie verbringen eine Woche in Frankfurt – welche Bücher bringen Sie heim?
Zum Lesen kommt man an der Buchmesse ja kaum... aber doch, ein paar Bücher von Mo Yan und «Landgericht» von Ursula Krechel, der neuen Trägerin des Deutschen Buchpreises, werde ich schon mitbringen.
(baz.ch/Newsnet)
Erstellt: 12.10.2012, 16:34 Uhr
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43 Kommentare
Frau Sax hat das Wesen des E-Buches überhaupt nicht verstanden (was angesichts ihrer Position nichts Gutes verkündet). E-Bücher sind gerade für Romane besonders geeignet - und für Fachbücher eben nicht. Davon abgesehen ist mein Kindle mein wertvollstes Objekt. Und was die Buchhändler ebenfalls übersehen (vielleicht willentlich): das Kindle macht regelrecht süchtig, man möchte immer mehr lesen. Antworten

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