Milliardär und Leseratte

Microsoft-Mitbegründer Bill Gates schreibt in seinem Blog Buchkritiken. Was liest der Mann so?

Die etwas anderen Leseempfehlungen: Bill Gates präsentiert seine Leseliste für die Sommerferien. (Quelle: Youtube/thegatesnotes)


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Wenn Bill Gates, Mitbegründer von Microsoft, Multimilliardär und heute hauptberuflicher Philanthrop, nicht gerade die Armut bekämpft, dann liest er. Und lesen, das tut der 60-Jährige offenbar gerne und viel. Ein Buch pro Woche verschlingt er nach eigenen Angaben, in den Ferien könnten es auch mal vier oder fünf sein. Gut fünfzig Bücher kämen da durchschnittlich pro Jahr zusammen, sagt Bill Gates, die Leseratte.

Seit einiger Zeit betätigt sich der ehemalige Unternehmer nun auch als Buchkritiker. Auf seinem Blog «Gatesnotes» rezensiert und empfiehlt er hauptsächlich Sachbücher. Fast ein logischer Schritt sei diese Tätigkeit gewesen, sagte Gates gegenüber der «New York Times». Schliesslich habe er schon immer eigene Anmerkungen in die Bücher gekritzelt, habe schon immer Bekannten Leseempfehlungen per Mail geschickt.

Statistik in den Strandferien

Gates empfiehlt, was ihn interessiert, oder was sich mit den Themen seiner wohltätigen Arbeit deckt: Wirtschaft, Wissenschaft, Gesundheit, Armut und Ernährung. Ab und an, wie bei Michael Ondaatjes «Katzentisch», schleicht sich ein Roman in die Leseliste. Manchmal auch eine Biografie, etwa «Being Nixon» von Evan Thomas. Gates schreibt, welche Lektüre ihn und Gattin Melinda zum Lachen und welche zum Nachdenken brachte.

Dass seine Tipps nicht immer für die breite Masse taugen, dessen ist sich der Bücherwurm bewusst. Für die letzten Sommerferien empfahl er «Lügen mit Zahlen», ein Buch über die manipulative Kraft von Statistiken. Oder «Sollen wir Fleisch essen?», eine kritische Betrachtung über unseren Fleischkonsum. Die Titel seien nur bedingt «strandtauglich», räumte da Gates im Blogeintrag gleich selber ein.

So oder so scheint Gates mit viel Enthusiasmus dabei zu sein. Ende Jahr etwa veröffentlicht er jeweils sein Best-of, welches meist von einem Videobeitrag begleitet wird. Da spricht Gates auch mal als Legomännchen in Stop-Motion-Technik zum Zuschauer.

Bill Gates, die neue Oprah?

Kein Wunder, ist längst die breite Öffentlichkeit auf die Buchempfehlungen von Bill Gates aufmerksam geworden. Erste Autoren berichten, dass Leser über Gates’ Blog auf ihre Bücher stiessen. Erste Verlage versuchten laut «New York Times» bereits, mit dem Unternehmer in Kontakt zu treten. Denn, seit es Oprah Winfreys Buchclub als Fernsehsendung nicht mehr gibt, suchen die Verlagshäuser verzweifelt nach einem neuen Celebrity, dessen Lesetipps für Bestseller sorgen. Bill Gates, der lesende Milliardär und Buchkritiker, käme da nur zu gelegen. Aber der Unternehmer lässt sich offenbar bisher nicht einspannen. Bill Gates liest nur, was er lesen will. (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 04.01.2016, 15:09 Uhr

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