Kultur
Sex und Drogen für den Lehnstuhl
Von Michèle Binswanger. Aktualisiert am 28.07.2011 4 Kommentare
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Wer sich an die Siebzigerjahre erinnern kann, war nicht dabei – so geht ein bekanntes Bonmot. Die Flut der in den letzten Jahren erschienenen Memoiren grosser Rockstars zeigt, dass dies nicht uneingeschränkt zutreffen kann. Keith Richards, Marianne Faithfull, Ozzy Osbourne und Steven Tyler sind nur die bekanntesten Namen, die in den letzten Jahren davon berichtet haben, wie es wirklich war.
Flut von Biografien
Viele davon sind eine gute Lektüre – für die Verleger sind die Rockstar-Bios vor allem aber ein gutes Geschäft. Diesen Monat etwa löste Pete Townshend der Sixties-Band The Who mit der Ankündigung seiner Autobiografie einen wahren Bieterkrieg unter den Verlagen aus. Den Zuschlag sicherte sich schliesslich Harper Collins, allerdings sollen in der Buchbranche bereits Listen mit Wunschkandidaten für weitere Memoiren kursieren. Darauf stehen Paul McCartney, Elton John, Robert Plant und Bruce Springsteen. Der meistgehandelte Name ist dabei David Bowie – von Touchstone-Verleger Stacy Creame als «grosser Weisser Wal» bezeichnet.
Bowie hat auch bereits einen Deal mit Penguin Books und arbeitet am Buch «Bowie: Object». Darin sollen Objekte aus dem Archiv des Musikers vorgestellt werden, um einen Einblick in die Arbeit des 63-Jährigen zu bieten. Bowie soll dabei auch selber zur Feder greifen und nicht wie so viele seiner Kollegen mit einem Ghostwriter zusammenarbeiten. Ein Publikationsdatum steht allerdings noch nicht fest.
Hindernisse überwinden
Allerdings ist das Geschäft mit den Rockstars nicht ganz einfach, sagt Alan Samson, der Keith Richards «Life» verlegte. «Mit Rockstars Bücher zu machen, ist sogar noch schwieriger als mit Hollywoodstars», sagt er im «Guardian». Der Charakter von Celebrity-Memoiren habe sich geändert, sagt Samson weiter. Während es früher darum ging, ein paar nette Anekdoten darüber zu erzählen, welche Showbiz-Grössen man alles getroffen und wie sie das eigene Leben verändert haben, gehe es heute nur noch um die Widerstände, die ein Star überwinden müsse, egal, ob es sich dabei um eine hässliche Frisur, eine Scheidung oder Drogenprobleme handelt.
Was wiederum für die Verleger meist dasselbe bedeutet. Denn nicht mit jedem Rockstar ist gut Kirschen essen. Oft sei es schon eine Herausforderung, die Erinnerungen an die wilden Zeiten überhaupt erst auszugraben. Also doch: Wer sich daran erinnern kann, der war nicht richtig dabei – wer es trotzdem schafft, kann seinen Lebensabend mit den entsprechenden Memoiren zusätzlich vergolden. (baz.ch/Newsnet)
Erstellt: 28.07.2011, 15:39 Uhr
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4 Kommentare
Biographien von noch lebenden Personen rechtfertigen sich m.M. nach nur in Ausnahmefaellen.
Obwohl ich ein grosser Anhaenger von gutem Rock bin, hoere ich lieber noch die Musik.
Die Tagebuecher von FJR (Fritz J. Raddatz) habe ich mit Interesse gelesen.
(von einem Koenner).
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