Starphilosoph fällt auf Satire rein

Bernard-Henri Lévy ist in Frankreich so streitbar wie berühmt – ein Dandyphilosoph und Medienstar. Mit seinem neuesten Werk wollte er seinen Ruf als grosser Denker festigen – und ist auf eine Satire reingefallen.

Gut gelaunt - Dandyphilosoph Bernard-Henri Lévy.

Gut gelaunt - Dandyphilosoph Bernard-Henri Lévy.

Er sieht nicht nur gut aus, er sieht sich auch gerne an und hört sich gerne reden. Bernard-Henri Lévy ist eine der schillernden Figuren unter Frankreichs Intellektuellen. Gerade ist ein dicker Band mit Essays und Interviews von ihm erschienen und ein schmales Bändchen mit dem Titel «De la guerre en philosophie».

Und jetzt zeigt sich, ja, es herrscht ein Krieg da draussen, nur scheint Lévy die Regeln nicht zu kennen, wie die Journalistin Aude Lancelin vom «Nouvel Observateur» nachgewiesen hat. Lévy greift in seinem Büchlein nämlich nicht nur Hegel und Marx an, sondern auch Kant höchstpersönlich, den er einen «wütenden Irren des Denkens» nennt. Dabei habe ein Kant-Forscher namens Jean-Baptiste Botul dem Königsberger nachgewiesen, dass dieser ein falscher Abstrakter sei, «ein reiner Geist der reinen Erscheinung».

Fiktive Persönlichkeit

Leider ist das Werk, auf das sich Lévy bezieht, um seine Kant-Theorien zu begründen, keine ernst zu nehmende philosophische Abhandlung sondern Satire. Ihr Autor Botul taucht denn auch in keiner Bibliothek, sondern bloss im Internet auf, wo er als fiktive Persönlichkeit ausgewiesen wird, erschaffen vom Journalisten Frédéric Pagès von der angesehenen Satire-Wochenzeitung «Le Canard Enchainé». Das ist nicht etwa ein Geheimnis. Wer den Namen Botul googelt, landet gleich beim ersten Eintrag auf Wikipedia, wo seine fiktive Identität offenbart wird.

Nun ist die Schadenfreude in Frankreich gross und BHLs Gegner reiben sich die Hände. Und was tut der Dandy? Er gibt sich gelassen und äussert sich in einer Kolumne für das Magazin «Le Point» ehrfürchtig über den Künstler Pagès, dessen Kant-Porträt «wahrer als die Wirklichkeit» sei – beziehungsweise sei es im Gleichklang mit seiner «Idee eines Kant, der von Dämonen verfolgt wurde». (mcb)

Erstellt: 09.02.2010, 16:17 Uhr

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