Was nach Harry Potter kommt
Tempi passati: Jugendliche im Potter-Rausch.
Das Interesse am Lesen ist laut Andras Nemeth von Orell Füssli bei den Jugendlichen gestiegen. «Wir haben mit Harry Potter dank den mehreren Bänden über Jahre hinweg einen riesigen Hype erlebt», erklärte er. Gerade der Bereich Fantasy laufe zur Zeit relativ gut. So seien inzwischen viele ähnliche mehrbändige Geschichten auf den Markt gekommen. Eine Ankurbelung des Geschäfts erwartet Nemeth auch vom neuen Buch von Dan Brown «Das verlorene Symbol». Bereits die englische Ausgabe belege den ersten Platz auf der Schweizer Bestseller-Liste. Dies sei zuvor nur «Harry Potter» gelungen.
Ebenfalls einen Ansturm erwartet das Geschäftsleitungsmitglied der Orell Füssli Buchhandlungs AG zum Verkaufsstart des neuen Buches von Frank Schätzing. «Diese zwei Titel sollten unser Geschäftsjahr retten», erklärte Nemeth. Die Branche spüre zwar in Folge der Wirtschaftskrise die Zurückhaltung der Kunden ein wenig, die Situation sei aber nicht vergleichbar mit anderen Branchen.
Ratgeber-Boom
Auch Ex-Libris-Sprecher Roger Huber bestätigte, dass es mehr Leseratten unter den Jugendlichen gebe. Vor allem die jüngere und aktuellere Literatur verkaufe sich sehr gut. Die Migros-Tochter führt dies auch auf den Produktemix mit CD, Filmen, Games und Büchern zurück. Aber auch beim restlichen Publikum stiessen Bücher wieder auf ein grösseres Interessen. «Bücher werden wieder von einer deutlich breiteren Schicht gelesen», sagte Huber, und fügte hinzu: «Das Angebot ist unglaublich.» Allein in diesem Jahr seien im deutschsprachigen Raum bereits 100'000 Neuausgaben auf dem Markt gekommen. Am Boomen seien vor allem Ratgeber-Bücher. Die Hilfe in solchen Büchern sei wegen der Wirtschaftskrise besonders gefragt.
Der Buchhandel sei auch in Krisenzeiten eine stabile Branche, sagte Huber. Allerdings spiele der Preis durchaus eine Rolle, wie der grosse Erfolg der 30-Prozent-Aktion von Ex Libris zeige. Auch bei der Migros-Tochter freut man sich auf den neuen Dan Brown. Schweizweit hätten die Buchhändler wohl bereits um die 20'000 Vorbestellungen, sagte Huber. Geliefert werden insgesamt 800'000 Exemplare.
«Wir haben in den letzten Jahren festgestellt, dass Jugendliche tendenziell mehr lesen», sagte auch Dani Landolf, Geschäftsführer des Schweizer Buchhändler- und Verleger-Verbandes (SBVV). So verkaufe sich die Kinder- und Jugendliteratur gut. Dies mache Mut für die Zukunft, dass das Buch einen wichtigen Stellenwert behalte. Dabei sei es für die Branche im bisherigen Jahresverlauf nicht gut gelaufen. So resultiere im Vorjahresvergleich momentan ein kumulierter Umsatzrückgang um etwa zwei Prozent. Mit etwas Glück könne der deutsche Brown die Minuszahlen aber auffangen. Dabei müsse aber beachtet werden, dass bereits das Vorjahr nicht gerade gut gewesen sei. Es sei zwar schön, wenn das neue Brown-Buch die Verkaufszahlen heben könne, sagte Landolf. Es sei aber nur eines von 100'000 Büchern. Wichtig sei die kulturelle Vielfalt. (phz/ap)
Erstellt: 14.10.2009, 12:52 Uhr
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