Kultur

Ausgegrenzt: Künstler und Superreiche

Aktualisiert am 16.11.2010 53 Kommentare

Die Reaktionen der Leser auf die Berichterstattung über eine Veranstaltung von Künstlern gegen die Ausschaffungsinitiative waren heftig. Den Künstlern ergeht es wie den Superreichen, meint Kulturredaktor Rico Bandle.

«Einfach zu diskreditierende Gruppe»: Die Reichen. Hier ein Bild einer Villa im Steuerparadies Wollerau. (Bild: Keystone )

Rico Bandle ist Leiter Kultur & Gesellschaft von baz.ch/Newsnet.

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Wenns um Ausländer geht, sind wütende Kommentarschreiber bei baz.ch/Newsnet in der Regel rasch zur Stelle. Äussern sich Kulturschaffende zum Thema, dann entsteht eine besonders explosive Mischung. So geschehen gestern bei einem Bericht über eine Veranstaltung des Netzwerks Kunst + Politik gegen die Ausschaffungsinitiative (siehe hier). Innerhalb kürzester Zeit verfassten die Leser von baz.ch/Newsnet mehrere Hundert Kommentare, viele enthielten zum Teil heftige Beschimpfungen gegen die Kulturleute und konnten nicht veröffentlicht werden: Gutmenschen und Schmarotzer gehören noch zu den harmloseren Begriffen, der dieser Berufsgruppe angehängt werden.

Charles Lewinsky, einer der beliebtesten Schweizer Autoren, meinte kürzlich in einem Interview: «Wir sind bald wieder da, wo ‹intellektuell› ein Schimpfwort ist.» Eine Übertreibung, findet der Literaturwissenschafter Peter von Matt: «Intellektuelle und Künstler neigen zu Wehleidigkeit.» Beide haben auf ihre Weise recht. Wer politische Äusserungen und Aktionen von Künstlern kritisch hinterfragt – was unbedingt nötig ist – wird von diesen nicht selten umgehend in die rechte Ecke gestellt. Nur wenige politisch engagierte Künstler stellen sich wirklich der Diskussion, wie Adolf Muschg, der sich auch nicht scheut, mit einem Christoph Blocher in den Ring zu steigen. Andererseits: Dass Ressentiments gegen Intellektuelle weit verbreitet sind, ist kaum von der Hand zu weisen.

«Einfach zu diskreditierende Gruppe»

Woher kommt diese Abneigung einem ganzen Berufsstand gegenüber? In der aktuellen NZZ wird man fündig. Chefredaktor Markus Spillmann schreibt in einem Kommentar unter dem Titel «Die Neidgesellschaft bläst zum Halali»: «Die Reduktion auf eine namentlich erfassbare, in ihrer Lebenshaltung einfach zu diskreditierende Gruppe, hat System.» Passt perfekt zu den in den Leserkommentaren weit verbreiteten Haltung, die Künstler lebten auf Kosten des Staates, würden sich bereichern. Nur: Der Kommentar des NZZ-Chefredaktors bezieht sich nicht auf die Künstler, sondern auf die Reichen, die im Zusammenhang mit der SP-Steuerinitiative diskreditiert würden.

Superreiche und Künstler haben tatsächlich mehr gemeinsam, als ihnen wohl lieb ist. Beides sind Bevölkerungsgruppen, die auf ihre ganz eigene Weise am Rand der Gesellschaft leben – und darin eine wichtige Rolle spielen. Haben sie deshalb einen besonderen Schutz verdient? Nein. Man soll über sie und mit ihnen streiten, ihr Handeln, ihre Privilegien auch mal infrage stellen dürfen. Pauschale Diskreditierungen und Anschuldigungen sind aber fehl am Platz.

Erstellt: 16.11.2010, 13:45 Uhr

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53 Kommentare

Alex Kündig

16.11.2010, 13:56 Uhr
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Wenn man beim Kauf eines Iphone zum 10'mal eine Urheberrechtsabgabe für Schweizer Künstler bezahlen muss, obwohl schon bezahlt im Itunes,CD Kauf, etc dann stellt sich schon die Frage wer wen alimentiert! Gute Kunst setzt sich durch und gerne hätte ich mal von einem Künstler der gut verdient eine Spende gesehen...wohlgemerkt eine Geldspende und nicht einen Gratisauftritt gegen die SVP! Antworten


Olivier Stöckli

16.11.2010, 14:01 Uhr
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Das Problem ist nicht die "Gruppe der Künstler und Intellektuellen", sondern wie sich diese teilweise verhalten. Es scheint, dass sich diese teilweise anmassen, "über dem Volk" zu stehen, zu meinen, ihre Meinung sei "mehr Wert". Dies drückt sich sowohl in Argumentation wie Artikulation aus und schafft den Eindruck, dass gewisse Leute die Bindung zum "Mann auf der Strasse" völlig verloren haben. Antworten




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