Kultur
«Das Kopftuch bei Mädchen ist Apartheid pur»
Von Alexandra Kedves. Aktualisiert am 15.01.2010 26 Kommentare
Sieht Minarette als Symbol der Eroberung: Necla Kelek. (Bild: TA)
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Wie soll es nach dem Minarettverbot weitergehen? So 17. 1. um 18 Uhr, Schauspielhaus Zürich. Mit Necla Kelek, Nationalrätin Chantal Galladé (SP), Nationalrat Ulrich Schlüer (SVP), dem Soziologen Kurt Imhof und dem Staatsrechtler Jörg Paul Müller. Moderation: Lukas Bärfuss. Eintritt frei.
Frau Kelek, dass die Mehrheit der Schweizer Bevölkerung den Minarettbau verbieten will, stösst international auf scharfe Kritik. Wie bewerten Sie das Schweizer Votum?
Einerseits kann ich die Aktion nicht gutheissen. Die Schweiz soll Minarette nicht verbieten, das ist völlig kontraproduktiv. Andererseits ist es nachvollziehbar, dass es zu so einem Abstimmungsergebnis gekommen ist.
Warum?
Es fehlt zu oft an Offenheit bei den Moscheevereinen. Die Islamfunktionäre sind nicht bereit, über Menschenrechte und Gleichberechtigung zu diskutieren. Wir wissen nicht, von wem die Moscheen – mit und ohne Minarett – finanziert werden. Wir wissen nicht, was hinter diesen Mauern gepredigt wird. Hier fehlt die Transparenz. Die Ideologie hinter den Moscheebauten wird genauso wenig offengelegt wie die Geldgeber. Und ich behaupte: Der Islam, wie er in den Moscheen gelehrt wird, ist in der Demokratie noch nicht angekommen. Er ist hierarchisch strukturiert, diktatorisch und frauenfeindlich. In dieser Form ist der Islam beängstigend und bedrohlich. Daher können die Islamvertreter keinen Respekt vor ihrer Kultur fordern: Eine abgeschlossene, menschenrechtsverachtende Parallelgesellschaft ist nicht akzeptabel. Die Reaktion dagegen ist verständlich, wenn auch nicht hilfreich: Ein Minarettverbot schliesst Mauern, anstatt zu öffnen.
Wäre der Kirchenbau dann nicht auch ein Thema – zumindest bei den katholischen Kirchen?
Es stimmt, dass die katholische Kirche hierarchische und frauenfeindliche Züge hat. Im Unterschied zum Islamismus aber versucht sie nicht, ganze Länder nur nach ihrem Gesetz zu regieren. Die christlichen Kirchen haben sich in einem schmerzhaften Prozess – und nicht immer freiwillig – säkularisiert. Aber heute haben eine Milliarde Menschen auf dieser Welt nicht die Wahl, ob sie Muslime sein wollen oder nicht. Beim Christentum ist das anders, selbst in traditionell katholischen Ländern. Wir haben bei den Kirchen ein – verhältnismässig neutrales – Glockenläuten, aber nicht fünfmal am Tag ein öffentliches Bekenntnis, das lautet: «Es gibt nur einen Gott, das ist Allah, und Mohammed ist sein Prophet», über der ganzen Stadt. Selbst in der einst säkular konzipierten Türkei zeigt inzwischen der sunnitische Islam seine Macht, sodass anderen Religionen – nicht nur Christen, sondern auch den Aleviten – kaum Luft zum Atmen bleibt. Zur Religionsfreiheit gehört auch das Recht, frei von religiöser Bevormundung zu sein.
Sie sind gegen das Minarettverbot, aber für das Kopftuchverbot.
Wie gesagt, Minarette zu verbieten, verhärtet nur die Fronten, führt zu Hass und zur Spaltung der Gesellschaft. Die Schweizer sollten eine offene Debatte führen. Ich finde allerdings, die Muslime sollten einen Schritt auf die aufnehmende Gesellschaft zu machen und den offenen Diskurs und Konsens suchen. Warum müssen Minarette so hoch sein? Warum müssen sie überhaupt sein? Zu Mohammeds Zeit gab es keine Minarette. Das Minarett war ein Signal der Eroberung, des Siegs über das Christentum. Wenn die muslimische Gemeinschaft demokratisch und integrativ gesinnt wäre, würde sie überlegen, ob sie wirklich ein solches Zeichen setzen will. Ich halte es für einen Akt der Höflichkeit, wenn die Muslime einen Gedanken darauf verwenden, wie sie die Freiheiten der Schweizer Gesellschaft nutzen.
Und das Kopftuch?
Ich bin nicht für ein generelles Kopftuchverbot. Ich bin dagegen, dass so getan wird, als wäre das Kopftuch ein religiöses Gebot. Es ist ein Symbol einer bestimmten persönlichen und politischen Identität. Über das Kopftuch sagt der Koran nichts, der Schleier ist eine von Männern durchgesetzte Tradition und Ausdruck der Macht über Frauen. Ich bin allerdings dagegen, dass Kinder Kopftuch tragen. Denn Kopftücher zwingen schon kleine Mädchen in eine bestimmte Geschlechterrolle. Das ist Apartheid pur. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 15.01.2010, 08:19 Uhr
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26 Kommentare
Ich habe Frau Kelek schon in einer Diskussion auf SF gesehen. Sehr aufschlussreich mit klaren Worten. Auch dieses Interview hier in der Baslerzeitung zeigt wie sachlich Frau Kelek mit dem Islam umgeht. @Rolf Kienast. Frau Kelek lebt in Deutschland. Antworten
@Darja Rauber, ich mache darauf aufmerksam, dass gerade die Juden auch Kleidervorschriften haben/sich machen. Gehen sie mal nach Zürich Wiedikon. Da sind es vorallem die Männer die aufffallend gekleidet sind. Kopftuch oder nicht? Mich stört es nicht. Solange die Frau das Kopftuch trägt, weil sie das so will, soll sie doch ein Kopftuch tragen. Ich habe erst ein Problem wen sie dazu gezwungen wird. Antworten
Frau Kelek spricht klar und deutlich. Es würde mich doch intressieren wo Sie lebt, denn Ihre Darsetellungen und Sätze können von einem Moslem nicht akzeptiert werden unter gar keinen Umständen. Weiter sind es ja nicht so denkende Leute wie Frau Kelek die Probleme provozieren , sondern eine miese fanatische Minderheit. Antworten
Der Islam und das Christentum sind genau gleich diktatorisch, wenn man auf die obersten Kleriker hört. Beide Religionen sind frauenfeindlich bis zum Frauenmord (Hexenjagd). Das Kopftuch ist nur ein äusserer Ausdruck dieser Haltung gegenüber den Frauen. Was haben die Frauen den Mäünnern eigentlich so Schlimmes angetan, dass sie so mit ihnen umgehen müssen?!? Anita Dürr Antworten
Auch ich möchte mich für diesen guten, wohltuend nüchternen Beitrag bedanken. Solchen Leuten sollten führende Positionen der Politik vorbehalten bleiben. Dabei sind mir die Nüchternheit, Ruhe und Ehrlichkeit der Argumentation, nicht die geäusserte Meinung wichtig. Antworten
@Darja Rauber: Kleidervorschriften lösen das Grundproblem nicht. Es sind die traditionellen, kulturellen, religiösen Symbole, welche mit diesen Kleidervorschriften verknüpft sind. Hier muss näher aufgeklärt und den so unterdrückten Frauen geholfen werden. Sind sie nämlich selber von unseren Wertvorstellungen überzeugt, mit Kopftuch unterdrückt zu sein, legen sie diese selbstbestimmt SELBER ab! Antworten
Kirchliche oder halbstaatliche Kleidervorschriften für jede andere gesellschaftliche Gruppe - man stelle sich vor z.B. für Juden, Schwarze, Homosexuelle - würden in der Schweiz sofort zu einem Aufschrei führen. Kleidervorschriften für Frauen werden hingegen kontrovers diskutiert, als ob es allen Ernstes Gründe dafür gäbe. Nein, da hört die Toleranz einfach auf! Das IST Apartheid im wahrsten W.sinn Antworten
@ Luzia Keller: Dann müssen diese Männer es eben hier und heute lernen! Was bringt es, wenn man sich in vorauseilendem Gehorsam diesen Männern anpasst und dafür das Selbstbestimmungsrecht der Frauen opfert? Ja, ich verstehe, dass muslimische Männer vielleicht anfangs "nicht anders können". Aber ich denke, sie können und sollen umdenken lernen! Indem sie auch Frauen ohne Kopftuch kennen lernen. Antworten
@Michael Steffen: ich hoffe doch sehr, dass Sie die Ironie meines Schreibens erkannt haben. Natürlich ist es einfacher, mit Aggressivität zurückzuschiessen und alles in Grund und Boden zu beschimpfen. Aber da drehen wir uns ständig im Kreis. Ja, religiöse und kulturelle Wertvorstellungen sind solange nicht kompatibel wie der Fokus der eigenen Lernfähigkeit in der Entwicklung stehen gelieben ist. Antworten
Das Kopftuch wie es von Muslimen diktiert wird muss verboten werden. Es wäre an der Zeit, dass sich Alliance-F und die übrigen Frauenverbände aktiv positionieren. Es kann nicht sein, dass immer die SVP die heiklen Themen aufgreifen muss. Ein Kopftuchverbot ist eine wichtigere frauenpolitische Anglegenheit als die BR-Wahl von EWS, wo ungerechtfertigt aber populistisch zur F-Demo aufgerufen wurde. Antworten
An Luzia Keller: Oje, die armen Männer, die unsere gesellschaftlichen Gepflogenheiten noch nicht kennen! Also was machen wir nun? Frauen und Mädchen verschleiern oder das Problem lösen? Irgendwie sind die islamischen Wertvorstellungen mit den unseren nicht kompatibel. Aber nun sollen wir uns anpassen oder was? Antworten
Das Schiksal hat die Karten gemischt, in welcher Religion wir aufwachsen, und wir spielen nun damit. Jeder denkt, dass er ein besonders gutes Blatt hat und pokert damit. Decken wir die Karten einfach auf und spielen lieber mit dem Gedanken, frei in unsern Entscheidungen zu sein, ob wir einer Religion folgen möchten oder nicht und gewähren wir Menschen uns, Menschen zu sein, egal woher wir kommen. Antworten
Natürlich sollte die Islamische Kirche reformiert werden, doch das braucht Zeit, genauso wie es bei der christlichen Kirche Zeit gebraucht hat. Das Problem ist nicht der Glaube an sich, sondern dass er missbraucht wird für Verfolgung, Unterdrückung etc., genauso wie es bei der Katholischen Kirche gewesen ist, und selbst da ja immer noch zum Teil ist. Eine einfache schnelle Lösung gibt es nicht. Antworten
@Leoni Schwarz: es ist schwierig etwas einzufordern, was innerhalb der Familie nicht gelebt oder wenigstens diskutiert wird. Wie können Sie von Männern Selbstbeherrschung fordern, wenn dies nicht von ihrer Mutter oder Vater gelernt und anerzogen wurde? Männer, die sich verbal abschätzend gegenüber westlich gekleideten Frauen äussern, kennen unsere gesellschaftlichen Gepflogenheiten noch nicht! Antworten
Das Kopftuch als Schutz? Das ist ja wohl ein schlechter Witz! Als ob ein normaler Mann nicht anders könnte, als jede Frau zu vergewaltigen, die kein Kopftuch trägt! Als ob eine Kopftuch-freie Gesellschaft nicht funktionieren könnte! Und als ob die Verschleierung die Frau nicht erst recht stigmatisierte, zum Anormalen und daher zum Mittelpunkt des Interesses und der sexuellen Fantasien machte! Antworten
Das ist zu differenzieren, dass das Kopftuch wie die Burka einst zur Tradition innerhalb der Sippe galt und die Religionsführer haben dies dann als Pflicht in die Gesetze übernommen. Das ist im Christentum nicht anders und die Nonnen tragen noch heute eine Kopfbedeckung. Ursprünglich als Schutz vor begehrlichen Männerblicken gedacht wurde daraus ein Machtsymbol. Sehr komplex das Ganze. Antworten
Apartheid ist, wenn Nazis, Buren oder Schweizer die globalen Ehe- und Familienfreiheiten selektiv beschneiden. Ob ein Maedchen oeffentlich mit Kopftuch oder barhaupt geht hat nichts mit seinem Recht auf einen Vater und wenigstens ein gleiches Buergerrecht wie dieser zu tun! Offensichtlich soll versucht werden, die Greuel der Apartheid an ungeeigneten Bagatellen zu verniedlichen. Antworten
@ Reha Arakas: Ach wie nett, das Kopftuch dient also als Schutz? Vor wem denn? Wäre es nicht einfacher, wenn die muslimischen Männer einfach die Frauen als Menschen mit eigenem Willen und einem eigenen Körper akzeptieren und NICHT BELÄSTIGEN würden? Wieso das Kopftuch fordern, dessen Vorschrift die halbe Bevölkerung bevormundet, wenn man einfach von den Männern Selbstbeherrschung fordern könnte? Antworten
@Reha arakas: Das stimmt, nur unsere Frauen sind eben auch schön. Die wollen aber kein Kopftuch tragen wegen den mosl. Männer! Begreifen sie nun wo das Problem liegt? Bei uns ist der Koran nicht Lebensmittelpunkt. Wir denken und entscheiden immer noch selber! Und die CHMänner rennen nicht scharenweise den Muslimas nach und sehen in ihnen Freiwild. Antworten
Das Kopftuch diskriminiert insbesonder eauch jeden Mann. Sie werden durch dieses Signal als sabbernde Geiferer dargestellt, die nur darauf aus sind, die reinen Frauen anzumachen. Vielleicht möchte man als Mann aber einfach nur mit jeder Frau kommunizieren können, von Angesicht zu Angesicht. Diese archaischen Symbole haben hier nichts zu suchen, denn sie vergiften das Geschlechterverhältnis. Antworten
Ich finde Piercings und Baggy Pants genau so schlimm wie Kopftücher. Was davon soll man nun verbieten und was nicht? Bei vielen fundamentalistischen Kirchen und bei sekten ist auch nicht bekannt, wer diese finanziert (z.B. auch Scientology). Sollte man alle Kirchen zwingen, ihre Finanzierung offenzulegen? Warum müssen Kirchtürme so hoch sein? Ging es den Aleviten besser vor der Regierung Erdogan? Antworten
Es gibt klare Belege, auch in der SCHARIA, das Zwangsehe, Unterdrückung der Frau verboten ist Der Prophet Muhammed sagt,; Der jenige der eure Frauen unter euch am besten behandelt ist am besten unter euch!Das Kopftuch ist ein Gebot, welches deutlich im Quran steht. Es dient zu schutz der Frau, weil die Frauen aufgrund ihrer Schönheit belästigt wurden. Reflektieren sie nicht ihrenegative Erfahruge Antworten




Luciano Valiani
Frau Kelek Wie erlauben sie sich überhaupt über unsere Religion so zu reden? Sie haben keine Ahnung, hier ein Beweis gegen sie. Sura An-Nur vers 31 "Und sag zu den gläubigen Frauen, sie sollen ihre Blicke senken und ihre Scham hüten, ihren Schmuck nicht offen zeigen ausser dem was sonst sichtbar ist, und sie SOLLEN ihre Kopftücher auf den Brustschlitz ihres Gewandes schlagen..." Gruss Antworten