Das Problem der Schweizer Mundart-Manager

Deutsche Chefs sprächen schneller und präziser als Schweizer, deshalb seien sie besser, sagt Klaus J. Stöhlker. Stimmts? Headhunter Bjørn Johansson entgegnet.

Reden beide Mundart: SBB-Chef Andreas Meyer mit Stadler-Rail-Chef Peter Spuhler. (Archivbild)

Reden beide Mundart: SBB-Chef Andreas Meyer mit Stadler-Rail-Chef Peter Spuhler. (Archivbild) Bild: Ennio Leanza/Keystone

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Auf dem Branchenblog «Inside Paradeplatz» wirft der Unternehmensberater Klaus J. Stöhlker die Frage auf, wieso derart viele deutsche Topmanager an der Spitze von Schweizer Unternehmen stehen. Seine Antwort: Die Deutschen sprechen schneller, und das Hochdeutsche erlaubt eine präzisere Ausdrucksweise als das «Züridütsch national». Der Dialekt verderbe die Kommunikation. Heute würde in den Schweizer Konzernen längst Hochdeutsch und Englisch gesprochen. Schweizerdeutsch sei in den grossen Schweizer Firmen kein Thema mehr.

Herr Johansson , was sagen Sie zur These Stöhlkers?
Das sehe ich nicht so. Es geht ausschliesslich um die Personen und ihre Qualifikationen; ob einer als Muttersprache Schweizerdeutsch oder Hochdeutsch spricht, spielt keine Rolle. Dass es in der Schweiz viele deutsche Manager gibt, liegt auch schlicht daran, dass sich diese und ihre Familien in der Schweiz wohlfühlen. Man fühlt sich kulturell verbunden.

Wird in der Wirtschaft denn noch Schweizerdeutsch gesprochen?
Unter Schweizern natürlich schon, aber eigentlich dominiert in der Wirtschaft weder die Mundart noch das Hochdeutsch, sondern das Englische. Die Beherrschung dieser Sprache ist heute zentral. Stöhlkers These, wonach geschliffenes Hochdeutsch ein Vorteil ist, ist deshalb nur schon aus dem Grund nicht haltbar, dass gerade in der Schweiz viele nicht deutschsprachige Manager tätig sind.

Können die SBB, wenn sie einen neuen CEO brauchen, wirklich jemanden verpflichten, der kein Deutsch spricht?
Das geht nicht, ist aber auch eine Ausnahme. Die Schweiz hat schon immer multinationale Firmen im Land gehabt. Und es gibt unter den grössten 30 Schweizer Firmen gerade mal 3 Firmen, deren Top 3 nur aus Schweizern bestehen: Migros, Coop und Swisscom.

Wie steht es um das Englisch der Schweizer Manager?
Das ist sehr gut – gerade im Vergleich mit den deutschen Managern. Das liegt wohl daran, dass in deutschen Firmen immer noch häufig Deutsch gesprochen wird. Ich würde sagen, dass die Schweizer europaweit nach den Skandinaviern und Holländern das beste Englisch sprechen.

Die Schweizer seien sprachlich weniger direkt, sagt Stöhlker. Aber liegt der Nachteil der Schweizer Manager vielleicht weniger an der Sprache als an der Schweizer Art, ungern direkt zu sein?
Nein. Ob grosse Firmen oder KMU: Die Schweizer Wirtschaft und ihre Manager sind international und national erfolgreich. So ein entscheidender Nachteil fürs Management kann die Schweizer Mentalität also nicht sein.

(baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 05.04.2017, 14:05 Uhr

Bjørn Johansson hat 1993 in Zürich die Firma Bjørn Johansson Associates gegründet. Der Norweger gilt weltweit als einer der erfolgreichsten Headhunter.

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