Kultur

Der Computer als Journalist

Aktualisiert am 10.08.2012 2 Kommentare

Weder Schreibblockaden noch Kaffeepausen, und übermenschliche Geschwindigkeit: Sieht so der Journalist der Zukunft aus? Bereits sind Computer im Einsatz, die aus Datenmaterial eigenständig Texte verfassen.

Ein Bild der Vergangenheit? Computer sollen immer mehr Aufgaben von Journalisten übernehmen.

Ein Bild der Vergangenheit? Computer sollen immer mehr Aufgaben von Journalisten übernehmen.
Bild: Keystone

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Sportberichterstattung und Börsennachrichten sind bislang die hauptsächlichen Einsatzgebiete dieser Schreibprogramme. Das US-Wirtschaftsmagazin «Forbes» veröffentlicht beispielsweise auf seiner Website Artikel, die mit der Software des Unternehmens Narrative Science erstellt werden.

Computer können zwar nicht die Feinheiten einer Geschichte erfassen, jedoch sind sie in der Lage, riesige Datenmengen zu durchforsten und zu verarbeiten. «Das funktioniert mit allem, was einfach und formelhaft ist», sagt Ken Doctor vom Medienberatungsunternehmen Outsell.

Angesichts der Finanzprobleme, unter denen viele Presseunternehmen leiden, könne die Automatisierung eines Teils der Nachrichtenproduktion «einen wichtigen Beitrag zur Umstrukturierung des Wirtschaftsmodells im Journalismus leisten», glaubt Doctor.

«Logischer nächster Schritt»

Der Journalistikprofessor Stephen Doig von der Arizona State University hält den Einsatz von Schreibcomputern für einen logischen nächsten Schritt. «Ich habe keine philosophischen Bedenken, das Schreiben gewisser Artikel an Computer abzugeben, wenn der Reporter, der sie ansonsten geschrieben hätte, die Zeit für Interessanteres nutzen kann», sagt Doig.

«In den nächsten zwölf bis 24 Monaten wird jedes Medienunternehmen eine Strategie für die Automatisierung benötigen», sagt Scott Frederick von Automated Insights. Die Firma erstellt Sport- und Immobilienberichte. Die eingesetzte Software kann dabei den Tonfall und Blickwinkel des Textes, ähnlich einer Lokalzeitung, dem Zielpublikum anpassen.

Für die Fans der New York Giants lautet die kurze Zusammenfassung des Finales der US-Footballmeisterschaft deshalb: «Hakeem Nicks hat ein exzellentes Spiel hingelegt und damit den Weg bereitet für den 21-zu-17-Sieg der Giants über die Patriots in Indianapolis. Mit diesem Sieg erringt New York den Superbowl.»

Für die Anhänger der Verlierer heisst der Text: «Nach dem mittelmässigen Spiel von Tom Brady haben die Patriots zu Hause 21 zu 17 gegen die Giants verloren. Die New England Patriots waren nahe dran am Sieg, konnten den Titel aber kein weiteres Mal für sich erringen.»

Zahlenmaterial lesbar machen

Kristian Hammond ist der Leiter der Technologie-Abteilung von Narrative Science und bringt seit zehn Jahren Computern das Schreiben bei. Das Unternehmen hat 40 Kunden, die die automatisch verfassten Texte dazu verwenden, Tabellen und anderes Zahlenmaterial lesbarer zu machen. «Zwei Drittel sind Technik, ein Drittel Journalismus», fasst Hammond zusammen.

Einige Artikel werden von Journalisten gegengelesen, andere werden ohne menschliches Zutun direkt an die Kunden weitergeleitet – beispielsweise die 370'000 Baseball-Spielberichte, die das Unternehmen im vergangenen Jahr produzierte. Dabei erfassen die Artikel nur, was aus den Statistiken hervorgeht.

Verletzt sich ein Spieler oder weicht starker Regen das Spielfeld auf, dann erfährt der Leser der vom Computer geschriebenen Texte davon nichts. «Wir sind uns dessen bewusst. Aber die Rückmeldungen sind sehr positiv und bisher haben wir nichts Albernes oder Peinliches produziert», sagt Hammond. (sda)

Erstellt: 10.08.2012, 11:43 Uhr

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2 Kommentare

Fritz Meyerhans

10.08.2012, 12:01 Uhr
Melden 8 Empfehlung 0

"Ich habe keine philosophischen Bedenken, das Schreiben gewisser Artikel an Computer abzugeben, wenn der Reporter, der sie ansonsten geschrieben hätte, die Zeit für Interessanteres nutzen kann" Falsch, der Journalist wird nicht mehr dort arbeiten, denn sonst gibt ja der Verlag mehr aus als jetzt. Problematisch wird es dann, wenn Leute aufgrund von rein automatisch erstellten Daten Entscheide fälle Antworten


Lukas Huwiler

10.08.2012, 20:56 Uhr
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Mir ist immernoch nicht klar, warum der Mensch ausgerechnet das Denken an Maschinen delegieren will. Meine Befürchtung ist, dass es vom Denken zum Entscheiden und Handeln nur kleine Schritte sind und dass langsam auch die Verantwortung an Maschinen delegiert werden wird. Zukunftsszenario: Compi errechnet Erfolgswahrscheinlichkeit einer Krebstherapie, wer entscheidet über Anwendung oder nicht? Antworten



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