Kultur
Der Humor zwischen Kleinkunst und Big Event
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Frank Baumann, Werber und TV-Produzent, leitet das Humor-Festival Arosa. Ironie der Geschichte: Vor 20 Jahren, damals noch Werber der Destination Arosa, war er gegen das Festivalprojekt, das Kurdirektor Florenz Schaffner zur Ankurbelung der schwierigen Dezember-Vorsaison lancieren wollte. Doch es funktionierte. Vor allem unter der Ägide von Martin Vincenz, der das Festival von der 7. bis zur 16. Ausgabe leitete, hat es solch eine internationale Reputation erlangt, dass es nach dem Köln Comedy Festival zum wichtigsten Humor-Anlass im deutschsprachigen Raum avancierte.
Das touristische Kalkül blieb im Hintergrund stets bestehen. Es führte schliesslich auch zum Abgang von Vincenz, weil Tourismuschef Hans-Kaspar Schwarzenbach im Budget keinen Platz mehr für Animation neben den Schauplätzen und auch nicht für ein Abendzelt am Obersee einräumen mochte. Nicht verwunderlich, dass die Werbung für Arosa wieder im Vordergrund stehen sollte, als Frank Baumann 2007 die Leitung des Festivals selber übernahm. Das Zelt im Schnee auf 2000 Meter als «Unique key visual» sollte gestärkt werden, weshalb alle Vorstellungen auf den Berg verlegt wurden.
Mehr Top Acts, weniger Flair
Kommerziell ist die Rechnung aufgegangen: Dank den zusätzlichen Abendaufführungen im viermal grösseren Zelt konnte die Zuschauerzahl innert dreier Jahre von 13 500 auf über 17 500 gesteigert werden. Um der Nachfrage nach den Top Acts besser gerecht zu werden, wurde das Fassungsvermögen nochmals um 120 Plätze auf 1000 aufgestockt. Vom einstigen Flair ist dabei einiges verloren gegangen: Früher kam noch das Gros der Besucher direkt vom Skifahren in die einzige Doppelvorstellung am Nachmittag, nahm sich im Hotel Zeit fürs Abendessen und besuchte die Abend- oder Late-Night-Vorstellung im Kursaal.
Auch Frank Baumann hat inzwischen eingesehen, dass es im je nach Witterung schwer beheizbaren Zelt weder für die Zuschauer lustig ist zu frieren, noch für die Künstler, vor viertel- bis halb vollen Rängen verheizt zu werden. Deshalb ist er schrittweise wieder aufs Dorf zugekommen: Einige Abendvorstellungen unter der Woche finden in Blatter’s Bellavista statt, und mitten auf dem Postplatz wird gratis eine OpenAir-Show geboten. Dazu kommt dieses Jahr noch die Jubiläumsparty im neuen Kongresszentrum.
Allerdings ändern sich Baumanns Intentionen auch von Jahr zu Jahr: War mal noch von Wiederaufnahme der LateNight-Shows in Hotels die Rede, so besteht jetzt dafür aufgrund des «geänderten, frühzeitigeren Ausgehverhaltens» gar kein Bedarf mehr. Und während er noch vor zwei Jahren versprach, auch Spass und Schabernack auf Pisten und in Hotels wieder aufzunehmen, ist aus Kostengründen neustens doch wieder nicht damit zu rechnen.
Dabei trugen früher gerade diese Animateure viel zum speziellen Spirit des Humor-Festivals bei – angefangen beim durchs Dorf trommelnden Ansager Pierre le Crieur über den nervigen Kurdirektor Theo Hitzig, den Agent Provocateur Joachim Rittmeyer bis hin zu Karls Kühnen Engeln, die statt der Sessel am Seil hingen, als vorläufiger Höhepunkt und Abschluss 2003.
Das eigentliche Programm hingegen hat sich durch drei Intendanzen hindurch erstaunlich wenig geändert. Früher war durchaus nicht alles besser, anspruchsvoller. Schon damals wurden Mainstream-Schinken wie das Cabaret Rotstift, die Schmirinski’s oder das Cabaret Götterspass als Publikumsmagnete ins Schanfigg geholt. Und umgekehrt kann auch Frank Baumann keine Meganummern aus dem Hut zaubern. Zumal in den 16 Jahren zuvor schon fast alles, was Rang und Namen hat, in Arosa gastierte: die deutschen Superstars Michael Mittermeier, Gerhard Polt und Helge Schneider, die Clown-Ikonen Jango Edwards und Johnny Melville, aber auch Schocker wie Leo Bassi, Chris Lynam und andere Nackerte.
Auch Baumann muss angesichts der zu füllenden Zeltarena auf MehrfachRepeater und Mainstream-Garanten wie Oropax, Marco Rima, Beat Schlatter oder Sutter & Pfändler setzen. Immerhin gelang es ihm bereits, einige veritable Entdeckungen und Exklusivitäten zu portieren, etwa das Ukulele Orchestra of Great Britain oder die US-Stars Red Bastard und Kevin James.
Früher wurde mehr gewagt
Sicher aber ist, dass früher mehr Experimente riskiert wurden, etwa mit der Vorschau-Schau, den frechen LateNight-Shows, den sonntäglichen Matinees oder den Cartes Blanches für Gastbühnen. Christoph Haering, Leiter Darstellende Künste und Literatur beim Migros-Kulturprozent, sagt dazu: «Früher wurde eindeutig mehr gewagt – auf der Bühne wie auch daneben. Dazu hatte Arosa in der Comedyszene eine Netzwerkfunktion wie kein anderer Anlass dieses Genres.»
Immerhin besteht die Chance, dass ab nächstem Jahr wieder etwas mehr experimentiert wird. Zum einen sollen einige Aufführungen in der neuen Kongresshalle mit 400 Plätzen durchgeführt werden. Und dann ist auch im Eventkino des komplett umgebauten Kursaals ein Probegalopp vorgesehen. Damit wäre das Festival definitiv wieder im Dorf angekommen. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 08.12.2011, 11:53 Uhr
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Familie, Beruf und Studium
Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.









