Der sexistische Fussgängerstreifen

Von Daniel Foppa. Aktualisiert am 04.06.2010 431 Kommentare

Die Stadt Bern will «geschlechtergerechter formulieren». Wörter wie «Fussgängerstreifen», «Mannschaft» und «Mitarbeitergespräch» sollen verschwinden. Wann kommt der Bärinnengraben?

Geschlechtsneutral formulieren: Zebra-, nicht Fussgangerstreifen, bitte sehr.

Geschlechtsneutral formulieren: Zebra-, nicht Fussgangerstreifen, bitte sehr.
Bild: Keystone

Soll noch jemand sagen, Bern sei langsam und rückständig. Das Vorurteil ist unhaltbar, hält man sich die wertvolle Pionierarbeit auf dem Gebiet der Soziolinguistik vor Augen, die an der Aare geleistet wird. Gestern veröffentlichte die Stadtberner Fachstelle für die Gleichstellung von Frau und Mann einen neuen Sprachleitfaden. Er ist für die Stadtverwaltung verbindlich und soll ihr das «geschlechtergerechte Formulieren» nahebringen.

Maskulin kontaminiert

Das amtliche Dokument schreibt zum Beispiel vor, das Wort «Fussgängerstreifen» dürfe nicht mehr gebraucht werden. Vielmehr sei das geschlechtsneutrale «Zebrastreifen» zu verwenden. Ebenso ist das maskulin kontaminierte «kundengerecht» verpönt. Neu heisst es in Bern: «Entspricht den Wünschen der Kundschaft». Wer weiterhin von einem «benutzerfreundlichen» Gerät spricht, unterstreicht seine Rückständigkeit. Sprachlich korrekt ist etwas «einfach zu bedienen». Selbstredend wird die «Mannschaft» durch das «Team» ersetzt, das «Mitarbeitergespräch» in «Beurteilungsgespräch» umbenannt, und das «Benutzerhandbuch» heisst neu «Manual».

Was sich nach sprachlicher Umerziehung à la Nordkorea anhört, ist offensichtlich ernst gemeint. «Denken Sie beim Schreiben von Anfang an immer an Frauen und Männer», wird den Stadtangestellten eingetrichtert. Damit nicht genug: «Vergessen Sie auch beim Reden nicht, dass Sie Männer und Frauen vor sich haben oder über Frauen und Männer sprechen.»

«Kindlifresserin»

Glücklich die Stadt, die ihre Angestellten derart umsorgt und in Denken und Ausdruck zu leuchtenden Vorbildern erziehen will. Wir warten nun, bis sich die offensichtlich unterbeschäftigte Fachstelle Berns Sehenswürdigkeiten vorknüpft und in «Kindlifresserin-Brunnen», «Bärinnengraben» und dergleichen mehr umtauft. Und bis schliesslich jemand die Schnauze voll hat von solch höherem Blödsinn und den Leitfaden dorthin bringt, wo er hingehört – in die reissfreudigen Tatzen des Berner Wappentiers.

Was halten Sie von der «geschlechtergerechten Formulierung»? Kennen Sie weitere Beispiele wie der «Bärinnengraben», bei sich der Berner Sprachleitfaden ad absurdum führt? Kommentare bitte unten anbringen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 04.06.2010, 09:03 Uhr

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431 Kommentare

Rolf Stöckli

04.06.2010, 08:21 Uhr
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In was für einer Welt leben wir eigentlich! In Bern darf man nicht mehr "Fussgängerstreifen" sagen und in Zürich muss in Gartenbeizen während der WM an den TV-Geräten der Ton ausgeschaltet werden! Haben die keine anderen Probleme?! In Europa geht der Euro und die halbe Wirtschaft den Bach runter, in Amerika gibt's die grösste Öl-Katastrophe seit jeher, vom weltweiten Klimawandel ganz zu schweigen. Antworten


Roger Riger

04.06.2010, 08:51 Uhr
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Wenn der Berner Stadtpräsident Alexander Tschäppät sich nochmals über irgendeine andere Schweizer Stadt lustig macht oder herumspottet, soll er sich immer wieder diesen Artikel und die diversen Kommentare anschauen und einfach schweigen (auch wenn er das oft gar nicht kann), denn mit dieser Aktion hat er sich und die Stadt Bern definitiv zur Lachnummer der Schweiz gemacht. Antworten



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