Kultur
Die Scheinheiligkeit der Kulturszene
Von Bettina Weber. Aktualisiert am 30.09.2011 284 Kommentare
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Es befremdete schon vor zwei Jahren, wie gewisse Kreise auf die Verhaftung von Roman Polanski im Flughafen Zürich reagierten. Cinephile und Kulturschaffende demonstrierten vor dem Zürcher Kino Corso mit «Free Polanski»-Plakaten und zeigten sich entrüstet über die Schweizer Justiz.
Wer es hatte wissen wollen, wusste zwar damals schon, was die Gründe für die Festnahme waren. Aber als Erinnerungshilfe wurde der Fall daraufhin in den Medien detailliert nacherzählt: Polanski hatte 1977 in Los Angeles die 13-jährige Samantha Geimer anal und vaginal vergewaltigt. Aufgrund eines juristischen Deals musste er sich einer Therapie unterziehen und dafür bloss für 90 Tage ins Gefängnis, nach 42 Tagen wurde er vorzeitig entlassen. Einem zweiten Prozess entzog er sich durch Flucht ins Ausland, es wurde ein internationaler Haftbefehl erlassen. Das sind die Fakten.
«Privatangelegenheit»
Nun ist der Filmemacher nach Zürich zurückgekehrt, um den Preis des Zurich Film Festival abzuholen, der ihm vor zwei Jahren nicht übereicht werden konnte (TA vom Mittwoch). Und das Befremden ist noch grösser. Polanski wird gefeiert wie ein Held. Das Festival, dessen Gäste und die Kulturschaffenden benehmen sich, wie wenn der Regisseur aufgrund eines Justizirrtums in Haft gesetzt worden wäre. Wie wenn sich die Schweiz entschuldigen müsste, dass einem Weltstar in unserem Land derartiges Unrecht widerfahren ist. Polanski hat sich anlässlich der Preisübergabe am Dienstagabend bedankt für die gute Behandlung im Gefängnis, das anwesende Publikum hat gelacht und war gerührt angesichts von so viel Tapferkeit. In der TV-Sendung «Glanz & Gloria» sprach Roger Schawinski von einem «Happy End» – «Happy End» für wen? Für Samantha Geimer, die zwar heute eine Strafverfolgung Polanskis ablehnt, aber auch einst sagte: «Die Tat hat die nächsten zwanzig Jahre meines Lebens verdunkelt»? Ebenfalls in «Glanz & Gloria» bringt Schauspieler Pasquale Aleardi auf den Punkt, wie die Kulturszene zu Polanski steht: «Er ist ein grossartiger Regisseur, was er privat macht, interessiert mich nicht.»
Es mutet seltsam an, wenn dieselbe Szene, die sich sonst gerne feinsinnig und sensibel gibt und überhaupt schnell mit der Moralkeule bereitsteht, von einer «Privatangelegenheit» spricht und jede Reflexion vermissen lässt. Es geht weder um einen Seitensprung noch um eine Kampfscheidung. Es geht um ein Verbrechen – das aber offenbar weniger gravierend zu sein scheint, wenn es sich beim Täter um einen anerkannten Künstler handelt. Wäre die Solidarität mit Carl Hirschmann auch so gross gewesen, wenn der nicht Ex-Clubbesitzer wäre, sondern ein international gefeierter Autor?
Die Zürcher Ergriffenheit wirkt unangebracht und peinlich. Es gibt in diesem Fall nur ein Opfer. Und das heisst nicht Roman Polanski. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 30.09.2011, 07:05 Uhr
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284 Kommentare
Der Typ ist ein Kinderschänder (das wird auch in 50 Jahren noch ein Fakt sein), und die sogenannte Schweizer Kulturszene ein heuchlerisches Pack. Ich halte es sowieso für unangemessen, bei staatlich subventionierten Menschen noch von Kulturschaffenden zu sprechen. Künstler müssen unabhängig bleiben vom Staat, sonst verlieren sie ihre schöpferische Kraft und werden zu diesem verlogenen Haufen. Antworten
Ich bin erschüttert, schon die ersten drei Kommentare sind pro Polanski. Es scheint tatsächlich so, dass Frau Weber mit ihrem Kommentar recht hatte. Als erfolgreicher Künstler darf man ein Kind vergewaltigen und die Fangemeinde drückt beid Augen zu. Antworten
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Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.

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