Kultur
Die fabelhaften Guttenbergs
Interview: Philippe Zweifel. Aktualisiert am 16.12.2010 13 Kommentare
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- Deutschland schafft die Wehrpflicht ab
- Harsche Kritik an Frau zu Guttenbergs TV-Pranger
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Guttenbergs Afghanistan-Reise mitsamt Gattin und TV-Team wird in Deutschland stark kritisiert. Hat der für seine PR-Stunts bekannte Verteidigungsminister den Bogen überspannt?
Die Stimmung in Deutschland ist gespalten. Links der Mitte und in der Mitte hat man den Eindruck, dass er zu weit gegangen ist. Dass es eine Grenze gibt, was Selbstinszenierung angeht. Die «Bild»-Zeitung hingegen feiert das Ehepaar Guttenberg als mutige Soldatentröster. Auch bei den Truppen kam der Besuch gut an.
Heute Abend sendet Sat 1 die Aufzeichnung von Kerners Talkshow mit Guttenberg aus Afghanistan. Sorgt das für erneuten Wirbel?
Das wird die Stimmung nicht zum Kippen bringen. Die Sendung ist professionell produziert und sicherlich skandalfrei. Der grosse Aufreger war, dass er seine Frau und TV-Moderator Kerner, der ja nicht gerade als Afghanistan-Kenner gilt, ins Kriegsgebiet mitgenommen hat. Als Gesamtpaket wirkte das für viele unappetitlich. Auch ich persönlich finde, dass seine Frau dort nichts verloren hat.
Was findet das Volk?
Es ist natürlich so, dass in Redaktionsstuben und Parteizentralen Leute sitzen, die empfindlicher auf solche Signale reagieren als der Durchschnittsbürger. Die Mehrheit der Leute findet die Aktion tatsächlich gelungen. Gerade die einfacheren Leute haben schon immer sehr positiv auf Guttenberg reagiert. Man lässt sich etwa gerne mit ihm fotografieren oder wechselt ein paar Worte mit ihm.
Wie erreicht er diese Popularität?
Zum einen setzt er die Macht der Bilder sehr geschickt ein. Es gibt drei Fotos, die jedem deutschen Medienkonsumenten bekannt sind: Guttenberg strahlend auf dem Time Square, quasi als Retter der deutschen Wirtschaft in Amerika. Guttenberg in einem Flugzeugtransporter inmitten Militärgerät, vom einfallenden Licht beleuchtet wie eine Erlöserfigur. Und jetzt mit seiner Frau im wilden Afghanistan. Guttenberg ist aber auch ein sehr leutseliger und umgänglicher Typ. Wobei das gerade bei Auftritten auch eine Masche von ihm ist: zu betonen, dass er einer aus dem Volk ist.
Was er als Adliger genau nicht ist.
Das ist das Paradox. Seine Familie hat ein Vermögen von mehreren Hundert Millionen. Er selber kennt die Sorgen und Nöte einer durchschnittlichen Familie höchstens vom Hörensagen. Interessant ist, dass der typisch deutsche Neid-Mechanismus bei den Guttenbergs aussetzt, was wohl damit zusammenhängt, dass er adliger Herkunft ist. Man räumt ihm quasi ein Geburtsrecht auf Respekt ein. Aus dieser komfortablen Lage und wohl auch aus einem familiären Selbstbewusstsein heraus kann er es sich leisten, sich auf die Ebene der einfachen Leute hinunterzubegeben. Wenn man nahe an ihm dran ist, merkt man, dass das gespielt ist. Allerdings ist es so gut gespielt, dass man nicht sicher ist, ob er sich dessen überhaupt bewusst ist – oder ob er die Rolle verinnerlicht hat.
Wie wichtig ist seine Frau Stephanie für seine Karriere?
Was auffällt, ist dass sie seit einem halben Jahr auch als eigenständige Figur auftaucht, mehr als ein Anhängsel ist. Zum Beispiel als Vorkämpferin gegen sexuellen Missbrauch von Kindern. Das kann man durchaus als Teil der guttenbergschen Gesamtstrategie sehen. Dass seine Frau aus bester Familie stammt, eine Nachfahrin Bismarcks ist, ist seinem Image auch nicht abträglich. Dazu sieht sie äusserst repräsentabel aus. Die ideale Gattin für einen Politiker.
Für seine Gegner ist Guttenberg der «Minister für PR und Pathos». Was hat er konkret erreicht in der Politik?
Es ist nicht alles nur Schein, er leistet durchaus etwas. Im Amt als Verteidigungsminister hat er etwa die Bundeswehrreform durchgesetzt. Und zwar über ideologische Grundsätze seiner eigenen Partei hinweg. Aber er ist kein Messias, dem alles gelingt. Seine Leistungsbilanz im Kabinett ist bisher genügend bis anständig.
(baz.ch/Newsnet)
Erstellt: 16.12.2010, 10:57 Uhr
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13 Kommentare
Amerika lässt grüßen! Dort wo das Sein nur schwer vermittelbar ist oder auch gar nicht mehr vermittelt werden soll, dort muss der Schein die Leere ersetzen, die die Abwesenheit des Seins hinterlässt! Da muss man doch froh sein, wenn der Schein mit fürstlichem Glanz aufgepolstert wird. Nur zu normal, wenn die auf Quoten getrimmte Fernsehlandschaft auf diesen Zug aufspringt. Bravo Herr zu Kerner! Antworten
Sigmar Gabriel und Claudia Roth sind nur neidisch, weil Sie optisch nicht so viel hermachen wie die Guttenbergs. Ueberhaupt: Warum müssen die Linken und Grünen beim Politisieren immer so eine sauertöpfische Miene vor sich her tragen. Inhalte müssen mit einem Lächeln verkauft werden. Antworten
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