Kultur

Die unmusikalische Seite des «Rolling Stone»

Von Jan Knüsel. Aktualisiert am 24.06.2010

Um Musik alleine ging es dem linksliberalen Magazin «Rolling Stone» noch nie. Es bleibt daher die Frage, weshalb sich ausgerechnet General McChrystal dem «Rolling Stone» anvertraute?

Wie die Affäre begann: Der Artikel über Stanley McChrystal im «Rolling Stone».

Wie die Affäre begann: Der Artikel über Stanley McChrystal im «Rolling Stone».
Bild: Keystone

Mit Lady Gaga in den Polit-Skandal: Die aktuelle Ausgabe des «Rolling Stone». (Bild: Keystone )

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Der Skandal um den Viersternegeneral

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Stanley McChrystal kritisiert die oberste Führung Amerikas.

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1967 gründete Jann Wenner zusammen mit dem Musikjournalisten Ralph Gleason das Rockmagazin «Rolling Stone». Es war die erste Zeitschrift, die sich mit Rockmusik beschäftigte und in den ganzen USA erhältlich war. Um Musik alleine ging es ihren Gründern jedoch nie. Regelmässig erschüttern Hintergrundbeiträge des «Rolling Stone» die amerikanische Politik.

Die Berichterstattung über berühmte Persönlichkeiten sind ein Hauptmerkmal des Magazins. Perfektioniert hat der «Rolling Stone» diese Art des Journalismus mit ihrer Nähe zu Rockbands, die sie auf Konzerttourneen regelmässig begleitet. Der Film «Almost Famous» von Cameron Crowe erzählt von diesem intimen Einblick eines Journalisten in die Welt des «Sex, Drugs and Rock 'n' Roll».

General McChrystal war das letzte Opfer der politischen Berichterstattung des «Rolling Stone». Auch für diesen Beitrag verbrachte der Journalist Michael Hastings längere Zeit mit dem General und dem innersten Zirkel seines Führungsstabes, reiste mit ihnen von Paris bis nach Kabul.

Auf den Fersen der Präsidenten und Astronauten

Der Journalist und Autor Hunter S. Thompson prägte in den Gründerjahren des Magazins diesen subjektiv gefärbten Journalismus und verwischte regelrecht die Grenze zwischen Reportage und Literatur. Thompson heftete sich an die Fersen des Präsidentschaftskandidaten George McGovern oder verfolgte die Watergate-Affäre um Richard Nixon.

Timothy Crouse zerlegte während des Präsidentschaftswahlkampfes 1972 die unkritische Medienberichterstattung. Später entstand daraus das Bestseller-Buch «Boy on the Bus». 1973 porträtierte Tom Wolfe in einer Artikelserie die Nasa-Astronauten und ihre Depressionen nach ihrer Weltraummission. Mit seinen Beiträgen demontierte der Journalist und Autor endgültig den Raumfahrtmythos.

Irak und die Finanzkrise

In der jüngeren Zeit sorgte der Journalist Evan Wright mit einer Beitragsserie über die Irak-Invasion für Aufsehen. Seine Erfahrungen als «Embedded Journalist» wurden zu einem Buch und später zu einer TV-Serie weiterverarbeitet.

Letzten Juli griff der Journalist Matt Taibbi mit dem «Rolling Stone»-Artikel «The Great American Bubble Machine» die undurchsichtigen Machenschaften der Investmentbank Goldman Sachs während der Finanzkrise auf.

Des Generals Geheimnis’

Die amerikanische Gesellschaft und Politik zu durchdringen war stets das Leitmotiv für Jann Wenner. «Janns Passion für Politik besteht seit den Gründungstagen. Man muss ihm hoch anrechnen, dass er seiner Linie bis heute treu geblieben ist», sagt Robert Wallace, ehemaliger Redaktionsleiter bei «Rolling Stone» gegenüber der «Los Angeles Times».

Weshalb nun Stanley McChrystal, der als kühner Stratege gilt, sich einem Magazin anvertraute, das eine Reputation hat, mit eigenwilligen Journalisten gegen das Establishment anzuschreiben, bleibt des Generals Geheimnis.

Er mochte sich wohl zu stark auf Jann Wenners offene Unterstützung für Barack Obama während des Wahlkampfs 2008 verlassen haben. «Rolling Stone»-Redaktor Eric Bates hat im Gespräch mit der «Washington Post» eine andere Erklärung: «Viele stellen sich immer noch die Frage, was denn ein Musikmagazin in Afghanistan zu suchen hat.» (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 24.06.2010, 18:07 Uhr


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Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.