Interview

«Ridley Scott ist nicht der erste, der sich bedient»

Star-Regisseur Ridley Scott hat für seinen neusten Film ungefragt bei Erich von Däniken abgekupfert. Der Schweizer Schriftsteller über «Prometheus», Darwin und Zweifel am eigenen Lebenswerk.

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Herr von Däniken, hat Ridley Scott bei Ihnen angeklopft, bevor er sich bei Ihren Theorien bediente?
Nein. Ein US-Filmteam, das gerade eines meiner Bücher verfilmt, hat mir davon berichtet. Die kennen Scott. Er bewundere mich sehr und habe auch ein paar meiner Bücher gelesen.

Nicht einmal eine Erwähnung im Abspann gab es. Sind sie enttäuscht?
Im Gegenteil. Ich bin froh und dankbar, wenn meine Arbeit in Bewegung bleibt. Scott ist ja nicht der erste, auch Roland Emmerich hat sich schon bei mir bedient und daraus keinen Hehl gemacht.

Ist das auch eine Genugtuung? Sie müssen ja seit Jahrzehnten Spott und Häme einstecken.
Ja, natürlich. Aber nicht nur Filmemacher geben mir Recht. In «Erinnerungen an die Zukunft» behauptete ich, dass Ausserirdische auf der Erde waren. 1973 machte der «Spiegel» mit dem Titel «Der Däniken-Schwindel» auf. Die Journalisten sind damals zu den Wissenschaftlern gerannt und haben sich bestätigen lassen, dass Raumfahrt unmöglich ist. Oder dass Zellmaterial nicht veränderbar ist. Heute sind meine Behauptungen auch wissenschaftlich salonfähig.

Es heisst, sie hätten 60 Millionen Bücher verkauft. Da dürfte das verdiente Geld auch ein Genugtuung sein.
Ich bin nie reich geworden. Zwar wurden allein von «Erinnerungen an die Zukunft» in Amerika sechs Millionen Exemplare verkauft, doch ich bekam bloss zwei Rappen pro Buch. Was soll ich sagen? Ich war jung und liess mich über den Tisch ziehen. Danach habe ich zwar jedes Jahr zwischen 300'000 und 400'000 Franken Honorar bekommen. Meine Forschungsreisen und die Steuern verschlangen das Geld jedoch stets wieder.

Sind Sie eigentlich Science-Fiction-Fan?
Solange nicht blöde im Weltall herumgeknallt wird. Philosophische Sciencefiction hingegen gefällt mir. Arthur C. Clarkes «2001: Odyssee im Weltraum» etwa, das Stanley Kubrick später verfilmte. Auch Clarkes «Odyssee 2010 – Das Jahr, in dem wir Kontakt aufnehmen» ist perfekte Unterhaltung ohne Logikfehler. Die Serie «Stargate», die in ihrer Behauptung, man könne durch ein galaktisches Tor in andere Welten reisen, zwar ein Schmarren ist, gefällt mir ebenfalls – die Idee darin, dass Götter sich als Ausserirdische entpuppen, stammt ja von mir.

Darauf basiert auch Scotts neuer Film. Wobei der Filmemacher radikaler ist als Sie: Ausserirdische sind bei ihm für die Schöpfung der Menschheit zuständig.
Damit habe ich mich auch beschäftigt. Wobei die These auf den schwedischen Nobelpreisträger Svante Arrhenius zurückgeht. Er begründete 1906 die Panspermie-Lehre, die besagt, dass sich einfache Lebensformen über grosse Distanzen durch das Universum bewegen und so die Anfänge des Lebens auf die Erde brachten. Die genetische Information kommt also von aussen. Am Schluss der Evolution kommt logischerweise etwas Ähnliches heraus wie am Anfang. Das passt auch zu den Alten Schriften. In der Bibel steht: Die Götter schufen die Menschen nach ihrem Ebenbild.

Zumindest in Scotts Film erzeugen die Ausserirdischen tatsächlich die Menschheit. Millionen von Jahren später wollen sie sie wieder zerstören. Wieso, verrät der Film nicht. Was vermutet der Experte?
Vielleicht finden die «Götter», das Experiment Menschheit laufe falsch – und brechen es wieder ab. Aber solche Spekulationen gehören in das Reich der Sciencefiction.

Im Film ist die Hauptfigur eine Wissenschaftlerin, die an Ausserirdische glaubt, gleichzeitig religiös ist. Wie halten Sie es mit der Religion?
Ich bin zwar katholisch erzogen worden und zahle immer noch Kirchensteuern. Aber ich halte eigentlich nichts von der Kirche als religiöse Institution. Dennoch bezeichne ich mich als gläubig.

Ist das kein Widerspruch: Ausserirdische würden ja das Gottesbild völlig durcheinander bringen.
Das katholische sicher. Aber die Ausserirdischen müssen ja auch von jemandem erschaffen worden sein. Ich habe meinen Glauben an den lieben Gott nie verloren.

Aber den Glauben an Darwin.
Nicht ganz. Wir haben eine Evolution, das ist klar. Allerdings haben wir auch Evolutionssprünge. Die lassen sich nur dadurch erklären, dass Einfluss von aussen stattgefunden hat.

Sie sind 77 – und haben noch keinen Beweis für die Existenz ausserirdischen Lebens auf der Erde gefunden. Macht einen das nervös? Kommen Zweifel auf am Lebenswerk?
Es gibt tatsächlich keinen archäologischen Beweis. Sehr wohl aber viele schriftliche Indizien. Von Enttäuschung kann aber keine Rede sein. Ich gehe jeden Tag hoch motiviert ins Büro, auch samstags und sonntags. Es ist eine grosse Freude. (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 03.08.2012, 20:13 Uhr

Bildstrecke

«Prometheus»

«Prometheus» Bilder aus Ridley Scotts Film.

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