Kultur

Samir: «Schweizer Filmchef hat ein Demokratieverständnis wie Putin»

Von Florian Keller. Aktualisiert am 21.01.2009 2 Kommentare

Der Filmchef des Bundesamtes für Kultur, Nicolas Bideau, verteidigte gestern an den Solothurner Filmtagen seine Förderpolitik. Am heftigsten angegriffen wurde er von Filmemacher Samir.

In Zukunft soll alles besser werden: die Drehbuchförderung und der Dialog - beschwichtigt Nicolas Bideau.

In Zukunft soll alles besser werden: die Drehbuchförderung und der Dialog - beschwichtigt Nicolas Bideau. (Bild: Keystone)

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Er ist Bundesbeamter, spielt sich jedoch gern als Revolverheld des Schweizer Films auf: Nicolas Bideau, Filmchef des Bundesamtes für Kultur und zuletzt so stark unter Beschuss wie nie zuvor. Vom Westschweizer Fernsehen auf die massive Kritik aus der Filmbranche angesprochen, hatte Bideau bei seiner Ankunft in Solothurn noch abgewiegelt: Die Polemik sei bloss der übliche alte Western, wie er sich jedes Jahr an den Filmtagen abspiele. Und man fragte sich: Sprach da ein glorreicher Halunke oder ein isolierter Cowboy, der den Rückhalt in der Branche verloren hat?

Gestern kurz vor Mittag stellte sich Bideau in Solothurn den Medien und den Filmschaffenden – und damit auch seinen Kritikern. Der förderpolitische Showdown an den Filmtagen ging dann allerdings sehr sachpolitisch und gesittet über die Bühne. Die schärfsten Worte an die Adresse von Nicolas Bideau wählte der Zürcher Produzent Samir: Der warf dem Filmchef das Demokratieverständnis eines Wladimir Putin vor und forderte ihn auf, die Expertengremien, die über die Fördergelder für Schweizer Filme entscheiden, künftig nicht mehr in Eigenregie einzusetzen, sondern wieder in Absprache mit den Branchenverbänden.

Kein «Klima der Angst»

Bideau seinerseits wollte von einem «Klima der Angst», in das er die Schweizer Filmszene gestürzt habe, nichts wissen. Und von einem «kranken» Zustand der Filmverbände war, anders als noch vor Wochenfrist im Tages-Anzeiger, auch nicht mehr die Rede. Der Filmchef bekräftigte seinen Willen zum Dialog mit der Branche und verteidigte seine Förderpolitik. Für das laufende Jahr kündigte er leichte Reformen bei der selektiven Filmförderung an, und für 2011 wolle er in enger Zusammenarbeit mit der Branche neue Fördermodelle erarbeiten. Die Absicht, künftig die Entwicklung von Drehbüchern stärker zu fördern, hatte Bideau schon im letzten Sommer in Locarno öffentlich gemacht.

Scharfe Kritik gabs am Ende trotzdem. Denn gerade bei der Stoffentwicklung klaffen Wille und Wirklichkeit unter Bideau noch weit auseinander. Von 59 Gesuchen im Bereich Spielfilm unterstützte der Bund im Jahr 2008 nur gerade 14 Drehbücher. Damit hat sich die Zahl der geförderten Drehbücher mehr als halbiert gegenüber dem Vorjahr, als 31 von 71 Gesuchen unterstützt wurden. Ein Branchenvertreter nannte das eine Katastrophe, zumal Bideau sein Budget 2008 erneut nicht ausgereizt habe.

Bideau zog sich darauf zurück, dass er sich bloss auf die Empfehlungen seiner Expertenkommission verlasse. Dort habe man letztes Jahr offenbar eine leicht schwächere Qualität bei den eingereichten Projekten festgestellt.

Das Problem ist jedoch: Filme werden nicht besser, je weniger Stoffe entwickelt werden. In Hollywood gibt es dazu die schöne Faustregel, dass von 100 Drehbüchern nur gerade eines verfilmt wird. Von einer solchen Auslese kann man in der Schweiz nur träumen: Hier wird fast jedes Drehbuch, das geschrieben wird, auch verfilmt. Und Bideau ist den Beweis bislang schuldig geblieben, dass es ihm wirklich ernst ist damit, mehr Drehbücher zu fördern.

Ganz nebenbei zeigte sich Filmchef Bideau erfreut über den schwachen Publikumserfolg des Schweizer Films im Jahr 2008. Die beschönigte Statistik: Statt magere 3 Prozent, wie bisher angenommen, habe der Schweizer Film magere 4 Prozent Marktanteil in den Kinos erzielt. Das Geheimnis hinter dieser wundersamen Vermehrung: Auch die Erfolgsfilme «Nordwand» und «Giorni e nuvole» wurden berücksichtigt, da sie mit Schweizer Beteiligung entstanden sind. Nicht auszudenken, wenn wir auch noch «Quantum of Solace» mitzählen dürften. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 21.01.2009, 20:14 Uhr

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2 Kommentare

Peter Broger

21.01.2009, 22:07 Uhr
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Es ist schon erstaunenswert, wie sich Herr Bideau in seiner Position halten kann. Es gab noch kein Jahr, wo er nicht von Fachleuten massiv zerissen wurde, aber diese Kritik scheint bei Ihm magistratenmässig abzuprallen. Antworten


Tim Turpis

22.01.2009, 04:33 Uhr
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Ist doch eh egal wer da über die Fördergelder entscheidet: Der jetzige Klüngler oder der nächste.. Am Ende teilen es sich sowieso die etablierten Firmen unter sich selber auf. Outsiders sind chancenlos. Das ist keine Kunstförderung sondern - bestenfalls und nett formuliert - Wirtschaftsförderung. Antworten




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