Kultur
Schweizer des Jahres: Bloss kein Weltstar
Von Rico Bandle. Aktualisiert am 10.01.2011 32 Kommentare
Rico Bandle, Leiter Kultur & Gesellschaft baz.ch/Newsnet.
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Schweizer des Jahres
2010 Marianne Kaufmann und Rolf Maibach
2009 René Prêtre
2008 Eveline Widmer-Schlumpf
2007 Jörg Abderhalden
2006 Köbi Kuhn
2005 Peter Sauber
2004 Lotti Latrous
2003 Roger Federer
2002 Dr. Beat Richner
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2002 kürte das Schweizer Fernsehen erstmals einen «Schweizer des Jahres». Gewählt von den TV-Zuschauern via Telefon-TED. Der Sieger war: Beat Richner, Leiter des Kinderspitals in Kantha Bopha. Die Wahl erstaunte niemanden, Beat Richner gehörte schon lange zur eidgenössischen Prominenz, von der «Schweizer Illustrierten» und dem «Blick» unzählige Male auf das Titelblatt gehievt. Was man damals noch nicht wusste: Richner wäre wohl auch gewählt worden, wenn ihn zuvor noch niemand gekannt hätte. Denn, so zeigte sich in den darauffolgenden Jahren: Wer sich scheinbar selbstlos in ärmeren Weltgegenden engagiert, der ist bei der Swiss-Awards-Wahl kaum zu schlagen, egal wie bekannt die Person ist. Oder hat jemand zuvor je von Lotti Latrous, René Prêtre oder von Rolf Maibach gehört?
So ehrenhaft deren Engagement auch ist, weshalb ziehen die Schweizer weitgehend unbekannte Helferfiguren Weltstars wie Herzog & de Meuron, Joe Ackermann oder Marc Forster vor? Persönlichkeiten von internationalem Format können zwar durchaus in ihren entsprechenden Kategorien einen Preis gewinnen, geht es um den Hauptpreis, sind sie chancenlos. Einzige Ausnahme: Roger Federer. Der Basler geniesst mittlerweile den Status eines Nationalheiligen, bei ihm sind alle Regeln ausser Kraft gesetzt, 2003 wurde er zum Schweizer des Jahres gewählt.
Bestimmt kein Abzocker
Sonst gilt in der Schweiz: Erfolg ist suspekt, wer sich auf dem internationalen Parkett durchgesetzt hat, wird höchstens dann akzeptiert, wenn er den Attributen «bescheiden», «auf dem Boden geblieben», «zurückhaltend» entspricht. Ein väterlicher Formel-1-Patron, der der Konkurrenz über Jahre hinweg hinterherfährt, ist den Schweizern lieber als eine weltbeste Tennisspielerin mit einer ehrgeizigen Mutter, ein Schwingerkönig lieber als ein Oscar-Gewinner. Es gilt: Wenn schon erfolgreich, dann nur ein bisschen und nur nach den hiesigen Regeln.
Am sichersten bleibt die Wahl eines Helfers: Der ist bestimmt kein Abzocker, nicht arrogant, kaum karrierefixiert. Alles, was einen an den Erfolgreichen die Nase rümpfen lässt, kann hier ausgeschlossen werden. Nimmt man die Hörer in die Hand und ruft für 80 Rappen für einen Rolf Maibach oder eine Lotti Latrous an, so verspricht dies zudem ein wohliges Gefühl, wie in der Adventszeit eine 20er-Note in den Heilsarmee-Topf zu werfen. Man hat etwas Gutes getan! Und da sind wir bei einem weiteren Aspekt: dem Ablasshandel. Oder wie es der deutsche Publizist Henryk M. Broder kürzlich an einer Podiumsdiskussion sagte: «Die Schweizer schämen sich für ihren Wohlstand.» Einen im Ausland tätigen Schweizer Wohltäter auszuzeichnen, kann dieses Gefühl mildern. (baz.ch/Newsnet)
Erstellt: 10.01.2011, 12:57 Uhr
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32 Kommentare
Ein sehr guter Artikel. Gratulation! Die wahren Helden im Leben sind und bleiben die stillen Schaffer und Denker und eben nicht die Diplom – und Karrierejäger, Publicity Süchtigen, Abzocker etc, usw. Die wahre Intelligenz besteht nicht darin, nach Ansehen, Geld und Macht zu streben, sondern das Leben zu erleben. Antworten
Ich finde das ganze überhaupt nicht schlimm, schliesslich haben die Einwohner der Schweiz inkl. ihren Charaktereigenschaften die Schweiz zu dem gemacht was sie heute ist und ich bin weiterhin froh hier leben zu können. Wenn ich in die Welt hinausschaue sehe ich das Eigenschaften wie "bescheiden" usw.. immer noch sehr gut sind. Antworten
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Familie, Beruf und Studium
Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.










