Kultur

Spiel der Spinner

Von Michèle Binswanger. Aktualisiert am 14.06.2011 4 Kommentare

Kirsan Ilyumzhinov spielte am Wochenende eine Partie Schach mit Ghadhafi. Eine weitere Station in der bizarren Biografie des Welt-Schach-Präsidenten.

1/4 Diplomatisches Remis: Ilyumzhinov mit Ghadhafi beim Schach.

   

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Leider gibt es keine Aufzeichnung dieses Schachspiels zwischen Muammar al-Ghadhafi und Kirsan Ilyumzhinov, dem Präsidenten der Welt-Schach-Organisation (Fide) – wer weiss, welche psychologischen Schlüsse findige CIA-Agenten aus der Analyse der einzelnen Schachzüge des Tyrannen ziehen könnten. Ilyumzhinov liess gegenüber der russischen Radiostation Ekho Moskvy nur so viel verlauten: «Natürlich war er viel schlechter als ich – aber es war interessant.»

Hunderttausende Dollar in bar

Dass Muammar al-Ghadhafi eine reichlich bizarre Persönlichkeit ist, wussten wir. Doch Ilyumzhinov steht ihm diesbezüglich nicht nach. Der exzentrische Multimillionär amtete 17 Jahre lang als Chef der russischen Republik Kalmykia, wo er Schach zum Pflichtfach für Schüler erhob. Er ist bekennender Buddhist, versteht sich aber trotzdem prächtig mit allerlei Despoten. So besuchte er seinen «lieben Freund» Saddam Hussein 2003, um Schach zu spielen – kurz bevor die amerikanischen Streitkräfte Bagdad bombardierten. Er fühle eine enge Verbindung zu Saddam Hussein, gab er nachher zu Protokoll – auch wenn mit seiner buddhistischen Weltanschauung schwer zu vereinbaren sei, dass der Despot immer mal wieder foltere und unnötig Blut vergiesse. Auch mit Schachgenie Bobby Fischer ist Ilyumzhinov eng verbandelt. Fischer sei eine Ausnahmeerscheinung in der Geschichte der Zivilisation, in einer Reihe zu sehen mit Newton, Einstein und Kopernikus. 1995 besuchte Ilyumzhinov Budapest mit einer Tasche, in der sich mehrere Hunderttausend Dollar an Bargeld befanden. Das Geld händigte er Fischer aus – als Kompensation für fehlende Tantiemen, welche die Sowjetunion versäumt habe an Fischer zu entrichten für sein Buch «Meine sechzig denkwürdigsten Spiele».

Doch Ilyumzhinovs Netzwerk umfasst nicht nur wahnsinnige Erdlinge – auch mit Aliens will das Schach-Genie verschiedentlich konferiert haben. 1997 sei er auf einen Weltraumflug mitgenommen worden – und übrigens seien es auch die Ausserirdischen gewesen, die das Schachspiel erst auf die Erde gebracht hätten. Dies sei auch der Grund, warum er das mit den Despoten nicht so eng sieht. «Morgen werden die Aliens bei uns landen: Leute, ihr habt euch schlecht aufgeführt – dann werden sie uns von der Erde fortbringen.»

Nicht gerade brillant

Ilyumzhinov traf am Sonntag also Ghadhafi in Tripolis. Die beiden lernten sich im Jahr 2004 kennen, als die Schach-Weltmeisterschaften in Tripolis ausgetragen wurden. Nun kehrte er dahin zurück, um mit dem Tyrannen über den libyschen Konflikt zu diskutieren und eine Partie Schach zu spielen. Nach seinem Treffen klärte Ilyumzhinov die Medien auf, dass ihr Treffen keineswegs in einem Bunker, sondern in einem Regierungsgebäude stattgefunden habe, dass Ghadhafis Spiel nicht gerade brillant war – dass er zuweilen sogar an die Spielregeln habe erinnert werden müssen. Dennoch scheinen die beiden in eitler Minne auseinandergegangen zu sein. Ghadhafi habe ihm gegenüber keinerlei Absichten bekundet, Libyen zu verlassen, so Ilyumzhinov.

Der russische Chefunterhändler Mikhail Margelow weilte nach einem Treffen mit libyschen Rebellen vergangene Woche selber in Tripolis. Er habe Ilyumzhinov gebeten, Ghadhafi davon zu überzeugen, «sein Spiel zu beenden». Ob Ilyumzhinov dem Wunsch nachgekommen ist, darf bezweifelt werden. Auf einer Aufnahme für die Medien ist zu hören, wie Ilyumzhinov zu Ghadhafi sagt: «Es ist eine grosse Ehre, hier zu sein, zu sehen, dass sie sehr gut und gesund aussehen, denn viele Leute könnten… falsch informiert sein.» Zum Schluss des Spiels bot Ilyumzhinov Ghadhafi ein Remis an. «Es wäre nicht sehr diplomatisch gewesen, ihn verlieren zu lassen», begründete er den Zug. Der Mann weiss eben, welche Schachzüge wann anzuwenden sind. (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 14.06.2011, 16:02 Uhr

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4 Kommentare

Adrian Keller

15.06.2011, 06:39 Uhr
Melden 2 Empfehlung

Ob Mladic das Schachspiel wohl auch beherrscht? Antworten


andreas furrer

14.06.2011, 22:36 Uhr
Melden 1 Empfehlung

irgendwie ist das doch zumindest einfallsreich. (mit helikoptern und napalm kann jeder kommen - zu einem schachturnier gehöhrt eine prise humor). Antworten




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Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.