Kultur

Träume und Terror

Von Franziska Kohler. Aktualisiert am 01.12.2011 1 Kommentar

Emil im Knie, Hitzfeld beim FC Luzern und RAF-Mitglieder in Zürich: Die 70er-Jahre faszinieren noch heute. Der Schweizer Fotograf Emanuel Ammon lässt das Jahrzehnt in einem neuen Bildband Revue passieren.

1/19 Jung, wild und frei: Die Jugend der 70er schien Zukunftsängste nur vom Hörensagen zu kennen – ein verliebtes Paar während eines Krokus-Konzertes, 1978.
Bild: Emanuel Ammon

   

Der Fotograf: Emanuel Ammon (*1950) besuchte die Kunstgewerbeschule Luzern und fotografierte von 1975 bis 1984 für das «Luzerner Tagblatt». «70er Emanuel Ammon» ist sein sechster Bildband. (Bild: ZVG)

«70er Emanuel Ammon». Auf Deutsch. 256 Seiten. AURA Fotoagentur, 2011. ISBN-10: 3952337544. (Bild: PD)

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Die Atomkraftgegner marschieren friedlich durch die Strassen, mit Protest-Spruchbändern und Fackeln in den Händen. Atomstrom sei undemokratisch, unnötig, unverantwortlich, so ihre Überzeugung. Szenen, die heute, vor allem nach Fukushima, überall auf der Welt stattfinden könnten. Nur dass diese Szene nicht heute wurde, sondern Mitte der 70er-Jahre, an einer Kundgebung im Kanton Aargau. Zu sehen ist sie im neuen Bildband des Schweizer Fotografen Emanuel Ammon.

Die 70er: Waren sie wirklich so protestlerisch, wild und frei, wie es heute im kollektiven Gedächtnis verankert ist? Viele von Ammons Bildern leben tatsächlich von «Love, Peace and Happiness». Ein junges Paar wälzt sich knutschend auf dem schmutzigen Boden eines Konzertsaals. Meditierende suchen nach der Grundlage des Weltfriedens. Eine Wohngemeinschaft aus jungen Menschen sitzt in einem Kreis auf dem Boden, mit Birkenstocksandalen und Wollpullovern, die Kleinkinder in der Mitte.

Neben solchen Szenen zeigt «70er» aber auch die Spuren der RAF-Sympathisanten in der Schweiz oder den aufkommenden Protest gegen Atomkraftwerke. Denn Emanuel Ammon war damals stets am Puls der Zeit, er erlebte die 70er-Jahre als junger Fotojournalist mit. Von 1975 bis 1984 war er für das «Luzerner Tagblatt» tätig. Und so zeigt sein Bildband die Gegensätze zwischen einer scheinbar entfesselten Jugend, die Zukunftsängste nur vom Hörensagen kennt, und den dringlichen Problemen der damaligen Zeit auf. Passend zu diesem Gegensatz ist «70er» in Schwarzweiss gehalten, was in der damaligen Pressefotografie so üblich war.

Verklärter Blick in die Vergangenheit

Das Buch zeigt nicht nur Szenen aus dem Alltag, sondern auch bekannte Gesichter: Emil in der Manege des Circus Knie oder Ottmar Hitzfeld auf dem Spielfeld des FC Luzern beispielsweise. Ihre Namen sind immer noch präsent. Genauso wie viele grosse Ideen der damaligen Zeit, obwohl sich nicht alle durchsetzen konnten – die 70er-Jahre waren halt auch die Zeit, in der alles, was eben noch ganz normal war, prinzipiell infrage gestellt wurde. Nun ist der Blick in die Vergangenheit natürlich stets von Nostalgie verklärt. Wie wild, frei und einzigartig die 70er tatsächlich waren, darüber lässt auch der Bildband kein abschliessendes Urteil zu. Zumal Nostalgie ja die Sehnsucht nach der guten alten Zeit ist, in der man nichts zu lachen hatte.

Haben Sie die 70er erlebt? Welche Erinnerungen haben Sie daran? Kommentare bitte unten eintragen. (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 01.12.2011, 10:48 Uhr

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1 Kommentar

Alain Burky

01.12.2011, 11:49 Uhr
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Der Blick zurueck wird manchmal schoen gefiltert.
Ich mag mich aber auch gut an die Oelkrise und die damit verbundene Angst,
keine Stelle zu finden, erinnern.
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Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.