«Bei uns ist immer etwas am Köcheln»

Von Stefan Strittmatter. Aktualisiert am 09.11.2009

Ob als Backingband von internationalen Grössen, als Studiomusiker für Schweizer Sängern oder als Produzenten hinter den Reglern: Seit über zehn Jahren prägen die Scrucialists die Schweizer Reggae-Szene wie kaum eine andere Band.

Luc Montini (links aussen) und seine «Scrucialists» tourten mit international bekannten Künstlern wie Lady Saw, King Django, oder auch mit Acts wie Ward 21, Phenomden und den Baselbietern TAFS durch ganz Europa.

Matthias Willi

Wer Reggae mag und in der Schweiz lebt, kommt nicht um die Scrucialists herum. Das Quartett steht unter anderem hinter dem Erfolgsalbum von Phenomden und betourte schon mehrfach ganz Europa. Mit dem Studio «One Drop» haben Gitarrist Luc Montini, (33) und seine Bandkollegen ein Epizentrum für Reggae und Dancehall erschaffen.

BaZ: Luc Montini, was war Ihr bislang grösster Erfolg mit den Scrucialists?
Luc Montini: Dass es bei uns seit 13 Jahren immer bergauf geht: Jedes Jahr ist ein bisschen aufregender als das vorherige. Musikalisch: Europatourneen mit jamaikanischen Künstlern und das Salonfähig-Machen von Schweizer Reggae zusammen mit Phenomden, dessen Single «Stah Da» nonstop auf DRS?3 läuft.

Der grösste Tiefschlag?
Wir hatten zwei relativ kurzfristig abgesagte Europatourneen, das war bitter.

Ihre weiteste Konzertreise?
Ein Konzert in Barbados, wo wir unseren ersten Sänger besuchten, der von Basel auf die Insel gezogen ist.

Ihr grösstes Ziel als Band?
Wir wollen uns stetig verbessern, Neues bringen – nicht das Rad neu erfinden, aber die aktuelle Show soll sich von der letztjährigen abheben. Mein Ziel wäre es, einmal mit unserer Musik und unserem Studio so viel zu verdienen, dass ich davon leben kann.

Falls Sie den Basler Pop-Preis gewinnen: Wozu wollen Sie das Preisgeld von 15'000 Franken einsetzen?
Wir diskutieren zurzeit, wie das nächste Jahr unserer Band aussehen soll: Falls wir weiterhin so viele Konzerte spielen, wäre die Anschaffung eines Bandbusses sehr weit oben auf der Liste. Falls wir ein Album produzieren, würden wir das Geld ziemlich sicher dafür ausgeben.

Was halten Sie von Pop-Förderung?
Ich finde Pop-Förderung sehr wichtig, aber mir fällt auf, dass die Preise nur selten an Bedingungen geknüpft sind und so oft etwas ins Leere laufen. Ich finde, Geld sollte da eingesetzt werden, wo Sachen ermöglicht werden. Lieber 15?000 Franken einer Band geben, die damit was Richtiges auf die Beine stellt, als zehnmal 1500 Franken an Bands, die sich dann einen nicht ganz so guten Grafiker für ihr Albumcover leisten können.

Können Sie sich vorstellen, wieso Sie für den Pop-Preis nominiert wurden?
Wir haben bei einer der wichtigeren Produktionen des letzten Jahres massgeblich mitgearbeitet, Phenomdens Album «Gangdalang» und mit ihm sämtliche grossen Festivals der Schweiz bespielt. Wir waren mit Lee Everton auf kurzer Europatour und spielen Anfang November mit ihm in Japan. Im Studio produzieren wir Platten, die national Anklang finden (Famara, Elijah), sind so was wie einer der Dreh- und Angelpunkte in Sachen Reggae in der Schweiz. Darum glaube ich, dass auch Leute ausserhalb von Basel erkennen, dass bei uns immer etwas am Köcheln ist.

Pro und kontra eines Lebens als (zukünftiger) Profimusiker?
Kann ich so nicht sagen, ich hab noch nie als Profimusiker gelebt, ich muss arbeiten, um meine Miete bezahlen zu können, so mit richtem Job?…

Am 11.?11. wird bekannt, welcher Künstler den mit 15?000 Franken dotierten Basler Pop-Preis erhält. Bis dahin stellt die BaZ den fünf Nominierten die gleichen Fragen. Nebenher gibt es ein Internet­voting für den Publikumspreis. (Basler Zeitung)

Erstellt: 09.11.2009, 12:36 Uhr

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