Kultur

Bibliothek der Zukunft: Selbstzerstörende Buchdateien

Von Rico Bandle. Aktualisiert am 02.04.2009

Die Zukunft der Bibliotheken ist virtuell. Schon jetzt experimentieren einige Schweizer Bibliotheken mit elektronischen Büchern zum Herunterladen. Nach der Ausleihfrist zerstören sich Dateien selbst.

Am 15. Mai begann in St. Gallen ein neues Bibliothekszeitalter. Erstmals in der Schweiz konnte man Bücher virtuell ausleihen. Rund 500 Bücher und Zeitschriften werden seither pro Monat über diesen Weg ausgeliehen. Das ist noch nicht viel – doch noch ist man in der Testphase.

Wie bei einer herkömmlichen Bibliothek kann man auf dem Netz nur dann ein bestimmtes Buch ausleihen, wenn einem noch niemand zuvorgekommen ist. Bei der St. Galler Bibliothek ist von jedem Buch ein Exemplar verfügbar, vom Nachrichtenmagazin Spiegel gibt es zwei.

Fachbücher und Ratgeber beliebt

Nach sieben Tagen wird die Buchdatei auf dem heimischen Computer unlesbar, erst dann steht der Titel für die anderen Nutzer wieder zur Verfügung. Ohne diese künstliche Einschränkung gäbe es bald keinen Grund mehr, Bücher zu kaufen - beziehungsweise die Verlage würden die Bücher für die Ausleihe nicht freigeben.

«Ausgeliehen werden vor allem Bücher, die man nicht von vorne bis hinten durchliest, also Fachbücher und Ratgeber», sagt Kantonsbibliothekar Cornel Dora, der Verantwortliche für die Digitale Bibliothek St. Gallen. Da nehmen die Leser offenbar in Kauf, auf dem Computerbildschirm zu lesen. Bei Sachbüchern hat die elektronische Form gegenüber der gedruckten Ausgabe sogar einen Vorteil: Man kann nach Stichworten suchen und so die gewünschte Textpassage rasch finden.

«eBook-Durchbruch dank Bibliotheken»

Doch auch für Romane könnte die virtuelle Ausleihe interessant werden. Nämlich dann, wenn man sie auf elektronische Lesegeräte übertragen könnte, die ähnliche Lese-Eigenschaften aufweisen wie Papier. Das funktioniert aus rechtlichen Gründen noch nicht. Überhaupt ist das Angebot an Romanen noch sehr klein; wohl zu recht fürchten die Belletristik-Verlage, dass der Kopierschutz ausgehebelt wird und sich die Bücher als Raubkopien verbreiten.

Alle Schweizer Bibliotheken mit einem Download-Angebot beziehen ihre Medien von der Divibib GmbH in Wiesbaden. Neben dem St. Galler Verbund sind das die Bibliotheken in Burgdorf und Zug, bald soll auch Liestal folgen. Christian Hasiewicz, der Bibliothekarische Direktor von Divibib, glaubt, dass die öffentlichen Bibliotheken für die gesamte Branche eine entscheidende Rolle spielen: «Seit Jahren spricht man von eBooks, die öffentlichen Bibliotheken könnten ihnen nun endgültig zum Durchbruch verhelfen.» (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 02.04.2009, 22:37 Uhr


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