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«The Vampire Diaries»

Bisshemmungen im Kunstnebel.

Die schöne Elena (Nina Dobrev) lebt gefährlich in «Vampire Diaries».

Die schöne Elena (Nina Dobrev) lebt gefährlich in «Vampire Diaries».

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«The Vampire Diaries»: Mi, 21.15 Uhr, Pro 7. Noch nicht auf DVD erhältlich.

Es ist nicht leicht, Vampir zu sein, schon gar nicht in der High School von Mystic Falls, Virginia. Alle Schüler knutschen, fummeln und simsen, was das Zeug hält; manche schrecken nicht einmal vor Alkohol, Drogen und Sex vor der Ehe zurück. Nur Stefan Salvatore (Paul Wesley) steht ernst und traurig abseits und muss sich diskriminierende Pöbeleien gefallen lassen: «Du gehörst nicht hierher.» Seine coole Schwermut kommt nicht von ungefähr. Stefan ist ein paar Hundert Jahre älter und reifer als die kichernden Teenies, und wenn Elena (Nina Dobrev), der Schwarm aller Jungen, am Bein blutet, muss er schleunigst verschwinden.

Dabei muss dieser Vampir den Blick in den Spiegel nicht scheuen: Seine schwarz umflorten Augen und Grübchen erinnern an den jungen Robbie Williams, der kantige Quadratschädel freilich eher an Frankenstein Boris Karloff. Er lebt brav bei seinem Onkel, glänzt im Geschichtsunterricht mit uraltem Erfahrungswissen vom Bürgerkrieg und beherrscht seinen Trieb mit übermenschlichem Heroismus. Mädchenblut steht nicht auf seinem Speiseplan, auch wenn die vegetarische Ernährung (Eichhörnchen und Kunstblut) ihm den letzten Nerv und allen Biss raubt.

Im Zweikampf gegen seinen bösen Bruder Damon (Ian Somerhalder) hat er keine Chance, wohl aber bei der schönen Elena. Sie versteht ihn, wenn er «Die 90er-Jahre waren nicht auszuhalten» seufzt. Beide haben ihre Eltern verloren, beide ziehen sich zum Tagebuchschreiben gern auf den Friedhof zurück. Wenn die Krähen auf den Gräbern krächzen und der Kunstnebel silbern im Mondlicht wallt, finden sich zwei verwandte Seelen.

«Vampire Diaries», die neue Serie, mit der sich nun auch Pro 7 ein Stück vom Vampir-Kuchen abbeissen will, ist trotz vieler Parallelen mehr als ein billiger Abklatsch von «Buffy» oder «Twilight». L. J. Smith schrieb ihre Tagebuch-Saga bereits 1991, lange bevor Stephenie Meyers Teenie-Beisser das Tageslicht der Bestsellerlisten erblickten.

Auch Hexen, Drachen und Werwölfe sind nicht mehr, was sie einmal waren. Aber am meisten von ihrem Schrecken haben doch die alten Vampire eingebüsst. Der «muffige, verrottete Vampir», analysiert ein Experte im «Spiegel», wird in Zeiten der Krise vom familienfreundlichen, starken Beschützer à la «Twilight»-Vampir Edward Cullen abgelöst: Perfekte Schwiegersöhne, die nicht mehr beissen und saugen, nur noch romantisch schmachten und brüderlich helfen wollen.

Vampir Damon aus den «Vampire Diaries» ist dagegen noch ein unartiger Schulschwänzer und klassischer Mädchenvernascher. Zum Glück verkraften die Schüler von Mystic Fall die Amokläufe der Untoten erstaunlich gut. Wird ein zickiges Mädchen oder Mauerblümchen im Wald zerbissen und zerfetzt, hört man auf dem Campus nur ein kurzes Kreischen («Oh mein Gott!»), und schon geht das Leben mit Party und Petting weiter. Nur Elena und ihr Vampir haben nichts als ihre Liebe und ihre Tagebücher für ihren Kummer. Wer «ewig leben, ewig lieben» (Serienmotto) will, ist in diesem Alter ziemlich einsam und unverstanden. Auch wenn er gar kein richtiger Vampir, sondern nur der blutleere, lausig synchronisierte Klon eines Mythos ist. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 09.02.2010, 16:28 Uhr

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