Kritik an Basels Kulturpolitik
Von Mischa Hauswirth. Aktualisiert am 28.10.2009
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Eigentlich bevorzugt er die Stilmittel der Ironie und Anspielung lieber als das direkte Spiel auf den Mann. Doch jetzt sieht Wolfgang Bortlik keine andere Möglichkeit und mischt sich in die Debatte um die Hausbesetzung am Rüchligweg in Riehen ein. Die Gruppe, welche die Häuser besetzte, demonstrierte am Freitagabend für mehr Freiraum und selbst verwaltete Kultur (die BaZ berichtete). «Die Politiker müssen sich nicht wundern, wenn Kulturschaffende sich leer stehende Räume holen. Die Stadt nimmt dieses Bedürfnis nach kulturellem Wildwuchs viel zu wenig ernst», sagt Bortlik. «Basel tut alles für die etablierte, anerkannte Kultur und nichts für jene, mit denen sich kein direktes Geld verdienen lässt. Dabei zeigen Beispiele aus anderen europäischen Städten, dass eine Boheme eine Stadt erst attraktiv und lebenswert macht – gerade auch für gutverdienende Zuzüger.» Als jüngstes Beispiel nennt der national bekannte Autor die Van-Gogh-Ausstellung, die als Giga-Event zelebriert wurde. «Und gegen die Leute, die für einen kulturellen Freiraum einstehen, geht man mit der Polizei vor», so Bortlik.
Kein Platz mehr
In seinem diesen Herbst erschienenen Krimi «Fischer hat Durst» hat der in Riehen lebende Autor die Konflikte wie jüngst am Rüchligweg vorweggenommen: Im vierten Bortlik-Buch wollen Grossinvestoren das Hafenareal einer Stadt am Rhein für grosse Projekte nutzen – doch dort haben sich Bands, Künstler, Punks und schräge Kulturvögel einen Ort geschaffen, wo «die letzten Kulturabenteuer» möglich sind. Doch weil «die Metropole auf die Industriebrache kommt», muss diese Basiskultur weg. Es ist kein Platz mehr für jene Kunstbewegung, deren Bilder, Installationen, Bücher und Musik nicht in den Cüplibars diskutiert werden. Ohne dass die Stadt Basel genannt wird, ist schnell klar: Es geht um Basel, auch wenn das Problem etlichen europäischen Städten bekannt sein dürfte.
«Wichtig ist, dass eine Stadt Räume zur Verfügung stellt», sagt Bortlik. Für ihn sind die neuesten Hausbesetzerpartys ein «unmissverständliches Signal eines Mangels». Die Stadt wird nicht zum ersten Mal damit konfrontiert: Stadtgärtnerei, Kaserne, Bell-Areal, Erlenmatt – um nur einige Brennpunkte der Vergangenheit zu nennen. Bortlik: «Wenn die Politik diese Leute immer wie Schwerkriminelle behandelt, so zeigt das die Wertschätzung, die Basel der nicht etablierten Kunst entgegenbringt.»
Politisch gefärbt
Im Krimi «Fischer hat Durst», der an einen Rock-’n’-Roll-Song erinnert – schnell, gefühlsstark, rhythmisch –, versucht Protagonist Melchior Fischer als Alt-Rocker, erfolgloser Schriftsteller und geschiedener Gelegenheitsarbeitsloser, Ordnung in sein Leben zu bringen. Doch er gerät in einen gefährlichen Strudel; Ereignisse rund um die geplante Hafenüberbauung mit Shoppingtempel, Event-Schuppen und Hallenstadion überschlagen sich. Und ein Mörder schneidet Ohren ab.
Bortlik spielt in diesem vielschichtigen und lesenswerten Roman mit dem Genre des Krimis und lässt das kulturpolitische Motiv deutlich durchschimmern: Politiker sind am Konflikt mit den Hausbesetzern schuld. (Basler Zeitung)
Erstellt: 28.10.2009, 15:07 Uhr
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