Kultur
Lassen wir die Kultur in Basel nicht «verdürren»
* Pascal Pfister ist Vizepräsident der Jungsozialist/innen Basel-Stadt.
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Welche Kultur braucht Basel?
Die Beiträge zur Kultur in Basel erscheinen in loser Folge und sollen eine Debatte entfachen, in die sich alle Leserinnen und Leser einmischen können und sollen – etwa in der Kommentarfunktion weiter unten.
Kultur hat in Basel zu Recht einen hohen Stellenwert und verschafft der Stadt eine Strahlkraft weit über die Landesgrenzen. Das ist gut so. Reden wir von Kulturpolitik, dann geht es um die staatliche Förderung von Künstler/innen und kulturellen Institutionen. Was soll deren Rolle sein? Zunächst stellt sich aber die Frage: Was soll Kunst? Einfach gesagt: den Geist anregen. Sie soll unterhalten, emotional bewegen. Aber auch Denkprozesse anregen, kritisch hinterfragen, herausfordern und der Gesellschaft den Spiegel vorhalten. Um Letzteres zu erreichen muss sie unabhängig sein.
Nun gibt es auf dem Kulturmarkt verschiedene Akteure: die Kultur-Konsumenten, Mäzene, private Stiftungen und den Staat. Es gibt Projekte, die tragen sich (fast) selbst. Sie haben kommerziellen Erfolg, weil sie ein breites Publikum ansprechen, das bereit ist, für den Genuss und die Anregung zu zahlen. Oder weil ein Mäzen an ihnen Gefallen findet und sie tatkräftig unterstützt. Es gibt Projekte, die neue Wege gehen, Projekte, die verstören. Sie erreichen leider selten ein grosses Publikum. Trotzdem sind sie wichtig. In der aktuellen kulturpolitischen Diskussion gibt es Stimmen, welche die Nachfrage nach einer bestimmten kulturellen Leistung vermehrt zum Entscheidungskriterium für die Verwendung von Steuermitteln machen wollen (vgl. Beitrag von Baschi Dürr).
Damit bin ich nicht einverstanden. Der Publikumszuspruch ist kein abschliessendes Kriterium für die Qualität von Kunst. Klar: Kultur braucht Publikum. Aber ein rein quantitativer, ökonomisierter Ansatz kann nicht der Massstab für die staatliche Förderung sein. Damit würde kritische und unbequeme Kunst verunmöglicht. Der Staat soll gerade die Institutionen und Projekte fördern, die neue Wege gehen und damit unter Umständen kommerziell scheitern. Solche Projekte garantieren nämlich, dass Neues entsteht. Sie garantieren, dass die Kunst nicht austrocknet und zu einem verstaubten Relikt wird. Es braucht staatliches Risikokapital.
Als Jungsozialist sind mir natürlich auch die Jugendkultur, der Nachwuchs und die junge Kunst ein Anliegen. Hier wird experimentiert und die Kunst neu erfunden. Hier sollte deshalb ein Schwerpunkt der staatlichen Förderung gelegt werden. Auch private Initiativen mit kommerziellem Charakter und etablierte Institutionen sind eine Bereicherung für die Stadt. Für sie soll der Staat aber vor allem gute Rahmenbedingungen bieten und den Projekten keine Steine in den Weg legen. Verstehen wir uns richtig: Ich will keine Staatskultur. Der Staat soll Mittel und Räume zur Verfügung stellen, auf die Inhalte aber keinen Einfluss nehmen (solange sie nicht menschenverachtend sind). Eine solche gängelnde Kulturpolitik wäre nicht besser als eine rein privatwirtschaftlich organisierte Kunstwelt, wie sie in den USA gang und gäbe ist. Kunst muss unabhängig sein: vom Staat, aber eben auch von jener Macht, die Geld bedeutet. (Basler Zeitung)
Erstellt: 24.11.2009, 13:27 Uhr
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