Kultur
«Aida war nicht Liebe auf den ersten Blick»
Von Julia Voronkova (Interview) und Joël Gernet (Video). Aktualisiert am 01.10.2010 1 Kommentar
Gewieft: Die Moderatorin Sandra Studer braucht nur einen Tag, um ihre Ansagen zu lernen. (Bild: Lucian Hunziker )
Übertragung
«Aida am Rhein», heute Freitag, 20.05 Uhr, SF1.
Während die Sänger ihre Schauplätze wechseln, interviewt Sandra Studer (41) Darsteller und Beteiligte. Der Moderatorin selber hat sich die Aida-Oper nicht auf Anhieb erschlossen.
Sie haben schon die Produktionen von «La Traviata» in Zürich und «La Bohème» in Bern moderiert. Nun führen Sie durch «Aida». Welche der Opern gefällt Ihnen am besten?
«La Traviata» und noch mehr die «Bohème» sind Opern, die ich schon immer heiss geliebt habe. «Aida» war hingegen keine Liebe auf den ersten Blick. Irgendwie hatte ich immer ein bisschen Distanz zu ihr, vielleicht weil sie immer als Spektakel genutzt worden ist, überall, wo man Massenauflauf brauchte. Ich habe sie lange als etwas platt empfunden. Doch jetzt, während der Vorbereitungszeit für «Aida am Rhein», habe ich mich in die Musik verliebt. Heute berührt sie mich umso mehr. Es ist, als ob man sich in einen Menschen nicht auf den ersten, sondern erst auf den zweiten oder dritten Blick verliebt. Dann wundert man sich, was da mit einem passiert ist und wie die Empfindung zu einem Werk sich ändern kann.
Sie probten gestern zum ersten Mal für Ihre Moderation. Wie sah Ihr Tag aus?
Zuerst bin ich mit Regisseurin Nadja Zonsarowa einzelne Moderationspositionen durchgegangen. Gemeinsam haben wir besprochen, wo ich während der Szenen am besten stehe. Sollte bei den Sängern etwas schief gehen, würde ich einspringen. Deshalb muss immer eine Kamera in meiner Nähe sein. Die Kameraführung der Regisseurin ist sehr dynamisch, was mir gefällt. So muss ich mich oft drehen, damit sie viel von der Umgebung zeigen kann. Am Nachmittag war die technische Probe, da stand ich ein erstes Mal vor der Kamera.
Wie bereiten Sie sich für so eine Liveproduktion vor?
Ich muss das Werk gut kennen und viel über die Produktion wissen, einerseits damit ich die Moderationen schreiben kann, andererseits könnte es ja einen technischen Ausfall geben. Das hoffen wir natürlich nicht, aber trotzdem muss ich vorbereitet sein. Ich würde die Zeit mit einer Moderation überbrücken. Deshalb muss ich sehr gut über die Inszenierung informiert sein.
Stehen die Ansagetexte schon fest?
Die Rohfassung ist fertig. Nun müssen wir schauen, ob die Texte zu den Moderationsmomenten passen.
Dann haben Sie ziemlich wenig Zeit, um die Texte zu lernen.
Ich lerne nie früh auswendig. Heute werde ich das erste Mal zu lernen beginnen.
Sind bei «La Traviata» oder «La Bohème» Pannen passiert?
Fernsehtechnisch ist Gott sei Dank nie etwas Schlimmes passiert. Bei der «Traviata» im Hauptbahnhof war es allerdings nicht ganz einfach zu moderieren. Ich habe die Oper praktisch mitten im Publikum präsentiert. Da ist zum Beispiel ein Zuschauer während einer Moderation auf mich zugekommen und hat mit mir geredet. Er wollte wissen, ob er die Moderationskarten, die ich in der Hand hielt, haben könne. Und ich musste mich konzentrieren und weiterreden – das war schon eine Herausforderung.
Was wird bei «Aida» im Vergleich zu den beiden letzten Opern anders sein?
Meine Rolle ist sehr stark die eines Beobachters: Ich führe Gespräche und leite die Making-of-Elemente ein. Ich bin also eine Art Bindeglied zwischen der Musik und dem Publikum zu Hause. Alles in allem bin ich aber gar nicht so wichtig. Im Mittelpunkt stehen die Sängerinnen und Sänger. Ich habe einen Riesenrespekt vor ihrer Leistung. Es ist kalt, sie hören das Orchester nur über einen Kopfhörer und müssen auch noch in dieser ungewohnten Umgebung singen.
Werden Ihre vier Kinder auch zuschauen?
Sie werden zwar nicht in Basel sein, aber sie werden sicher in die Sendung reinschauen. Meine beiden Ältesten reden heute noch von der «Traviata»; sie waren damals am Bahnhof und haben die Oper live verfolgt. (Basler Zeitung)
Erstellt: 01.10.2010, 15:31 Uhr
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1 Kommentar
Es war ein Ohrenschmaus:Ausgezeichnete Sänger und zugleich Schauspieler; technisch gut ausgeklügelt ; die ganze Handlung in unsere Zeit versetzt ; nur schade konnte das Publikum nichts von der dramatischen Musik mitbekommen. Ich vermute, wie der Kapitän auch, dass sich Verdi in seinem Grab umgedreht hätte und sogar vielleicht neugierig mitgesehen und mitgehört hätte!!??!! Antworten
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