Kultur
«Bangkok Hilton»
Von Simone Meier. Aktualisiert am 09.02.2010 1 Kommentar
Da stand die Kidman noch in voller Blüte: «Bangkok Hilton», 1989.
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«Bangkok Hilton» auf DVD, z. B. via Amazon.co.uk (Ländercode 2), ca. 22 Fr.
Es war irgendwann im April oder Mai 1990, ich war Aupair in London, bei einem steinreichen, steinkonservativen älteren Ehepaar, so richtig mit Villa und Margaret Thatcher als Freundin. Eine befremdliche Welt. Wir fanden uns selten, aber es gab drei Montagabende, da sassen wir in unseren unterschiedlichen, weit voneinander entfernten Fernsehzimmern, schauten genau das Gleiche und trafen uns danach im Treppenhaus, um gemeinsam von «ihr» zu schwärmen. Von einer 22-jährigen australischen Schauspielerin mit rotblonden Locken, in Europa noch recht unbekannt, in ihrer Heimat seit 1983 ein erfrischender Nachwuchsstar.
An den drei legendären Montagabenden spielte sie in der australischen TV-Serie namens «Bangkok Hilton» von 1989 mit. Sie war damals schon aussergewöhnlich gross, aber lange nicht so dünn und botoxstarr wie heute, sondern auf neurotische Art interessant, mit einem sehr beweglichen Gesicht und einem Körper, der an ein staksendes Fohlen erinnerte. In ihrer Rolle hiess sie Katrina Stanton. Im richtigen Leben Nicole Kidman.
Erfunden hat Katrina Stanton der ansonsten unbedeutende australische TV-Regisseur und Drehbuchautor Ken Cameron, und der jagt seine Heldin durch derart harte Prüfungen, wie es seither mit der Kidman nur Lars von Trier in «Dogville» überhaupt noch gewagt hat.
Katrina Stanton ist nämlich eine ziemlich wohlhabende australische Erbin, so weltfremd aufgewachsen, dass sie zu einem recht unhöflichen Autismus neigt und sich bei einer Reise nach London - sie sucht ihren verschollenen Vater - auch sofort und naiv in einen hinterhältigen Drogendealer verliebt. Dank seiner fiesen Verpackungskünste wird sie in Bangkok, wo ihr Vater jetzt lebt, auf dem Flug- hafen wegen Heroinschmuggels verhaftet und ins schlimmste aller Gefängnisse geworfen, das vollkommen verkommene und überlaufene «Bangkok Hilton» eben. Sie erlebt, wie ihre engsten Gefängnisgspäändli hingerichtet werden, und stirbt selbst beinahe, doch ihr Vater, eine versoffene Ruine von einem Mann (Denholm Elliott), versucht nun, sie mithilfe ihres blonden Anwalts (Hugo Weaving) zu retten. Es kommt zu einem Finale mit Action, Spannung und ein bisschen Erotik, und all das ist unterlegt mit ziemlich penetranter, softpornografischer 80er-Jahre-Synthesizermusik.
Die Bezugsmöglichkeiten von «Bangkok Hilton» können wir hier leider nur ungefähr darstellen, es gibt nämlich ganz verschiedene DVD-Fassungen aus Australien, England, Schweden, Russland oder Ungarn, die Spielzeit der drei Folgen beträgt je nach Abmischung zwischen 210 und 270 Minuten. Und wehe dem Cutter, der die Serie so grausam für Wide-Screen-TV am unteren und oberen Bildrand zurechtgeschnippelt hat!
Man kann also den Erwerb von «Bangkok Hilton» mit ganz reinem Gewissen nur Nicole-Kidman-Fans empfehlen oder Ex-Fans, die ob der anhaltenden Verwandlung einer gross- artigen Schauspielerin in ihre eigene Wachsfigur vom Glauben abgefallen sind. Sie werden hier ihr Idol in einer wirklich tollen Performance erleben und so naturbelassen, wie man die Kidman in unseren Kinos noch nie gesehen hat. Eine wunderbare Trouvaille.
(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 09.02.2010, 16:22 Uhr
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1 Kommentar
Diesen Thriller mit 'unbelievable good looking' Nicole Kidman sollte man sich auf gar keinen Fall entgehen lassen! Wer Bangkok kennt, die schwüle Hitze, den Dreck, den Kontrast zu alle dem mit den gestylten Thais in dieser pulsierenden Weltmetropole zwischen Tradition und Moderne, fühlt mit, ist mitten drin. Dank sophisticated Mister Cameron! Kaufen und Anschauen ein MUST! Antworten
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