Kultur
DRS-3-Moderator geht aufs Schweizer Fernsehen los
Von David Vonplon. Aktualisiert am 13.11.2008 24 Kommentare
«SF liess ehrverletzende Aussage einfach unwidersprochen stehen»: Radiomoderator Peter Walt.
«Bei ‹Puls› stehen die menschlichen und fachlichen Aspekte von Gesundheit und Krankheit vor den ökonomischen und gesundheitspolitischen Fragen», heisst es im Sendungsporträt von «Puls», dem Gesundheitsmagazin des Schweizer Fernsehens. Man wolle die Eigenverantwortung der Patienten fördern. Doch stehen die Anliegen des Patienten tatsächlich im Mittelpunkt der Sendung?
Peter Walt, Radiomoderator bei DRS 3, stellt diesen Anspruch vehement in Frage und knöpft sich in seinem Weblog seine SRG-Kollegen vom Fernsehen vor. Walt wurde letzten Montag in einem Beitrag von «Puls» porträtiert. Nach seinem Auftritt im Schweizer Fernsehen ist für ihn klar: Die Sendung seiner Kollegen vom SF ist «lieber Fürsprecher der Pharmalobby als Anwalt der Patienten». Der Medienprofi wirft den Sendeverantwortlichen Faktenverdrehung und tendenziöse Berichterstattung vor.
Als «unwissenden Patienten» vorgeführt
Walt ist Diabetiker. Er gehört zu jenen wenigen Menschen, die das biotechnologisch hergestellte Humaninsulin nicht vertragen und sich weiterhin tierisches Insulin spritzen. Vor laufender Kamera habe er seinen Fall in aller Ausführlichkeit ausgebreitet, auch die intimsten Details, um schliesslich zu merken: «Der Service Public verdreht die Fakten aufs Gröbste.» Im Beitrag habe man ihn zusammen mit zwei weiteren Diabetikern als «unwissenden Patienten» vorgeführt, die man dringend «in eine Schulung» schicken müsse, wie der in die Sendung eingeladene Arzt dozierte.
Walt will sich das nicht bieten lassen: «Eine Frechheit, dass das Schweizer Fernsehen eine solch ehrverletzende Aussage einfach unwidersprochen stehen lässt», poltert er und spricht von einer «journalistischen Regelverletzung, die eigentlich nach einer Richtigstellung» verlangen würde. Für den DRS 3-Mann ist klar: «Ich musste im Bericht einfach herhalten als eine dieser fanatischen Minderheit von Diabetikern.»
«Bewusste Irreführung»
Was er in Vorgesprächen wie auch vor der Kamera mehrfach erwähnt habe, unterschlug der «Puls»-Journalist laut Walt: Dass er als gut informierter Diabetiker stets jenes Insulin bevorzuge, das ihm – bar jeglicher Ideologie – die grösstmögliche Sicherheit gebe. Dass unter den drei Diabetikern, die tierisches Insulin verwenden, auch ein Mediziner war, verschwieg das Schweizer Fernsehen ebenfalls. Für Walt eine «bewusste Irreführung»: Der Doktortitel hätte schlecht ins Bild von den drei Patienten gepasst, die den Umgang mit Diabetes nicht im Griff haben.
Das Schweizer Fernsehen hält die Vorwürfe des Radiokollegen nicht für berechtigt: «Der Beitrag ist aus unserer Sicht ausgewogen und inhaltlich korrekt», erklärt SF-Sprecher David Affentranger auf Anfrage.
Der «Puls»-Beitrag «Insulin -- das Jahrhundertmedikament», der am 10.11.08 auf SF ausgestrahlt wurde.
(baz.ch/Newsnet)
Erstellt: 13.11.2008, 20:10 Uhr
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