Kultur
Das Martin-Suter-Jahr
Von Philippe Zweifel. Aktualisiert am 12.09.2010
Film
«Der letzte Weynfeldt» läuft am Sonntag, 12. September um 20.05 Uhr auf SF 1. Regie: Alain Gsponer. Mit Marie Bäumer, Stefan Kurt.
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Es ist erst September, doch eines lässt sich über 2010 schon sagen: Es war das Jahr des Martin Suter. Zuerst strömte das Publikum ins Kino, um «Giulias Verschwinden» und «Lila, Lila» zu sehen – beides Filme, die auf Geschichten des Zürcher Autors beruhen. Dann dominierte Suter im Sommer mit seinem neusten Roman «Der Koch» wochenlang die deutschsprachigen Bestsellerlisten. Und auch der Jahresausklang wird von der Fantasie des 62-Jährigen begleitet: Eben feierte der Letzte Weynfeldt, eine weitere Suter-Verfilmung, Premiere.
Die Geschichte, die der Schweizer Regisseur Alain Gsponer für SF und ZDF inszeniert hat, handelt vom distinguierten Kunstexperten Adrian Weynfeldt, der sich in eine Betrügerin verliebt. Obwohl Weynfeldt ahnt, dass er ausgenommen wird, lässt er sich auf die junge, schrille Frau ein. Oder ist alles ganz anders, als es den Anschein hat? Ein Film, der auf einem Buch von Martin Suter basiert, kommt schliesslich nicht ohne überraschende Wendungen daher. Und so darf sich der Zuschauer auf eine saftige Schlusspointe freuen. Doch nicht die dramaturgischen Twists machten den Roman «Der Letzte Weynfeldt» aus. Vielmehr schlug einem die Geschichte durch ihren Ton in Bann: Melancholisch und ironisch zugleich wurde dem Leser Weynfeldts Leben, das von leiser Dekadenz geprägt ist, nahe gebracht.
Der singende Geri
Auch der Film versucht diese Atmosphäre zu erschaffen, doch was im Buch so hervorragend funktioniert, vermag auf der Leinwand trotz einer hervorragenden Leistung des Hauptdarstellers Stefan Kurt nicht wirklich zu berühren. Dank der spritzigen Dialoge und einer süffigen «Wer betrügt hier eigentlich wen?»-Handlung, wird man – vor allem für einen SF-Fernsehfilm – dennoch ausgezeichnet unterhalten. Geht man jedoch davon aus, dass grosses Kino nicht aus Worten, sondern Handlung und Bildern besteht, wünschte man sich andere Suter-Romane für die Leinwand. Zum Beispiel «Die dunkle Seite des Mondes», wo ein verstörter Banker durch die Schweizer Wälder irrlichtet und sich mit einem Jäger ein Duell auf Leben und Tod liefert.
Bis es so weit ist, kann man sich mit einer anderen Suter-Verfilmung trösten, die ebenfalls noch in diesem Jahr erscheinen soll: «Small World», eine von Suters ersten (und besten!) Geschichten. Der Alzheimer-Thriller erzählt von einem reichen Fabrikantensohn und seinem ärmlichen Freund, die ein dunkles Geheimnis aus Kindertagen verbindet. In der Hauptrolle der deutsch-französischen Co-Produktion steht niemand Geringerer als Gérard Depardieu. Auch im Dezember hat in Zürich das «Singspiel» «Geri» Premiere. Das Stück, für das Stephan Eicher die Musik beisteuert, basiert auf Suters Geri-Weibel-Kolumnen, die er einst für das «NZZ Folio» schrieb. Man darf gespannt sein, wie Hauptfigur Geri, ein Zürcher Möchtegern-Szeni, der keinen Fettnapf auslässt, sich singend auf der Bühne metzget. (baz.ch/Newsnet)
Erstellt: 03.09.2010, 10:48 Uhr
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