Gib uns diesen Stoff, Amazon

Alle reden von Netflix. Dabei hat Amazon den besseren Streamingdienst – aber die Schweizer bleiben aussen vor.

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Seriensüchtige, und davon gibt es immer mehr, haben oft die Qual der Wahl: Welcher Serie soll man seine knapp bemessene Freizeit opfern? Jede Woche spuckt irgendein Sender irgendwo auf der Welt eine tolle neue Produktion aus, die innert Tagen im Internet auffindbar ist. Allerdings setzt das Fremdsprachen- und Computerkennnisse voraus. Auch moralisch ist es heikel: Die Hersteller werden so nicht entschädigt.

Gross war deshalb der Rummel um den Start des Streamingdiensts Netflix, als dieser vor zwei Jahren seine synchronisierten oder untertitelten Waren endlich in der Schweiz anbot. Zwar gibt Netflix keine Zahlen bekannt, aber Schätzungen zufolge hat der Dienst hierzulande 180'000 Abonnemente verkauft. Das Angebot von Netflix Schweiz ist allerdings beschränkt, zum einen wegen fehlender Lizenzen (die neuste Staffel von «House of Cards» ist beispielsweise nicht verfügbar), zum anderen, weil gewisse Sender ihre Produktionen Netflix nicht zur Verfügung stellen (etwa die HBO-Serie «Game of Thrones»).

Nun drängt mit Amazon Prime seit 2014 ein weiterer Streamingdienst auf den Markt. Er hat ein riesiges Angebot, das mit Netflix mithalten kann. Ausserdem produziert Amazon inzwischen auch tolle Eigenproduktionen wie «Mad Dogs»: ein Survival-Drama über ein paar Touristen, die sich in Belize unabsichtlich mit Drogenschmugglern anlegen. Oder das grossartige «Transparent»: Die hochgelobte Serie erzählt die Geschichte eines 68 Jahre alten Politologie-Professors, der eines Tages beschliesst, offen als Frau zu leben. Und Woody Allens erste TV-Serie kommt ebenfalls bei Amazon heraus, genauso wie die What-if-Serie «The Man in the High Castle» sowie Spike Lees Gangsterdrama «Chi-raq» mit Samuel Jackson und Wesley Snipes. Viel Qualität also.

Der Amazon-Deal

Auch in Deutschland ist Amazon Prime schon vor zwei Jahren gestartet, alle Serien und Filme sind wahlweise in Deutsch oder im Original mit deutschen Untertiteln zu haben. Zahlen werden nicht veröffentlicht, es gilt jedoch als sicher, dass Netflix es mit seinem Monatsangebot von 7,99 Euro und zum Teil deutlich älteren Inhalten schwer hat, gegen den Amazon-Deal zu bestehen: Für 49 Euro im Jahr bekommt man rund 15'000 Serien und Filme sowie den 24-Stunden-Lieferdienst für im Onlineshop bestellte Bücher und andere Produkte.

Eine runde Sache – bloss: Amazon Prime ist in der Schweiz nicht erhältlich. Dass man das ganze Angebot des Streamingdiensts in der Schweiz nicht verfügbar machen will, ist verständlich: Für jeden Film muss Amazon Rechte und Lizenzen abklären. Für einen kleinen Markt, wie die Schweiz es ist, lohnt sich das kaum (obwohl: Netflix tut das ja auch). Doch wieso stellt Amazon besagte Eigenproduktionen nicht zur Verfügung? Wie es für eine US-Mega-Corporation Gepflogenheit ist, hat man keine Lust auf Erklärungen (auch dazu ist der Schweizer Markt wohl zu klein). Immerhin lässt Amazon auf Anfrage ausrichten, dass man «ständig daran arbeitet, den Service für die Kunden noch weiter auszubauen». Hoffen wir, dass dies bis im Herbst passiert ist – dann soll Woody Allens TV-Serie erscheinen. (baz.ch/Newsnet)

(Erstellt: 11.03.2016, 16:53 Uhr)

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