Kultur
Hitlers «andere Seite»
Aktualisiert am 11.01.2010 48 Kommentare
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Oliver Stone hat gestern vor den Medien sein neues Projekt präsentiert: Eine zehnstündige TV-Dokumentation über die Geschichte des 20. Jahrhunderts. «Oliver Stone's Secret History of America» soll das «tendenziöse» Geschichtsbild, das in US-Schulen und in den Medien vermittelt werde, korrigieren. Aufsehen erregt dabei vor allem jene Episode, in der sich Stone der «anderen Seite» Adolf Hitlers widmet.
«Menschen sind nicht entweder gut oder böse», so Stone. Heute komme Hitler vor allem die Rolle eines Sündenbocks zu. Dabei sei er das Produkt einer Ereigniskette gewesen. Doch vor allem in Amerika würden die Menschen die Zusammenhänge zwischen den beiden Weltkriegen nicht kennen. Überhaupt: US-Firmen wie General Motors und IBM seien massgeblich an der Finanzierung der NSDAP beteiligt gewesen. Und hätten die USA Hitler umbringen wollen, hätten sie das mit Leichtigkeit anstellen können.
Historische Gerechtigkeit
Freilich bleibt abzuwarten, was Stone unter «Sündenbock» genau versteht. Doch die moralische Entrüstung, die sich in Amerika gegen das Projekt bereits breit gemacht hat, scheint übertrieben. Mit Hitlers «anderen Seite» sind kaum seine Nettigkeiten zu Kindern und Tieren gemeint. Sondern sein Erfolg angesichts der vermeintlichen Ungerechtigkeit des Vertrags von Versailles oder der chronischen Hyperinflation und anderen existenzialistischen Bedrohungen.
Nichtsdestotrotz herrscht Alarmstimmung unter konservativen Amerikanern, in Blogs wird Stone bereits des Landes verwiesen. Zumal der dreifache Oscargewinner auch Stalin in ein anderes Licht rücken will: «Nicht als Helden, aber mit mehr Fakten.» Immerhin habe Stalin die deutsche Kriegsmaschine vehementer bekämpft, als jeder andere Zeitgenosse. Weiter sollen in Stones Film Mao Tse Dong und US-Präsident Harry Truman, der für die atomare Zerstörung von Hiroshima und Nagasaki verantwortlich war, «historische Gerechtigkeit» erfahren.
Den Filmemacher dürfte die Kritik kalt lassen. In den vergangenen Jahrzehnten hat er es sich zur Aufgabe gemacht, politische Kontroversen zu Kunst zu machen. Zuerst mit dem Vietnam-Drama «Platoon» und seiner vernichtenden Darstellung des Bankbusiness in «Wall Street», dann mit Filmen über Fidel Castro, Hugo Chavez, John F. Kennedy oder George Bush. (phz)
Erstellt: 11.01.2010, 13:04 Uhr
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48 Kommentare
@Pflieger und die getreuen Szientisten: Die hier ausufernd rekonstruierten staatspolitischen Geplänkel um die Intiation des 2.WW lenken von der populären und deshalb nicht minder wissenschaftlichen Legitimation der Allierten-Invasion ab: Hitler brach nicht nur den Friedensvertrag durch sein Aufrüstungsprogramm, Hitlers Terror-Regime beging auch einen bestialischen Völkermord. Antworten
Es ist schon interessant wie mit schon fast religiösem Eifer gegen ein Projekt gekämpft wird, das noch nicht einmal fertiggestellt ist. Vielleicht wäre jetzt eine gute Zeit, wieder denken zu lehren und zu lernen. Das betrifft nicht nur die Amerikaner. Auch hier höre ich nur noch Definitionen und selten eine saubere Erklärung. Das nenn ich Religion im weiteren Sinne und dies sollte verbannt werden. Antworten
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