Kultur
Köppel und Bischof im Land der Datenkäufer
Aktualisiert am 04.02.2010 42 Kommentare
Stiess auch auf Verständnis: Pirmin Bischof (links) bei Günther Jauch in «Stern TV».
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Auf allen deutschen TV-Kanälen wehte gestern die Schweizerfahne. Erst in den Nachrichtensendungen, zu später Stunde auch in den Talk-Shows. Auf ARD verteidigte «Weltwoche»-Chefredaktor Roger Köppel mit Vehemenz das Schweizer Bankgeheimnis, auf RTL erläuterte CVP-Nationalrat Pirmin Bischof seine Aussage, der Datenkauf Deutschlands sei «eine moderne Form des Banküberfalls» und auf 3sat durfte SVP-Nationalrat Christoph Mörgeli in einer auf Deutschland angepassten Version des «Club» einmal mehr über die Deutschen in der Schweiz reden.
Doch wie gehen die Deutschen mit den Schweizer Scharfmachern um? Werden die bloss herbeigeholt, um die Stimmung aufzuheizen? Weit gefehlt. Bei den Diskussionen um die gestohlenen Daten war hör- und spürbar, dass der Datenkauf auch in Deutschland nicht auf ungeteilte Zustimmung stösst. Günter Jauch fragte in «Stern TV» auf RTL gar: «Wer ist heute noch so bescheuert, Schwarzgeld in der Schweiz zu haben?»
Köppel in Angriffstimmung
Den Schweizer Vertretern wurde selbst dann aufmerksam zugehört, als sie mit schwerem Geschütz gegen die deutsche Regierung schossen. Roger Köppel meinte in der ARD-Sendung «Hart oder fair»: «Sie stiften mit gewaltigen Prämien Leute an, Recht zu brechen. (...) Das ist doch ein Skandal, meine Herren!» Dass die Schweizer Banken alles dafür täten, Steuerdeliquenten zu schützen, sei ein «ungeheuerlichen Vorwurf». Bloss einmal erntete Köppel Entrüstung, als er meinte, das einzige, was Deutschland einfalle, «ist exterritorial einen Überwachungsstaat aufzubauen, um seine Leute zu jagen». Der Widerstand gegen ihn nahm im Laufe der Sendung zu – am Schluss erhielt er aber von ungewohnter Seite Unterstützung: In vorgelesenen Publikumsreaktionen wurde deutlich, dass auch viele Deutsche Mühe mit dem Datenkauf haben.
Pirmin Bischof fragte bei «Stern TV»: «Soll es im Vertrauensverhältnis zwischen zwei Staaten zum Geschäftsmodell werden, dass eine Regierung sich mit Dieben einlässt?» Die Beziehung zwischen den Staaten interessiert in Deutschland allerdings weniger. Das Spannende an dem Fall Datenklau ist, dass es sich um ein Dilemma handelt: Was ist wichtiger, Kriminelle, die weit über 100 Millionen Euro am Fiskus vorbeischleusen, zu fassen oder rechtstaatliche Prinzipien einzuhalten? Als Köppel darauf aufmerksam gemacht wurde, dass das Schweizer Bundesgericht es bereits einmal zugelassen hat, gestohlene Daten zu nutzen, meinte er unter Gelächter des Publikums: «Ich bin der Letzte der sagt, dass die Schweizer Justiz nicht auch Fehler mache.» (rb)
Erstellt: 04.02.2010, 13:58 Uhr
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42 Kommentare
Danke an Roger Köppel und Primin Schwander! Das Bankkundengeheimnis schützt den Kunden, auch vor dem Staat. Dies mag in guten und freidlichen Zeiten nicht so relvant sein. Für mich ist es ein Freiheitsrecht. Schade, wenn damit MIssbruch damit betrieben wird, trotzdem gilt es diese Freiheit zu schützen und die Rechte und Gesetze zu beachten. Diese können ja Bedarf angepaast werden. Antworten
Einen haben sie noch vergessen, der unser tolles Bankgeheimnis auch noch verteidigen durfte. NR Schlüer war gestern bei Lanz im ZDF. echt peinlich! Was ich bedenklich finde, dass bei solchen Themen, auch schon nach der Minarett-initiative, die Schweiz immer durch die Extreme Rechte vertreten ist in diesen Diskussionen. vermittelt irgendwie ein falsches Bild unserer Politlandschaft. Antworten
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