Kultur

Köppel und die hochdeutschen Liberalen

Aktualisiert am 04.12.2009 91 Kommentare

Der hiesige Islamismus-Kritiker Roger Köppel verteidigte gestern das Minarettverbot in einer ARD-Talkshow. Er hatte einen schweren Stand, wurde wegen seines helvetischen Akzents verhöhnt - aber wusste sich zu wehren.

1/4 Köppel im Streitgespräch mit Michel Friedman (r.) und Wolfgang Bosbach (CDU).
ARD

   

«Wie fühlt man sich am Pranger der Intoleranz?», so die Eröffnungsfrage von Moderator Frank Plasberg an Roger Köppel. «Die Schweiz hat ein demokratisches Urteil gefällt und es steht niemandem zu, das zu kritisieren», antwortete der «Weltwoche»-Chef und verwies zu einem späteren Zeitpunkt auf unser ur-demokratisches Recht, anders zu entscheiden als die Regierung. Bei dieser Gelegenheit geisselte er auch die Uno und andere internationale Instanzen, die den Volksentscheid in Frage stellen.

Interessanterweise waren Köppels gestrige Gegner vor allem Liberale wie er selbst. Etwa der Generalsekretär des Zentralrats der Muslime in Deutschland, Aiman Mazyek (FDP). Er schlug vor, noch einen Volksentscheid abzuhalten: «Viele aufrechte Bürger sind zuhause geblieben, weil sie davon ausgingen, dass der Antrag sowieso abgelehnt würde.» Darob konnte Köppel nur den Kopf schütteln. Zuvor hatte er freimütig bekannt, bei der Volksabstimmung für das Verbot von Minaretten gestimmt zu haben und sich über «die Arroganz der Aussagen in der deutschen Presse» echauffiert. Warum diese sich in eine demokratische Entscheidung in der Schweiz einmische, fragte Köppel und bekam die Antwort vom Journalisten und CDU-Mitglied Michel Friedman: «Weil wir in einer globalisierten Welt leben und es um eine Frage geht, die alle angeht: die Religionsfreiheit.»

Strassenumfrage gab Köppel Recht

Köppel und der impulsive Friedman gerieten sich später nochmals in die Haare. Wobei Friedman die langsame Sprechart der Schweizer nachäffte worauf es für einen Moment ein wenig peinlich wurde. Doch nicht nur Friedman und Mazyek argumentierten gegen Köppel. Auch die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen-Bundestagsfraktion, Bärbel Höhn, kritisierte die Minarett-Entscheidung scharf. Einzig der Politiker Wolfgang Bosbach (CDU) verwies im Laufe der Diskussion immer wieder darauf, dass auch die Ängste der Menschen vor dem Islam ernst genommen werden müsste; wobei er selbst bei der Volksabstimmung mit Nein gestimmt hätte, wenn er Schweizer wäre: «Die Abstimmung verletzte Menschenrechte.»

Obwohl allein auf weiter Flur, ging Köppel nicht als Verlierer aus der Runde. Das lag auch an einer Strassenumfrage, die während der Diskussionsrunde eingeblendet wurde: Offenbar unterstützen viele Deutsche die Entscheidung der Schweizer. Dies deckte sich mit einer Beobachtung, die Roger Köppel in den Nutzerforen deutscher Mediensites, wie etwa «Spiegel Online», gemacht haben will. Dort hätten die meisten Menschen die Minarett-Entscheidung begrüsst, ganz im Gegensatz zu den in den Leitmedien veröffentlichten Kommentaren der Journalisten. (phz)

Erstellt: 04.12.2009, 06:07 Uhr

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91 Kommentare

Peter Muster

03.12.2009, 14:40 Uhr
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Die gestrige Sendung war intensiv. Hr. Köppel hat sich gut und sachlich "geschlagen". Die Rethorik, der Drive etc. der Teilnehmer und überhaupt der Diskussionsstil war schon tougher und angeregter als zB in der CH-Arena. War echt beeindruckend der Unterschied! Antworten


Daniel Gantenbein

03.12.2009, 14:02 Uhr
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Kann Roger Köppel nur gratulieren, er verteidigt unser ur-demokratisches Recht was man von der Classe Politique und dem Bundesrat nicht behaupten kann. Das Ausland hat sich nicht in unsere Abstimmungen einzumischen. Ich bin stolz, ein Schweizer zu sein, wir müssen für unsere Schweiz einstehen und nicht immer nur kuschen! Antworten




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