Kultur
«La Bohème» kostet SF weit mehr als eine Million Franken
Aktualisiert am 25.09.2009 2 Kommentare
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«La Bohème im Hochhaus»
Dienstag, 29. September, ab 20.05 Uhr auf SF 1 und HD suisse. DVD erhältlich etwa ab November.
Allein im künstlerischen Bereich sind 200 Personen involviert, 200 weitere sorgen für den reibungslosen Ablauf der Live-Übertragung am Dienstag im Schweizer Fernsehen.
Mit Zaungästen wird zwar gerechnet, so richtig geniessen wird man die Oper aber nur am Fernsehen können: Gesungen wird in Originalwohnungen im Gäbelbach-Quartier, während das Berner Symphonie Orchster (BSO) im 800 Meter entfernten Konsumtempel Westside musiziert.
23 Kameras sind im Einsatz, darunter eine Spidercam, die die ganze Front des Hochhauses «Block B» abfahren kann. Die Sendung kostet laut dem verantwortlichen Produzenten Christian Eggenberger «etwa gleichviel wie ein Fernsehfilm». In einem Interview aus dem letzten Jahr beziffert die damalige SF-Filmchefin Madelaine Hirsiger die Kosten für einen Fernsehfilm mit rund 1,8 Millionen Franken.
«Klingendes Hochhaus»
Die Idee, Giacomo Puccinis Oper über ein Grüppchen armer Künstler im «Ghetto» Gäbelbach zu spielen, entwickelte SF-Redaktionleiter Thomas Beck zusammen mit Eggenberger. Für Beck ist Puccinis Werk «eine Wohnoper», weil es von einer WG, einem Vermieter und einer Liebesgeschichte zwischen Nachbarn handelt.
Zu Becks Grundidee vom «klingenden Hochhaus» lieferte Eggenberger die Location, die er seit seiner Kindheit kennt. «In der Nacht leuchten die drei Blöcke des Gäbelbachquartiers wunderbar in der Landschaft», so Eggenberger.
Die Gegenwelt zur etwas heruntergekommenen Wohnsituation der Figuren bildet das schöne, vom Star-Architekten Daniel Libeskind entworfenen Shopping-Center Westside: Dort handelt der zweite Akt, auf dem Weihnachtsmarkt und im Café. Die Geschäfte und Restaurants «spielen» gleichsam mit - mit reduziertem Betrieb.
Wie schon bei der preisgekrönten Direktübertragung von «La Traviata» aus dem Zürcher Hauptbahnhof letztes Jahr wird die Aufführung kommentiert und mit Interviews in den Pausen angereichert. Für die zweisprachige Moderation sorgen Sandra Studer, Michel Cerutti und Alice Tumler.
Millisekunden-Arbeit
Seit Freitag arbeiten die Techniker fieberhaft an den Vorbereitungen des schwierigen Projekts. Auf die Frage, wo beispielsweise im überstellten, etwa 18 m2 kleinen Malatelier von Rodolfo die Kamera stehen werde, antwortete ein Kameramann auf dem Presserundgang: «Das möchte ich auch gern wissen».
Technisch sei die Herausforderung sogar noch höher als bei der Direktübertragung von «La Traviata», wurde an der Medienkonferenz am Freitag erläutert. Allein für die Synchronisation der 360 Tonspuren sind vier Regie-Teams im Einsatz.
Probleme macht insbesondere die Abgleichung von Bild und Ton, die unterschiedliche Übertragungszeiten haben. Bei den Sängern im Wohnblock muss aber das Spiel des Orchesters im Kopfhörer zeitgleich ankommen mit dem Bild des Dirigenten auf den Monitoren.
Stadttheaterteam verstärkt
Kostüme, Chor und die meisten Sänger stammen aus der Inszenierung des Berner Stadttheaters, für Regie und drei der Hauptrollen wurden aber gleichsam bildschirmtauglichere Leute angestellt. Die Regie übernimmt die deutsche Theater- und Opernregisseuse Anja Horst, die auf Inszenierungen für «bildungsferne» Schichten spezialisiert ist.
Von den vier Hauptdarstellern der Stadttheater-Besetzung hat nur Robin Adams als Marcello die strengen Kamera- und Knopf-im-Ohr-Tests bestanden. Die Mimi singt Maya Boog, Rodolfo wird von Saimir Pirgu und Musetta von Eva Liebau dargestellt; sie spielte vor zwei Jahren schon die Papagena in der SF-Direktübertragung von «Die Zauberflöte».
Das Schweizer Fernsehen wird sein damals begonnenes Engagement um die Popularisierung des Genres Oper weiterführen, sagte Produzent Eggenberger gegenüber der SDA. Für nächstes Jahr habe er schon ein Projekt in der Pipeline. (rb/sda)
Erstellt: 25.09.2009, 15:47 Uhr
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