Kultur

Lohnt es sich, für «10vor10» aufzubleiben?

Von Philippe Zweifel. Aktualisiert am 27.01.2011 112 Kommentare

«10vor10» steht wieder einmal in der Kritik. baz.ch/Newsnet hat die Sendungen der letzten Tage unter die Lupe genommen.

1/7 Die aktuellen «10vor10»-Moderatoren: Daniela Lager, Stephan Klapproth und Susanne Wille.

   

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10vor10-Skandale

Die Sendung war immer wieder Adressat von Beschwerden. Die drei grössten Skandale waren:

1992 zeigt man Ausschnitte von Brutalo-Pornos. Viele Zuschauer und der «Blick» sind entsetzt. Jürg Wildberger erhält einen schriftlichen Verweis und muss sich am nächsten Abend vor der Kamera entschuldigen.

1995 präsentiert Jana Caniga einen fiktiv-satirischen Blut-Porno-Beitrag. Im Abspann heisst es: «Nach einer Idee von Kurt Felix, Annet Gosztonyi, Roger Schawinski, Anton Schaller, Markus Gilli, Werner Vetterli, Alexander Niemetz.»

Zum ZKB-Amoklauf im Jahr 2004 wird ein von der Redaktion fingierter Abschiedsbrief des Täters gezeigt. Redaktionsleiter Klaus Vielei erhält einen Veweis.

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Vergangene Woche wurde bekannt, dass Eva Wannenmacher die Sendung «Kulturplatz» verlässt. Wer gedacht hat, dass die ehemalige «10vor10»-Moderatorin zu ihrer alten Wirkungsstätte zurückkehrt, hat sich getäuscht. Wannenmacher hält offenbar nicht mehr viel von «10vor10»: «Ich lese viel lieber Zeitungen oder schaue ins Internet, als mich am Fernsehen zu informieren. Was aber auch mit dem etwas gar leichtgewichtig gewordenen «10vor10» zu tun haben könnte.» Im «Tages-Anzeiger» war derweil von Branchenbeobachtern zu lesen, denen die Sendung «beliebig und unengagiert» erscheint.

Nun ist die Kritik an «10vor10» so alt wie die Sendung selbst. Wegen Primeur-Geilheit würden zu viele Fehler passieren. Die Sendung sei zu boulevardesk und hofiere die Wirtschaftsbosse. Auch über den Themen-Mix wird immer wieder gestritten (Kein Wunder, bei diesem offiziellen Sendungscredo: «Das Themenspektrum ist breit, der Aktualitätsbegriff weit.») Obwohl die Sendung eine gute Zuschauerquote hat, wird auch aus der SF-Chefetage alle paar Jahre wieder Kritik, oder zumindest der Wunsch nach mehr «Relevanz», laut.

Ist «10vor10» (einmal mehr) am Verludern? Wie wird gewichtet? Angesichts der jüngsten Kritik hat baz.ch/Newsnet die letzten Sendungen unter die Lupe genommen.

Mittwoch: Aufmacher ist Hu Jintaos Besuch bei Obama, der mit einem Korrespondenteninterview abgedeckt wird, das nichts Neues bietet. Die Inlandberichterstattung umfasst darbende Schweizer Läden an der Grenze zum Euro-Land sowie ein Stück über die nicht vorhandene Angst vor der Schweinegrippe - beides leichte Stoffe. Der Bericht über Immo-Aktien ist nur schwer verständlich. Der Beitrag über englische Internet-Bürgerdetektive ist interessant, aber halt ziemlich weit weg. Zum Wegzappen langweilig ist die Reportage über den Rotterdammer Hafen.

Donnerstag: Die Aktualität ist heute gut vertreten, mit den wieder aufgenommenen Ausschaffungen nach Nigeria hat man sogar einen Primeur. Weitere News-Themen: Pädophilen-Prozess in Zürich. Wie Doris Leuthard mehr Geld für den Verkehr auftreiben will, sowie ihr Kuhhandel mit den Uiguren. (Letzteres wurde dürr abgehandelt, ohne Mehrwert gegenüber den bereits bekannten Fakten). Softstoff des Tages ist der durchaus unterhaltsame Bericht über einen Schweizer Dreisterne-Koch, der in Portugal an einem Kochtreffen teilnimmt.

Freitag: Das grosse Thema ist heute unbestritten die Albisgütlitagung der SVP. Dass Hans Fehr zusammengeschlagen wurde, wird im Bericht gebührend, aber nicht reisserisch, aufgenommen. Auch mit dem Bericht über sinkende Jugendgewalt und die Zersiedelung der Schweiz (hübsch vom Helikopter aus gefilmt), stellt man Aktualitätsbewusstsein unter Beweis. Den Abschluss macht ein Beitrag über das Comeback des Swings, originell in Schwarz und Weiss anmoderiert.

Montag: Die Sendung beginnt mit einem Korrespondenteninterview zu den Anschlägen auf dem Moskauer Flughafen. Wie oft bei diesen Auftaktgesprächen, hat man die Informationen bereits vorher irgendwo gehört. Die inländischen Beiträge drehen sich um Schneider-Ammanns Wechsel vom Unternehmer zum Bundesrat, Drohungen gegen die SVP und den sinkenden Medikamentenumsatz. Nicht wirklich zwingende Stoffe, respektive zu brav abgehandelt. Die Soft-Zugabe ist ein Film über Teenie-Mütter, der an den Filmtagen in Solothurn läuft.

Dienstag: Wieder ein Auslandsthema zum Auftakt, allerdings ohne neue Informationen, Strategieexperte Stahel bestätigt, was man schon wusste. Dasselbe gilt für das Tinner-Buch und den Wikipedia-Beitrag. Der Abschlussbeitrag über eine Ländler-Truppe, die in Clubs auftritt, ist erfrischend.

Fazit: Boulevard-Kritik an «10vor10» scheint zu harsch. Sinn- und newsentleerte Beiträge über Prominente waren in den letzten Tagen nicht zu sehen. Sex oder Crime auch nicht. Die gewünschte Mischung aus News, Hintergrund und Emotionen stimmte. Bloss: Die Beiträge könnten mehr Biss haben, wirklich hartnäckige Interviews oder vertiefte Recherchen sind Ausnahmen. Anders gesagt: Man bringt die richtigen Themen, aber brav abgehandelt. Weiter fällt auf, dass zum Auftakt oft Korrespondenteninterviews gemacht werden, die man der «Tagesschau» überlassen könnte. Richtig stark ist die Sendung doch, wenn man rausgeht, auf den Bauernhof, in den Heli, in die Kanalisation. Ansonsten droht eine «Tagesschau +». In diesem Sinne sind die Schlussbeiträge zu loben; hier stellt man Originalität unter Beweis.

Generell bleibt das Gefühl, dass es «10vor10» schon ewig gibt. Dafür kann die Sendung zwar nichts - und dasselbe gilt ja auch für die «Tagesschau» - aber ein Infotainmentmagazin sollte hin und wieder aufgefrischt werden, nicht nur äusserlich, auch mit neuen Rubriken und Moderatoren. Womit wir bei einem weiteren Kritikklassiker sind: Hat «10vor10» den Anchorman, die Anchorwoman, die es verdient? Bleiben Sie für die Sendung auf - oder sollte «10vor10» mit der «Tagesschau» zusammengelegt werden? Meinungen bitte unten eintragen! (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 27.01.2011, 10:11 Uhr

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112 Kommentare

Bohle Romi

27.01.2011, 17:58 Uhr
Melden

Aufbleiben schon, aber nicht wegen «10 vor 10». Aber wegen: 21.45, ZDF, «heute journal». Wesentlich kompetenter und professioneller gemacht und vor allem ohne die lächerlichen Peinlichkeiten, die «10 vor 10» laufend bietet. Hier werde ich als Zuschauer ernst genommen ohne die stetige Selbstgefälligkeit der Moderatoren bei «10 vor 10». Von dieser Sendung habe ich mich schon lange verabschiedet. Antworten


marc keller

27.01.2011, 10:35 Uhr
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die zeit von 10vor10 ist vorbei. eine normale nachttagesschau genügt in der heutigen zeit vollkommen, das gute bei der abschaffung der sendung: es könnten weitere millionen eingespart werden. Antworten




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