Kultur
«Lost» endet mit metaphysischem Grauen
Von Philippe Zweifel. Aktualisiert am 26.05.2010 50 Kommentare
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Als vor sechs Jahren eine Maschine der fiktiven Oceanic Airlines in den Pazifik stürzte, war dies der Startschuss zu einer der bemerkenswertesten Serien der Fernsehgeschichte. «Lost» heisst die epische Angelegenheit – und der Name ist Programm: Unzählige Charaktere und mysteriöse Geschehnisse auf der Insel, wo die Überlebenden des Crashs strandeten, strapazieren Gehirnwindungen und Geduld des Publikums.
Was hat die Insel zu bedeuten? Sind die Passagiere dort in einer Art Vorhölle gefangen? Sind sie längst tot? In Blogs und Foren überbieten sich Fans und Journalisten seit Jahren mit kühnen Theorien und Erklärungsversuchen. Nach sechs Staffeln in sechs Jahren ist jedoch Schluss mit dem Schabernack. Am Sonntag sendete der US-Sender ABC die letzte «Lost»-Folge.
Hoffen aufs Finale
Eine TV-Serie zu Ende zu bringen, ist stets heikel. Weil das Publikum die Charaktere nur ungern ziehen lässt. Vor allem aber weil es einen Haufen Zeit investiert hat. Fällt der Schluss unbefriedigend aus, fühlen sich die Zuschauer betrogen. Im Fall von «Lost» war die Ausgangslage besonders knifflig. In der letzten Staffel hatte man zunehmend das Gefühl, dass sich die Autoren in eine auswegslose Lage geschrieben hatten. Umso mehr hofften die Fans auf das Finale. Schliesslich war es der Show zuvor immer wieder gelungen, mit überraschenden Twists den Rank zu finden.
Um es kurz und schmerzlos zu machen: Es ist ihnen bloss teilweise gelungen. Zwar wurde einiges aufgelöst, allerdings in einer spirituell-mystischen Weise, dass einem tatsächlich ein metaphysisches Grauen packen konnte: Offenbar war die Parallel-Ebene (die Nicht-Absturzwelt) bloss eine Art Zwischenraum zum Himmel – was wiederum bedeutet, dass alle Losties gestorben sind. Nicht beim Flugzeugcrash (wie oft vermutet), sondern jeder zu einem anderen Zeitpunkt. Jack noch auf der Insel nach seinem Schlusskampf mit Locke, Kate in der Zukunft und so weiter.
Viele offene Fragen
Wenn man stirbt, so lautet wohl die Botschaft der Serie, können wir im Vorhof zum Himmel zeigen, dass wir aus unseren Fehlern gelernt haben. Ausserdem darf man dann die Ewigkeit mit Menschen verbringen, die einem wichtig waren. Veranschaulicht wurde dies mit einer Klassenzusammenkunft der selig lächelnden Protagonisten in einer Kirche – mitsamt weissem Licht und bewegender Musik. Kein Wunder, durfte auch Jacks Vater bei der grossen Jenseits-Party nicht fehlen – heisst er mit vollem Namen doch Christian Shepard. Apropos Jack: Zuvor hatte dieser die Lichtquelle auf der Insel ausgelöscht – worauf Lava zum Vorschein kam. Will heissen: Die Insel dient als Tor zur Hölle, das bewacht werden muss, damit das Böse nicht in die Welt gelangt.
Die Kommentare zum letzten Akt des TV-Phänomens fielen unterschiedlich aus. «Süsslich und dünn» lautet das Verdikt der «New York Times». Die Kritikerin der «Washington Post» war «ergriffen». Und die «Los Angeles Times» konstatierte nüchtern: «Es hätte schlimmer sein können.»
Wirklich? Zwar war der mystisch-religiöse Schluss wohl die einzige Möglichkeit, den verworrenen Story-Knäuel aufzulösen. Trotzdem haben sich viele Zuschauer mehr erhofft. Jedenfalls glühen die Lost-Foren seit Sonntag nochmals so richtig auf. Einmal mehr fordern die Fans Antworten, respektive verhandeln nochmals die vielen Rätsel, die nicht gelöst wurden. Wer brachte den Hieroglyphen bestückten Höllen-Stöpsel auf die Insel? Was genau wollte die Dharma Initiative? Warum nahm der übergewichtige Hurley in all den Jahren nicht ab? Wieso sterben Babys auf der Insel? Wie steht es nun mit Schicksal und freiem Wille? Und was ist mit dem Eisbären im Dschungel?
Falls Sie das «Lost»-Finale gesehen haben: Antworten und Kommentare zur Serie sind willkommen, bitte unten eintragen. (baz.ch/Newsnet)
Erstellt: 25.05.2010, 11:53 Uhr
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50 Kommentare
Das Finale einer solch einzigartigen Serie kann nicht allen gefallen. Viele Fans haben sich nur auf die Mysterien konzentriert und quälen sich jetzt mit (eigentlich) unnötigen Fragen. Alle Fragen haben sich im Verlauf der 6 Seasons geklärt und wem das nicht genug ist, der soll sich einfach damit abfinden. Das Finale war abgerundet, sehr ergreifend und passend. Es regt zum Denken an... Antworten
Fazit: Eine saustarke Serie! Eine Stelle, ein Satz sei hervorgehoben. Dort, wo Jacob von Ben niedergestochen wird. Jacob: "They are coming!" (Kamera richtet sich gegen den Sternenhimmel). Hier hätte man die Serie in eine andere Richtung ziehen lassen müssen. "They" im Rahmen einer nicht-irdischen Kultur. Statue!?! Es wäre so was von abgegangen. Aber so was von. Was uns da wohl entgangen ist, hui.. Antworten
Ich finde es auch sehr schade, dass hier bereits das Ende verraten wird. Zum Glück habe ich das Finale schon gesehen. Am Anfang konnte ich mich ja nicht so recht für die Serie begeistern. Das hat sich aber etwas später geändert und schlussendlich fand ich die Ideen in den Serie meist faszinierend. Erwartet habe ich zum Ende hin eigentlich mehr Antworten, finde den Schluss aber trotzdem stimmig! Antworten
Ich dachte ja, nach Battlestar Galactica kann's nicht schlimmer werden. Dem ist offenbar nicht so. Immerhin kann ich mir die letzte Staffel nun schenken. Was hat das Ende mit dem Rest der Serie zu tun? Nichts, aber auch gar nichts. Vorhimmel.... So ein Schrott. Antworten
@Raffaele Merminod Ganz im Gegenteil! Das Ende wurde sogar schon nach dem Pilotfilm geschrieben! (Der Moment wo Jack das Grab berührt bis zum Schluss wo er das Flugzeug wegfliegen sieht!) Darum sitzt auch nur die Staffel 1 Crew in der Kirche :) Ich fand das Ende gelungen! Es braucht viel Mut als TV Serie Themen wie Glauben und Afterlife ins Spiel zu bringen! Chapeau! Antworten
Spoilerwarnung! Sorry Herr Zweifel aber Sie scheinen mir nicht sehr vertraut mit LOST FAN BLOGS zu sein. Ansonsten wäre Ihnen dieser "Ausrutscher" nicht passiert. Aber Fehler machen uns zu Menschen, nicht wahr? @alle enttäuschten LOST Fans: Ihr müsst lernen Loszulassen! Genau das wollten euch die LOST Macher vermitteln. "The End" gibt euch sämtliche Antworten! LOST = VERLOREN! Think about... Antworten
ich verstehe die leute nicht dir reklamieren wegen dem spoiler. schon die "schlagzeile" wie auch die einleitung lassen darauf schliessen, dass der artikel bereits verrät wie lost endet. ich habe die ganze 6te staffel gesehen und habe schon bald mal vermutet, dass die autoren es so enden lassen müssen. es war ein zu grosses wirr-warr um da noch den überblick zu halten. war aber trotzdem gut =) Antworten
LOST ist mit Sicherheit die beste Serie des ersten Jahrzehnts. Sechs Jahre lang wurden die Charakteren liebevoll, aufwändig eingeführt und weiterentwickelt. Der Schluss schwankte zwischen epischem Kampfszenen und tränenreichem Pathos. Ich will gar nicht alle Rätsel gelöst haben, da dies unmöglich wäre. Die letzten 10 Minuten ermöglichten ein Abschied nehmen von liebgewonnenen Charakteren. Danke. Antworten
wieso nerven sich so viele leute auf, dass der schluss bereits verraten wurde....??!! ...und was heisst hier bereits, die letzte folge wurde öffentlich ausgestrahlt. und dank dem internet ;-) --> erfahren wir halt gewisse dinge schneller. Wer ein PROBLEM damit hat soll sein Internet-ABO kündigen und sein Radio einschalten!!!! meine rede wir leben nicht mehr im mittelalter! Antworten
und nochmals für die, welche es immer noch nicht durchschaut haben: 1. die insel ist real und alle szenen dort haben wirklich stattgefunden und 2. das flash-sideways universum der letzten staffel ist die nicht-reale brücke in den himmel. nicht umgekehrt. deshalb sind die schreiber auch nicht im widerspruch zu ihren "insel != purgetory" aussagen. das ging ziemlich eindeutig aus dem finale hervor. Antworten
Mal ehrlich, an die, die sich beschweren, dass hier gespoilert wird...wenn im Titel steht: "«Lost» endet mit metaphysischem Grauen" und ich will nicht wissen, wie die Serie ausgeht, dann klick ich doch einfach nicht auf den Artikel, oder irre ich mich da??? Ist doch jeder selber schuld, wenn er den Artikel liest, nachher weiss wie das Finale daher kommt, sich aber überraschen lassen wollte... Antworten
Ja wirklich. Ich finde es total unüberlegt einfach das Ende zu erzählen, obwohl die Mehrheit der Zuschauer es noch gar nicht gesehen hat. Wer will eine Serie oder einen Film schauen, von dem man das Ende schon kennt. Von so einer renomierten Zeitung hätte ich wirklich mehr erwartet. Antworten
@Andreas Gaigg: Danke! Genau der Grund, weshalb ich hier nur überfliege und nicht genau lese. Wenn mir zudem Satzfragmente wie "Schluss mit dem Schabernack" oder "kurz und schmerzlos" auffallen, dann ist mir klar, der Autor ist es nicht wert gelesen zu werden. Weder hat Lost noch etwas mit Schabernack zu tun, noch wollen wir es kurz und schmerzlos. Antworten
Eine allerletzte Frage, ich auch nie gelöst werden kann: wie ist es möglich, dass eine so komplexe Serie in den USA so erfolgreich war? Sonst sind die Amerikaner nicht berühmt dafür, komplexe Sachverhalte, und schon gar nicht, wenn sie noch in verschiedenen Handlungssträngen zu verschiedenen Zeiten ablaufen, zu verstehen und zu mögen. Antworten
1. Wieso wird hier im grossen Rahmen gespoilert. Und dann noch von einer Zeitung. Schon einmal daran gedacht, dass einige Leute auf DE Stand sind oder das Finale schlicht und einfach noch nicht sehen konnten? 2. Schaut das Finale noch einmal und FANGT AN ZU DENKEN. Was erwartet ihr eigentlich? Dass am Schluss wie bei einem Rätselheft alle Lösung vorgeschissen werden? Antworten
Ich habe das Lost Finale bereits gesehen online.. aber mir ergings genau so wie den übrigen Fans. Klar ist das Ende schlüssig, aber es scheint wohl eher wie im Artikel erwähnt, die Schreiber haben sich in ein Labyrinth geschrieben. Man hat niemals den Effekt wie z.b damals im Film "The Sixt sense" wo man fast vom stuhl fällt, als mann endlich begreift dass die hauptfigur die ganze zeit tot war... Antworten
Das mit dem Eisbär wurde wirklich schon geklärt. Die Dharma-Initiative hat mit Eisbären Experimente gemacht. Mich hat das Finale enttäuscht. Offene Fragen darf es geben, aber nicht für wichtige Sachen. Z.B. was sollte das mit "Walt ist wichtig", "Aaron ist wichtig". Widmore's-Abgang ist auch peinlich. Waraum baute man da zuerst sowas gross auf und dann macht man nix draus? Antworten
Lieber Herr Zweifel, Sie haben doch nie zum Lost Publikum gehört! Was Sie ja auch nicht müssten, da ihr Artikel ja bestimmt nur die Wirkung des Finales bei seinem Publikum wiedergeben sollte. Tut er aber nicht! Er ist gefüllt mit Subjektivität.... "lautet wohl die Botschaft" HÄH.... NEIN tut Sie definitiv nicht... Gut, dass ich mir das Finale angesehen habe, BEVOR ich so einen Schrott lesen muss Antworten
SPOILER: Insel = Tor zur Hölle. Geheimnisvolles Licht / Energie = eigentliche Pforte / Stöpsel (heilende Kraft des Lichtes = Grund für Unfruchtbarkeit und Eroberungswut von z.B. Widmore). Ich wüsste nur zu gerne, warum nur ein Teil der Gruppe ins Jahr '74 gebeamt wurde, warum sie bei der Detonation der Bombe zurück ins Jahr '07 gerieten statt zu sterben und wie die Eisbären auf die Insel kamen. Antworten
Die Schreibfaulheit der Lost-Schreiber ist tatsächlich haarsträubend. Man kam sich richtiggehend verarscht vor, als herauskam, dass sie alle tot sind. Hurra. Die ganze Serie war so für die Füchse. 80er-Jahre-Traumfolgen-TV lässt grüssen. Es wäre so einfach gewesen, einen anständigen Schluss zu machen. BTW: Wer downloaded denn (illegal)? Streaming ist schneller,besser und erst noch legal. Antworten
Der Titel gibt jawohl genug Hinweise auf Spoiler, also bitte... Zum Finale: Dies wurde super umgesetzt. Es war sehr schön, dass sie den Charakteren genügend Zeit gaben. Das Ende fand ich aber auch ziemlich unbefriedigend. Nicht unbedingt wegen der Handlung, sondern wegen der expliziten Umsetzung. Es war viel zu religiös angehaucht, wobei sie da immerhin Elemente verschiedener Religionen einbanden. Antworten
BSG hatte wohl den blödesten Schluss, den man sich denken kann. Stereotype Technikangst führt dazu, dass sich die Menschen freiwillig wieder in die Steinzeit zurückversetzen? Auf so etwas kann nur kommen, wer keine Ahnung hat, was das wirklich bedeutet: Qualvolles Stereben bei offenen Beinbrüchen, Leistenbrüchen, Komplikationen bei der Geburt, Kraakheiten, Infektionen, etc. Antworten
Die Macher haben die fetten DVD-Sales verspielt. Jahrelang behaupteten sie, einen Masterplan zu haben und liessen die Fans rätseln, dabei fügten sei bloss einen Reisser nach dem anderen ein, um die Leute bei der Stange zu halten. Sie täuschten Wissenschaftlichkeit vor, nur um sich mit religiösem Wischi-Waschi aus der Affäre zu ziehen. LOST wird zum Synonym für den ultimativen Verrat am Zuschauer. Antworten
1. viele CH medien nehmens mit der spoilerwarnung nicht ernst. wirklich schade, und das obwohl die folge in der schweiz wohl erst in einem jahr ausgestrahlt wird... ich schau meine serien zum glück im internet... 2. das was auf der insel passiert ist ist tatsächlich passiert, nur die flash-sideways story ist eine "metapher"... 3. schöner abschluss mit raum für interpretation. ich fands super! Antworten
@stalder: aber was auf der insel passiert ist, ist tatsächlich passiert, nicht? das zumindest legt das finale nahe (bloss die parallelwelt war "erfunden". sprich die leute waren noch lebendig, als sie sich nach dem absturz auf die insel retteten. daher sollten sie auch kindern bekommen können...hm, viele ungereimtheiten sind da noch offen. Antworten
Verstehe auch nicht, dass bereits hier die Lösung ersichtlich ist - kein Wunder downloaden immer mehr Leute die Serien illegal, um das Ende doch SELBER zu erfahren, anstelle auf einer mehr oder weniger seriösen Seite zu lesen?! Zur Lösung: Ideelles Ende, das einem zu Denken gibt.... Trotzdem leitete J.J.Abrahms die Fans auf eine andere Fährte (Parallel-Welt), was echt gut gelungen ist. Antworten
Ich fand den Schluss auch entsetzlich! Die Autoren haben am Anfang vehement bestritten, dass es sich um ein Aequivalent des christlichen Fegefeuers handelt und genau das scheint der Fall zu sein! Die ganze Mischung von Wissenschaft und Pseudowissenschaft war amüsant, bis hin zum allerletzten Tag. Big disappointment indeed! Antworten
Ich habe die letzte Folge nicht gesehen, bin allerdings froh, dass LOST (s)ein Ende gefunden hat. Bis zum Ende der dritten (?) Staffel habe ich mit grosser Freude geschaut. Dann aber begann ich mit der Lehre und hatte fortan einfach nicht mehr genug Zeit, mich mit den unzähligen verstrickten Handlungssträngen und den vielseitigen Charakteren auseinanderzusetzen. Werde ich nach der LAP nachholen:-) Antworten
Die erste Staffel gab bereits Rätsel auf, während sie gleichzeitig in Flashbacks Hints en gros lieferte, sodass der engagierte Zuschauer sich verschiedene Szenarien zurecht legen konnte. Nach einer enttäuschenden 2. und 3. Staffel ging es wieder steil bergauf. Das Ende kam jedoch zu hektisch daher und zuviele Fragen bleiben offen in der wohl besten und intelligentesten TV Serie seit Twin Peaks. Antworten
Ich bin völlig enttäuscht! Es ist ziemlich offensichtlich das die Autoren selber nie Antworten auf die von ihnen erfundenen Rätsel hatten und die Serie „nur“ so gut wie möglich beendet wurde. Es gab nur eine Serie die ähnlich fesselnd und mit Rätsel gespickt war, nämlich Battlestar Galactica. Aber die Galactica Macher schafften ein nahezu perfektes Ende der Serie. Antworten



Andreas Berger
Nein, es ist zu einfach, den Bezug zum Jenseits zu kritisieren. Dass alle bereits mit dem Absturz tot sind, muss nicht sein, sie sind es allerdings bei der letzten Parallelgeschichte in L.A. Rückblickend eine sehr gut erzählte Story, die für mich keine Fragen offen lässt, sondern viele Antwortmöglichkeiten hat. Das macht "Lost" zu einem Lichtblick im Seriendschungel. Antworten