Kultur
«Man ist eine super Projektionsfläche»
Interview: Philippe Zweifel. Aktualisiert am 30.08.2012
Bettina Walch, 42, gehörte zum Gründungsteam von «Meteo». Sie moderierte die Sendung zwischen 1992 und 1998. Heute arbeitet Walch als Moderatorin, Redaktorin und Tagesverantwortliche bei DRS 3.
Meteo
Am Montagabend, 31. August 1992 ging «Meteo» zum ersten Mal auf Sendung. Bis dahin waren die Wetterprognosen Bestandteil der «Tagesschau». Mittlerweile ist die zuschauerstärkste Sendung des Schweizer Fernsehens mit über 50 Prozent Marktanteil mehrmals täglich zu sehen. Bei der Hauptausgabe vor acht Uhr schauen im Schnitt 640'000 Menschen zu.
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Frau Walch, was halten Sie vom heutigen «Meteo»?
(lacht) Ein wunderschönes Dach! Mir gefällt auch der Brunnen. Ich bin aber froh, dass ich damals nicht bei Wind und Regen da raufsteigen musste.
Also keine Wehmut?
Nein, null Wehmut, ich will ja nicht mehr 20 sein. Wenn ich Bilder von damals sehe, sehe ich einen anderen Menschen. Wobei durchaus eine gewisse Konditionierung stattfand: Noch Jahre nach meiner «Meteo»-Zeit ging ich jeweils um 19.50 Uhr innerlich in Achtungsstellung.
Das klingt nach viel Druck. Wie schwierig ist der Job der Wetterfee eigentlich?
Prognosen zu erstellen, ist anspruchsvoll, das Wetter zu erzählen, ist nicht besonders schwierig. Die eigentliche Herausforderung besteht darin, Zusatzinformationen in die Prognosen einfliessen zu lassen, die die Moderation lebendig machen.
Und wie schwierig war es, auf Kommando zu lächeln – wenn zuvor vielleicht grad die Beziehung bachab ging?
Das ist wie in jedem anderen Job: Eine Frage der Professionalität. Da bin ich altmodisch, man sollte sich zusammenreissen können, auch wenn man schlechte Laune hat.
Hatten Sie keine Probleme mit dem Gender-Graben: Männer erstellen die Prognosen, Frauen dürfen sie vorlesen.
Es ist nicht so, dass man nichts von dem versteht, was man erzählt. Man besucht Meteorologie-Kurse. Und den Gender-Graben gibts im Fernsehen überall. Wie viele unattraktive, über 50-jährige Moderatorinnen kennen Sie? Aber klar, wenn meine Tochter sich zwischen Wetterfee und Ingenieurin entscheiden müsste, würde ich Ingenieur bevorzugen.
Ist Wetterfee eigentlich ein Traumberuf oder sieht man das eher als Sprungbrett in den Journalismus an?
Ich kann nur für mich antworten: Ich bin da damals reingerutscht. Es war eine spannende Erfahrung, gerade auch das Promi-Dasein. Irgendwann hatte ich aber genug. Der Kopf kam doch zu kurz. Und ich wollte wieder anonymer sein, nicht mehr überall erkannt werden. Nicht länger die Traumschwiegertochter und das Schätzli der Nation sein. Fremd- und Selbstwahrnehmung stimmten nicht überein. Mit ein Grund für den Wechsel zum Radio.
Apropos: Wie wird man als Wetterfee eigentlich SF-intern wahrgenommen? Nehmen einen andere Journalisten ernst?
Es gibt immer Leute mit Dünkel. Das waren beim SF aber wenige. Am meisten Vorurteile schlugen mir in der alternativen Ausgangszene Zürichs entgegen. Dort verstand nicht jeder, dass man als Wetterfee auch Singer-Songwriter-Konzerte mögen kann. Oder dass man lieber Bier statt Champagner trinkt.
Wie begegnen einen die Leute auf der Strasse?
Wenn du «Meteo» machst, tust du niemandem weh. Wenn du dazu noch blond bist und blaue Augen hast, ist sowieso alles wunderbar. Man ist eine super Projektionsfläche. Ich bekam entsprechend viele Briefe von Bürgersleuten, die fanden, ich würde doch prima zu ihren Söhnen passen.
Fällt man nach einer Fehlprognose nicht dem Zorn der Bürger zum Opfer?
Heute im Facebook- und E-Mail-Zeitalter vielleicht. Damals meldeten sich höchstens die SBB, weil sie die Voraussagen gerne früher gehabt hätten – damit sie bei Schönwetterprognosen Extrazüge bereitstellen können.
(baz.ch/Newsnet)
Erstellt: 29.08.2012, 15:37 Uhr
















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